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Schüler erkunden die neuen Räume

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Von: Rainer Beutel

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Bevor die Schüler das neue Gebäude erkunden, legen sie ihre privaten Sachen ab. FOTO: RAINER BEUTEL
Bevor die Schüler das neue Gebäude erkunden, legen sie ihre privaten Sachen ab. © RAINER BEUTEL

Schwarzbachschule öffnet erstmals seine Türen - Bücherei wird im Januar eingerichtet

In der über vier Jahrhunderte währenden Nauheimer Schulgeschichte ist am Montagmorgen ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Kurz nach 8 Uhr, die Gemeinde versank noch im dichten Herbstnebel, haben mehr als 400 Mädchen und Jungen der ersten vier Grundschulklassen die neue Schwarzbachschule in Beschlag genommen.

Anfang Oktober 1593, also vor 428 Jahren, soll es in Nauheim erstmals Schulunterricht gegeben haben. So steht es in der 1993 verfassten Schulchronik. Spätestens seit Montagmorgen gilt diese als lückenhaft. Denn jetzt gibt es die Schwarzbachschule. Nicht nur, dass die Lehranstalt erstmals einen Namen trägt. Es ist nun auch alles neu, anders, schöner, bunter und moderner in dem 17 Millionen Euro teuren Gebäude.

Die 4 e betritt um 8.12 Uhr als erste Klasse die Adresse Schulstraße 12. Die Kinder streben artig und doch neugierig die Treppe hoch. Vor ihrem Klassensaal finden sie Schränke, in denen sie ihre privaten Sachen und ihre nun schon notwendigen Winterjacken zurücklassen können. Dann dürfen sie sich einen Platz im kuschelig warmen Klassensaal suchen.

Dort ist es angenehm hell. Der Blick der Kinder geht nach vorne. Die Schüler sehen keine Tafel, sondern ein Smartboard. Mit Kreide wird nicht mehr geschrieben. Jetzt herrscht in der Schule endgültig das Elektronik-Zeitalter. Einige Schüler eilen wieder aus dem Saal. Sie wollen sich mal umschauen in ihrem Cluster. Ihre Klassenlehrerin ist nachsichtig und lässt der kindlichen Neugierde Raum.

Es gibt vier Cluster, für jede Klassenstufe einen. Jeder hat eine Mitte. Dort finden die Mädchen und Jungen Sitzkissen und weiche Polster in bunter Umgebung. Der Boden ist grün, die Schränke sind gelb. In den Toiletten ist alles blau. Nach vier Jahrhunderten ist Farbe in den Nauheimer Schulalltag gezogen. Und neues Leben, denn rasch füllt sich das Schulgebäude mit lauten Kinderstimmen. Einige rufen "ey" und posen, wie sie es sich offenbar aus den sozialen Medien abgeschaut haben.

Schulleitung packt mit an

Was die Kinder nicht wissen, erzählt Rektorin Andrea Kühnl. In den vergangenen zwei Wochen schufteten sie und ihre Kolleginnen tagsüber fast rund um die Uhr. Koordinieren, einpacken, Kisten schleppen und das gesamte Lehrmaterial wieder einräumen, das waren ihre Hauptaufgaben. "Bis auf zwei Tage gingen die ganzen Ferien drauf", sagt die Schulleiterin, die trotz des morgendlichen Stresses an diesem denkwürdigen Tag der ruhende Pol ist.

Kühnl betont, dass es Spaß mache, diesen - aus Sicht der Lehrkräfte - neuen Arbeitsplatz zu beziehen. Die Anstrengungen und Entbehrungen in den Behelfscontainern, in denen seit einigen Jahren während des Schulneubaus unterrichtet wurde, sind indes noch nicht vorüber. Es gibt in den nächsten Tagen und vielleicht auch Wochen allerhand zu tun. Denn noch sind nicht alle Räume in der Schwarzbachschule zugänglich oder benutzbar.

Die Schulbücherei etwa, die mit der Gemeindebibliothek verschmilzt, ist noch nicht eingerichtet. Das soll im Januar passieren. Hier liegen noch Umzugskisten, dort lugen Kabel unter den Smartboards hervor, weil das WLAN-Netz noch nicht funktioniert. Die Vorfreude auf all das, was noch kommt und was die Kinder in ihrem Schulalltag nun erleben dürfen, spornt die Lehrerinnen an.

Noch am Montagmorgen war die Mensa zu bestuhlen. Dann können die Mädchen und Jungen gemeinsam speisen. Das Essen liefert ein Caterer. Nicht weit von diesem Zentrum im Erdgeschoss liegen Ruhe- und Arbeitsräume, Lehrerzimmer und Sitzecken. Überall finden sich Plätze zum Entspannen nach dem Lernen. Wer will, wird bald sogar an einer Wand klettern können, wobei die typischen Bouldergriffe noch montiert werden müssen.

Andrea Kühnl sagt, dass jetzt ein neuer Stundenplan erarbeitet wird. In der Ganztagsschule werde der Pakt für den Nachmittag umgesetzt. Auch mittags halten sich Kinder in der Schwarzbachschule auf - das ist für viele ein Novum. Es ist beinahe vergleichbar mit dem 1. Oktober 1593, als der Nauheimer Pfarrer Johannes Beull in einem lehmverputzten Gebäude am Ende des heutigen Heinrich-Kaul-Platzes "mit dem Schulhalten begann" - laut Chronik damals fast ohne jeden Komfort, allerdings schon beheizbar.

Rainer Beutel

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