Weniger wäre mehr, finden die Landfrauen angesichts des üppig wachsenden Lavendels an der Gedenkstätte für Bürger jüdischen Glaubens. Foto: Rainer Beutel
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Weniger wäre mehr, finden die Landfrauen angesichts des üppig wachsenden Lavendels an der Gedenkstätte für Bürger jüdischen Glaubens.

Erinnerung

Sträucher wuchern vor Gedenkstätte für jüdische Bürger

Eigentlich solle der Platz am Alten Rathaus ein Aushängeschild sein für die Gemeinde sein. Die Opfer des Nazi-Terrors sollen nicht vergessen werden. Doch Lavendel-Pflanzen breiten sich aus. Und dann gibt es auch noch die Autofahrer, die hier parken.

Wenn Lavendelfelder blühen, freut sich das Auge. Doch alles sollte im Rahmen bleiben, finden die Landfrauen und verweisen auf die Gedenkstätte, die am Alten Rathaus für Bürger jüdischen Glaubens angelegt wurde, die bis 1945 Opfer des Nazi-Terrors wurden.

An der Mauer zum Rathaushof in der Hintergasse nehme der Lavendel derartige Ausmaße an, dass die Erinnerungsstätte zu sehr in den Hintergrund rücke. Das sei nicht Sinn der Sache, sagt Landfrauenvorsitzende Anne Dammel, deren Verein sich für die Anlage verantwortlich fühlt und sie seit Jahren pflegt. Die Sträucher seien zu üppig gediehen. Zwischenräume gebe es nicht mehr.

"Da können wir nichts mehr anderes pflanzen", bedauert Dammel. Sie habe ihre Kritik bereits gegenüber Thomas Arnold vom kommunalen Umweltamt geäußert. Das Ergebnis: Die Anlage werde umgestaltet. Das könnten die Landfrauen allerdings nicht alleine erledigen. Dazu müsste die Gärtnerkolonne des Bauhofs anrücken, was Arnold zusagte.

Appell für häufige Kontrolle

Alle Lavendelbüsche, die verholzt sind, sollten entfernt werden, schlägt die Landfrauenvorsitzende vor. Danach könne der Streife neu bepflanzt werden. Beispielsweise mit Strauchrosen, die in Verbindung mit benachbarten Lavendelblüten ein schönes Bild ergäben. Sinnvoll seien die Arbeiten im Herbst.

Vor wenigen Tagen haben die Landfrauen bei einem Arbeitseinsatz für einen schönen Anblick gesorgt.

Auch im nahen Umfeld seien Mitglieder mit Rechen, Schere und Besen tätig geworden und hätten drei Tröge bepflanzt. Von Gabi Prozeller stamme ein neuer Kranz, der neben der Gedenktafel aufgehängt wurde.

Kritisch beäugen die Landfrauen, dass vor der Gedenkstätte immer wieder Autos geparkt würden. Dort sei keine Stellfläche ausgewiesen, dennoch hielten sich manche nicht daran. Insofern sei es zu begrüßen, wenn das Ordnungsamt dort häufiger kontrolliere.

Die Gedenkstätte war 2008 angelegt worden. Sie erinnert mit Namen an Juden aus Nauheim, die von Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und getötet wurden.

Aushängeschild wirkt ungepflegt

Anlass war damals der 70. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November. Ausschlaggebend für das Anbringen der Erinnerungstafel waren Recherchen des inzwischen verstorbenen Chronisten Karl-Heinz Pilz, der über das Schicksal der Nauheimer Juden ein Buch veröffentlicht hatte.

Ein anderes Ärgernis hat der Bauhof im Handumdrehen erledigt und mit einem "Pflegedurchgang" Ende voriger Woche wieder für Ordnung gesorgt.

Ein Bürger hatte darauf hingewiesen, dass die Anlage im Bereich der Wildschweinskulpturen "sehr ungepflegt" sei. Das gepflasterte Wahrzeichen Nauheims sei mittlerweile nicht mehr zu erkennen. Am Fahrradständer wuchere das Unkraut.

Der Knotenpunkt, an dem schließlich auch viele Ausflügler von außerhalb pausierten, mache generell "einen sehr ungepflegten Eindruck". Außerdem sei ein herumliegender halber Baumstamm ein Problem: Der sei für Radfahrer gefährlich. Eigentlich solle der Platz "ein Aushängeschild sein für unsere liebenswerte Gemeinde" sein. Rainer BeuteL

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