Zehn Euro sollen die Nauheimer von 2022 an bezahlen, wenn sie, wie hier in der Justus-Liebig-Straße, Sperrmüll bereitstellen. Bislang wurden dafür keine Extragebühren verlangt. Auch Rest- und Biomüll werden teurer. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Zehn Euro sollen die Nauheimer von 2022 an bezahlen, wenn sie, wie hier in der Justus-Liebig-Straße, Sperrmüll bereitstellen. Bislang wurden dafür keine Extragebühren verlangt. Auch Rest- und Biomüll werden teurer.

Service

Stadt will zehn Euro pro Sperrmüll-Termin

  • VonRainer Beutel
    schließen

Gebühren steigen auch für die Rest- und Bio-Tonnen ab 2022

Obwohl die Bürger weniger Müll verursacht haben, sollen sie von 2022 an höhere Gebühren zahlen. Davon betroffen sind nicht nur die Nauheimer, sondern sechs weitere Orte, die den Abfallwirtschaftsverband (AWV) bilden.

Über die neueste Entwicklung hat am Donnerstagabend im Ortsparlament der für Nauheim im AWV zuständige Vertreter Stefan Krug berichtet. Der frühere Gemeindevertreter der Grünen verdeutlichte, dass er mit den Vorgängen um die Preissteigerung keineswegs zufrieden ist.

Nach Krugs Darstellung steigen die Gebühren für die Restmülltonne um rund 3,5 Prozent, für den Biomüll um mehr als 16 Prozent. Neu hinzu komme eine Gebühr für die Sperrmüllabfuhr, die bei zehn Euro pro Termin und Haushalt liege. Bislang waren dafür keine Extragebühren verlangt worden.

Zehn Prozent mehr Kosten

"Für einen Durchschnittshaushalt macht das zehn Prozent Mehrkosten beim Müll pro Jahr aus", bilanzierte Krug. Der AWV habe die neue Gebührenordnung in seiner Vertreterversammlung am Donnerstagmorgen mehrheitlich beschlossen. Krug berichtete, dass er sich wie die Verbandsmitglieder aus Trebur und Büttelborn enthalten habe. Drei Mitgliedskommunen im AWV hätten der Vorlage des Verbandsvorstands zugestimmt, eine Kommune habe dagegen votiert.

Krug kritisierte, dass er kaum Möglichkeiten gehabt habe, sich in die Unterlagen einzuarbeiten. Erst am Morgen der Sitzung habe er die notwendigen Informationen erhalten. Außerdem wäre es ihm lieber gewesen, wenn das Thema vorher in der Gemeindevertretung öffentlich beraten worden wäre. So sei nicht klar, was Bevölkerung oder Gemeindevertretung wünschten.

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) sagte, die notwendigen Unterlagen seien am 10. September versendet worden. Alle andere AWV-Vertreter hätten die Informationen rechtzeitig bekommen. "Es gab wohl ein E-Mail-Problem", äußerte sich das Gemeindeoberhaupt Richtung Krug. "Die Unterlagen kamen erst auf Aufforderung", konterte Krug.

Der AWV-Vertreterversammlung gehören neben dem Verbandsvorstand jeweils Abgesandter der sieben beteiligten Kommunen an. Den Vorstand bilden die Bürgermeister der Kommunen, für Nauheim also Jan Fischer. Die Gebührenerhöhung sei auch für den AWV-Vorstand "keine leichte Entscheidung gewesen", betonte dieser. Die von Krug prognostizierten Auswirkungen von zehn Prozent Mehrkosten beträfen lediglich einen Musterhaushalt. Dieser statistische Wert sei aber nicht realistisch.

Großer Fehlbetrag beim Verband

Wer sich beispielsweise wegen eines eigenen Komposthaufens von der Abfuhr des Biomülls befreien lasse, habe eine Kostensteigerung von etwa drei Prozent über zwei Jahre beziehungsweise wenige Euro im Monat. Laut AWV sind für die Leerung einer 120-Liter fassenden Biotonne derzeit 7,70 Euro monatlich fällig und demnächst 8,96 Euro bei einer jährlichen Mindestgebühr von 107,52 statt 92,40 Euro.

Als Ursache der Preiserhöhung nannte Krug eine Kalkulation des AWV, die nicht berücksichtigt habe, dass die Bevölkerung das Müllvolumen verringere und auf viele Abfuhren verzichtet habe, um die eigenen Kosten zu senken. So sei beim Verband ein hoher Fehlbetrag entstanden, der maßgeblich zu einem Jahresdefizit von 870 000 Euro beigetragen habe und die Unterdeckung im AWV-Wirtschaftsplan auf 1,25 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren verursache. Dieses Minus könne mit den Gebührenerhöhungen und höheren Einnahmen bei der Altpapierverwertung schon 2025 ausgeglichen sein, nannte Krug die neuesten Prognosen des AWV.

Ein anderes Problem sei, dass der AWV mit dem Abfuhrunternehmen Meinhardt einen Vertrag habe, der der Firma trotz deutlich weniger Leerungen durch Pauschalzahlungen gleichbleibende Erlöse garantiere. "Die kriegen das gleiche Geld, auch wenn sie gar nichts geleert haben", kritisierte Krug. Er hofft auf eine Korrektur bei der nächsten Ausschreibung. Fakt sei: Die Müllmenge sei deutlich gesunken. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare