Wo normalerweise über die Raffinessen des Tennisspielens gefachsimpelt wird, erwartet das Trainerteam um Stefan Winter und Andrea Stach die Nachwuchsspieler zum Händedesinfizieren. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Wo normalerweise über die Raffinessen des Tennisspielens gefachsimpelt wird, erwartet das Trainerteam um Stefan Winter und Andrea Stach die Nachwuchsspieler zum Händedesinfizieren. FOTO: RAINER BEUTEL

Vereine

Spagat zwischen Sport und Schutz

  • vonRainer Beutel
    schließen

Wenn das Wetter mitspielt, wird beim Tennisclub trainiert. Der Sportbetrieb ist wieder gut angelaufen. Die Auflagen sind streng: Selbst den Eltern ist es nicht erlaubt, ihren Kindern beim Training vom Spielfeldrand zuzuschauen.

Nauheim -Gähnende Leere auf den Tennisplätzen: Am vergangenen Samstag ist auf der Anlage des Tennisclubs (TC) fast niemand anzutreffen. Doch es sind keine Corona-bedingten Auflagen, die die Sportler ausbremsen, sondern die starken Regenfälle vom Vortag. Die Plätze sind vorübergehend gesperrt. Ein Spielbetrieb hätte den Boden zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. "Normalerweise wäre hier jetzt alles belegt", berichtet Jugendtrainerin Andrea Stach. Allerdings präzisiert sie ihren Hinweis noch im gleichen Atemzug. "Auf den Plätzen, und nur dort", sagt sie mit einem Unterton des Bedauerns.

Im Klartext: Beim TC ist der Sportbetrieb wieder gut angelaufen. Doch das gesellige Miteinander liegt brach. Die Mitglieder dürfen zwar ihr Hobby ausüben, sie dürfen jedoch nicht auf der Anlage in gemütlicher Runde beisammen sitzen und plaudern. Selbst Eltern ist es nicht erlaubt, ihren Kindern beim Training vom Spielfeldrand zuzuschauen.

Auflagen werden gut eingehalten

Stach und ihr Trainerkollege Stefan Winter äußern sich beeindruckt darüber, "wie gut das alles funktioniert". Die Mitglieder respektierten die Auflagen ohne großes Murren, was dem Sportbetrieb entgegenkomme. Ohne die Akzeptanz wäre es nicht möglich, dass die rund zwei Dutzend Mannschaften des TC in Form bleiben und auf der Anlage private Matches ausgetragen werden können.

Darüber seien alle glücklich, beschreibt das Trainerteam die Stimmung im Verein. In der mehrwöchigen Pause der Corona-Krise sei es allerdings sehr aufwendig gewesen, gerade die Kinder bei Laune zu halten. Doch selbst das sei überraschend gut gelungen, beispielsweise mit Videochats und der Gewissheit: "Wir schaffen das". Ein Video, auf dem Nauheimer Kinder mit selbst angefertigten Botschaften zeigen, wie sie sich mit Tennis in der Corona-Pause fit halten, sei vom Landessportbund online gestellt worden, freut sich Stach.

Jetzt funktioniere das Training mit Abstand gut; in kleinen Gruppen und mit größter hygienischer Vorsicht. Wer beispielsweise einen Tennisplatz betritt, müsse Hände und Equipment zuvor desinfizieren. Eine Hygienestation steht dort, wo an Wochenenden Mitglieder über ihren Aufschlag oder die beidhändige Rückhand fachsimpeln.

Der Trainingsrückstand sei spürbar, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Stach verweist auf die Osterferien, in denen ohnehin kein Training stattgefunden hätte. "So sind wir eigentlich nur zwei Wochen später gestartet als geplant", erklärt sie. Inzwischen sei die Anlage unter den neuen Bedingungen wieder "voll gebucht". Auch die Hallenplätze würden genutzt.

Nachwuchs steht im Fokus

Aus Sicht des Vorstands sei die Solidarität unter den Mitgliedern erfreulich. Es habe wegen der Corona-Krise weder Austritte gegeben, noch hätten beispielsweise Eltern darauf gepocht, dass die Beiträge für ihre Kinder storniert werden müssten, weil diese nicht zum üblichen Training durften. Und es sei auch jetzt vor allem der Nachwuchs, auf den sich beim TC das Augenmerk richte. Für die Kinder sei das Tennisspielen enorm wichtig, egal unter welchen Umständen. "Wir finden uns mit der gegenwärtigen Situation ab und machen das Beste draus", sagt Stefan Winter.

Es gebe zum Beispiel eine Wegeführung und für jedes Kind einen eigenen Stuhl zum Pausieren zwischen den Trainingsspielen. Bei den Jüngsten, die gerade mal vier Jahre alt sind, würden Kreise auf dem Tennisplatz markiert, in denen sie sich bewegen sollen. Es sei dann ihre Aufgabe, von einem Kreis zum nächsten zu gelangen, aber erst, wenn dieser leer ist. So merken die Kinder gar nicht, dass sie Abstandsregeln einhalten.

Klar sei, ergänzt Andrea Stach, dass alle im Verein auf weitere Lockerungen hofften. Gerade wenn es wieder Wettbewerbe gebe. Denn es sei üblich, nach einem Match mit den Gegnern noch etwas zu essen oder zu trinken. Das sei im Moment nicht möglich. Genauso wenig wie das Tennisspielen auf einem aufgeweichten Boden, aber das hat bekanntlich andere Gründe. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare