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Wo sind die Eidechsen: Herbert Vogel vom Obst- und Gartenbauverein kann an dem noch jungen Biotop noch keine entdecken. Schuld daran mag die Dürre sein, vermutet der Vorsitzende.

Hitze

Wo sind die Eidechsen im Biotop hin?

Podarcis muralis und Lacerta agilis, eher bekannt als Mauer- und Zauneidechsen, sind nicht zu entdecken. Die flinken Tierchen werden sich auf dem Steinhaufen wohl erst nach einem gemäßigteren Sommer ansiedeln.

Dass die zurückliegenden Monate alles andere als normal waren, spürte wohl jeder im Freien auf der Haut. Wiesen sind in der anhaltenden Hitze verdorrt, die Blätter an Bäumen färben sich längst braun und viel Regen ist immer noch nicht gefallen. Auch ein gut gemeintes Projekt des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) kommt noch nicht so recht in Gang.

Die Voraussetzungen, dass sich zahlreiche Mauer- und Zauneidechsen am südlichen Rand der 20 Jahre alten OGV-Hochstammanlage ansiedeln, wurden im Frühjahr geschaffen. In Absprache mit dem Umweltamt der Gemeinde, das sich mit der Unteren Naturschutzbehörde als genehmigende Instanz in Verbindung gesetzt hat, ist ein großer Haufen Sandsteine aufgeschichtet worden.

Doch dann kam dieser Sommer. „Es hat doch wochenlang keinen Tropfen geregnet“, stöhnt OGB-Vorsitzender Herbert Vogel, der sich beim Hessischen Umweltministerium für das Vorhaben eingesetzt hat. Es „fast alles vertrocknet“. So oft Vereinsmitglieder rund um den Steinhaufen eine Tränke mit der Gießkanne gefüllt hätten, so schnell und regelmäßig sei diese wieder versiegt. „Im April und Mai war hier noch alles grün“, erinnert sich Vogel. Er ist zuversichtlich, dass der Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz gelinge. Beispiele gebe es in Nauheim an einigen Punkten, etwa an einer Stellfläche in der Nähe des Campingplatzes, entlang eines Radwegs am Bahndamm und im Vereinsgarten des OGV. Dort, am Seeweg, habe es allerdings auch ein Weilchen gedauert, bis sich Eidechsen an und in einem Steinhaufen heimisch gefühlt hätten. Jedoch nicht wegen der Dürre, sondern wegen des Nachbars halbwilder Katze, die sich recht gerne mit den Amphibien die Zeit vertrieben habe. Seit diese aber nicht mehr lebe, nähme die Eidechsenpopulation stetig zu, beobachtete Vogel.

Der Vorsitzende geht davon aus, dass im Seichböhl in der Nähe von zahlreichen alten, in diesem Sommer üppig gedeihenden Apfelsorten eine Lebensgemeinschaft aus Vögeln, Bienen und anderem Getier entwickele. Es sei erklärtes Ziel, ein Bionetzwerk zu schaffen.

Die Sandsteine für die Eidechsen seien das eine, Vogelhecken wie Weißdorn, Holunder, Schlehe, Eberesche, Pfaffenhütchen und nicht zuletzt eine Wildblumenwiese seien eine weitere Hilfsmaßnahme. Das Projekt sei ein „Zeichen gegen das zunehmende Artensterben“, das, wie Vogel betont, durch Monokulturen, den Einsatz von Glyphosat und die Versteinerung von Vorgärten beschleunigt werde. Ganze Nahrungsketten, von Wildkräutern über Insekten zu Vögeln, würden damit unterbrochen.

Ganz arm an Eidechsen scheint das Seichböhlgebiet nie gewesen zu sein. Thomas Arnold vom Umweltamt der Gemeinde verweist auf ein Gutachten für das einst riesige, unter Schutz gestellte Streuobstgebiet, in dem über Jahrzehnte etliche Obstbaumstücke zu Spargelfeldern umfunktioniert wurden.

Gut bevölkerte Zauneidechsenbiotope gebe es dort, heißt es in der Expertise, die im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde erstellt worden war. Das Schriftstück ist 30 Jahre alt. Zeit also, etwas zu unternehmen, auch wenn’s mal wieder trocken wird, findet ein Naturschützer wie Herbert Vogel.

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