Klar und sichtbar ist der Name von Krista Knorr am Briefkasten angebracht. Dass ein wichtiger Brief nicht ankam, könne also nicht an einer mangelhaften Beschilderung liegen. Foto: rainer Beutel
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Klar und sichtbar ist der Name von Krista Knorr am Briefkasten angebracht. Dass ein wichtiger Brief nicht ankam, könne also nicht an einer mangelhaften Beschilderung liegen.

Kriminalität

Schon wieder wurde Post nicht zugestellt

  • vonRainer Beutel
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Recherchen haben ergeben: Es gibt wohl noch mehr Fälle in Nauheim, bei denen die DHL Briefe nicht ausliefert. Was ist da los, fragen sich viele. Womöglich steckt dahinter ein weitaus größere Serie von Diebstählen als bisher angenommen.

Mit Krista Knorr macht eine weitere Nauheimerin anhaltende Probleme mit der Briefzustellung in Nauheim öffentlich. Nur dem Handeln ihres Anwalts sei es zu verdanken, dass eine Rechtssache für sie gut ausgegangen ist - denn wegen eines verschwundenen Briefes war sie nicht auf dem Laufenden gewesen.

Es gebe sicherlich dramatischere Fälle, sagt Krista Knorr. Etwa wenn aus einem Brief Geld gestohlen wurde. So wie bei Karola Heil Ende vergangenen Jahres. Die Nauheimerin hatte bekannt gemacht, dass aus einem von ihr verschickten Einschreiben mit 80 Euro und einem Brief mit 20 Euro das Geld verschwunden war. Ihre Recherchen brachten ans Tageslicht, dass es wohl noch weitere solcher Vorkommnisse gegeben habe.

Nachfragen dieser Zeitung ergaben schließlich, dass offenbar eine weitaus größere Serie von Diebstählen dahinter stecken könnte. Eine Bürgerin aus Schlangenbad, die früher in Nauheim wohnte und im Ort noch ihre Bankgeschäfte abwickelt, meldete sich wie mehrere andere Nauheimer mit vergleichbaren Problemen. DHL wusste zu diesem Zeitpunkt von solchen Fällen, machte aber öffentlich dazu keine genauen Angaben.

Vermutlich nur ein Fall von vielen

Krista Knorr geht davon aus, dass sich ihr Fall womöglich in eine Vielzahl ähnlicher Ereignisse einordnen lasse. Damit zeige sich, dass noch immer nicht alles aufgedeckt sei. Sie sei stutzig geworden, erzählt sie, nachdem sie von den Berichten in dieser Zeitung gehört hatte. Außerdem war ihr zu Ohren gekommen, dass vor der Kommunalwahl Wahlbenachrichtigungen nicht zugestellt worden seien. Auch sie gehörte zu den Betroffenen.

"Ich habe meinen Rechtsanwalt angerufen und nachgefragt, ob er mir Post geschickt hat", erinnert sie sich. Sie erwartete zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Schreiben von ihrem Anwalt, in dem es um eine Rechtssache ging. Der Jurist habe sich mit ihr abstimmen wollen. "Der hat sich gewundert, warum ich nicht geantwortet habe, aber sein Brief kam ja nie an", sagt sie.

Knorr freut sich, dass ihr Rechtsbeistand selbstständig in ihrem Sinne gehandelt und einen Prozess für sie gewonnen habe. Insofern sei die Angelegenheit für sie ja positiv verlaufen. Doch Krista Knorr wundert sich über den Service der DHL, denn mit "Nachfragen bei der Post" sei sie gegen eine Wand gelaufen - so wie auch vor einigen Monaten Karola Heil, die immer wieder vertröstet worden war.

Ermittlungen laufen

"Mir wurde keine Hilfe angeboten", bestätigt Knorr, die ausschließt, dass der nicht zugestellte Brief vielleicht mit einer Verwechslung des Briefkastens zusammengehangen haben könnte. Der sei am Haus deutlich sichtbar und weise klar ihren Namen aus. "Ich habe Glück gehabt", sagt sie.

Allerdings hätte die Sache auch anders ausgehen können, "dann hätte ich zwei Jahre umsonst prozessiert". Immerhin wisse sie jetzt, sagt sie mit einem Lachen, welche Zeitung sie lesen müsse, um informiert zu werden.

Die Vorkommnisse mit verschwundenen Briefen haben inzwischen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Schon im Oktober 2020 sei ein Ermittlungsverfahren wegen mindestens 15 000 unterschlagenen Briefen eingeleitet worden, informierte unlängst die Staatsanwaltschaft in Darmstadt.

Ein Security-Mitarbeiter der Deutschen Post hatte den Fall gemeldet, nachdem die DHL bereits intern recherchiert habe. Die internen Ermittlungen hätten auf einen Tatverdächtigen verwiesen, gegen den nun intensiver ermittelt werde. Es handele sich um einen 61 Jahre alten Mann aus Wiesbaden, der als Kraftfahrer für ein Subunternehmen der Deutschen Post tätig gewesen sein soll. In seiner Wohnung, die durchsucht wurde, seien rund 15 000 Briefe gefunden worden. Auch Fälle in Rüsselsheim wurden inzwischen publik.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Sendungen der Post abhanden gekommen sind, deutete die Staatsanwaltschaft an. Der Mann sei auf verschiedenen Routen für DHL tätig gewesen.

Ob die Fälle aus Nauheim damit zusammen hängen, lässt sich noch nicht sagen. Weder Karola Heil noch Krista Knorr haben bislang entsprechende Aussagen erhalten. DHL-Pressesprecher Stefan Heß hält sich, wie schon Ende vergangenen Jahres, weiterhin bedeckt. "Zur Sache selbst werden wir uns aufgrund laufender Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden momentan nicht äußern.

Dafür bitten wir um Verständnis", lässt er auf Anfrage wissen. Rainer Beutel

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