Die neue Jugendpflegerin Brîndusa Salzgeber liest nach, was sich bei der Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde in der Vergangenheit alles getan hat.
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Die neue Jugendpflegerin Brîndusa Salzgeber liest nach, was sich bei der Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde in der Vergangenheit alles getan hat.

Personalie

Sie will neue Akzente setzen

Brîndusa Salzgeber ergänzt in Nauheim das Team der Kinder- und Jugendförderung.

Nauheim -Die Kinder- und Jugendförderung arbeitet wieder mit drei hauptamtlichen Kräften. Nachdem Till Kessler vorübergehend eine vakante Stelle besetzt hat, komplettiert seit Anfang Oktober Brîndusa Salzgeber das Team von Andreas Schmitt und Gudrun Sattler. Die gebürtige Rumänin mit deutscher Staatsbürgerschaft kennt sich besonders gut mit Beteiligungsprozessen aus.

Brîndusa Salzgeber lebt seit 2005 in Deutschland. "Ich bin wegen der Liebe hierhergekommen", sagt die Mutter von zwei Kindern im Alter von zehn und 13 Jahren. Mit ihrer Familie lebt sie in Griesheim bei Darmstadt. In ihrer früheren Heimat wirkte sie am jahrelangen Vorbereitungsprozess für den Beitritt Rumäniens in die Europäische Gemeinschaft mit. Gesetze der EU mussten auf Landesebene runtergerechnet werden, die Beteiligung der Bürger an demokratischen Entscheidungen waren einzuleiten, und bei einem Umweltprojekt arbeitete Salzgeber ebenfalls mit.

Schnell Deutsch gelernt

"Meinungsfreiheit gab es nicht im Kommunismus", erinnert sie sich an das Leben ihrer Kindheit und als junge Erwachsene. "Der plötzliche Gewinn an Freiheit und Möglichkeiten, sich zu engagieren, waren eine neue Herausforderung", betont sie. Sie weiß, wie wichtig es ist, dass Kinder von klein auf Mitwirkungsrechte haben sollten.

In Deutschland habe sie vor 16 Jahren zunächst die Sprache gelernt, was ihr in anderthalb Jahren gelungen sei. An der TU Darmstadt habe sie einen Masterlehrgang in Geschichte, Umwelt und Staatskunde absolviert, bevor sie zunächst in Riedstadt bei einem Umgestaltungsprojekt angestellt war. Ein Jahr habe sie im Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge in der Stadt Griesheim gearbeitet. Als 2015 immer mehr Geflüchtete ankamen, habe sie sich gesagt, "ich muss diese Menschen kennenlernen".

Unter anderem sei ihr das als ehrenamtlicher Sportcoach in Griesheim und durch den damit verbundenen Kontakt zu den örtlichen Vereinen gelungen. Ebenso seien enge Bindungen zu Schulen sowie als Vorstandsmitglied einer Elterninitiative zu verschiedenen Betreuungseinrichtungen entstanden. In der Griesheimer Jugendförderung habe sie anschließend als Verwaltungsangestellte gearbeitet. Von Griesheimer Vereinen sei sie zur Integrationsbeauftragten ernannt worden.

Austausch mit dem Jugendparlament

Auf die Stelle in Nauheim sei sie aufmerksam geworden, nachdem sie sich erkundigt hatte, was es mit dem Nauheimer Kinder- und Jugendparlament auf sich habe, einer Einrichtung, die es in Südhessen nicht oft gibt. Zum Vorsitzenden des Jugendparlaments, Neo Kohrs, und seinem Stellvertreter Felix Neumann habe sie bereits Kontakt geknüpft. Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, die sich parlamentarisch für Bedürfnisse von Gleichaltrigen einsetzen, sei jetzt ihre primäre Aufgabe, erklärt sie. "Nächstes Jahr wird das Kinder- und Jugendparlament neu gewählt", blickt Salzgeber voraus. Mit den bisherigen Jungpolitikern und den örtlichen Jugendbeauftragten Birgit Bootz und Stefan Schilder werde sie die Wahl vorbereiten.

Ihr liege viel an Vernetzungen und Kooperationen. Der enge Kontakt zu den Nauheimer Vereinen gehöre ebenso dazu wie das Zusammenwirken mit dem Ausländerbeirat. Nach und nach wolle sie alles und jeden kennenlernen. "Ich habe mich in Nauheim schon umgeschaut", berichtet sie. Den Kulturbahnhof X-Presso, den Skaterplatz und einige Spielplätze habe sie besucht. Till Kessler, der bei der Jugendförderung mitgearbeitet hatte, habe ihr einiges gezeigt.

Wie gut es gelinge, junge Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben zu lassen, vermag Brîndusa Salzgeber nach den ersten drei Wochen in Nauheim noch nicht sagen. Sie wünscht sich dies so intensiv und umfassend wie möglich. Dabei wolle sie künftig einen Blick auf benachteiligte Familien werfen, "um ihnen zu zeigen, dass auch sie eine Stimme haben", deutet sie neue Akzente ihrer Arbeit an. "In einem freien Land öffnet sich so vieles", weiß sie aus eigener Erfahrung.

Rainer Beutel

Jugendparlament tagt

Die erste Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments unter Betreuung von Brîndusa Salzgeber findet am Mittwoch, 27. Oktober, statt. Unter anderem geht es um eine Galerie von Graffiti-Wänden, "Wifi-Hotspots für Kids" und einen Rollparcours. Außerdem will sich die neue Jugendpflegerin vorstellen. Beginn ist um 18 Uhr im Kulturbahnhof X-Presso.

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