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Per Knopfdruck setzt Bürgermeister Jan Fischer die Weihnachtspyramide in Gang. Florian Marx (links) und Ludwig Boßler sind froh, dass die Tradition trotz Corona fortgesetzt wird. Foto: Rainer Beutel

Tradition

Symbol für ein bisschen Normalität

  • vonRainer Beutel
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Vom Bergmann bis zum Engel: Die beliebte Weihnachtspyramide dreht sich in Nauheim wieder.

Sie leuchtet wieder, dreht sich gemächlich und das nahezu lautlos: Die Weihnachtspyramide des Erzgebirgischen Heimatvereins wurde am Samstagabend "angeschoben" beziehungsweise in Gang gesetzt. Auf eine große Feier auf wurde verzichtet. "Normalerweise stehen hier Hunderte Leute", bedauerte Bürgermeister Jan Fischer die Corona-bedingten Umstände.

Die Pyramide mit den typischen Figuren aus dem Erzgebirge, vom Bergmann bis zum Engel, rotiert in der Adventszeit wieder jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit um die eigene Achse. Sie soll ein bisschen Wohlbehagen vermitteln. Schon am Samstagabend verweilte eine Familie gleich nach dem Einschalten vor der anmutigen Kulisse. Vom Quietschen, das die Drehungen in den vergangenen Jahren begleiteten, war nichts mehr zu hören.

Im Erzgebirge wurden Pyramiden früher mit Muskelkraft tatsächlich angeschoben. In Nauheim wird die Pyramide elektrisch betrieben. Es ist alljährlich dem Bürgermeister überlassen, per Knopfdruck den Impuls zu geben. Früher schauten ihm unzählige Besucher dabei zu. Es gab Glühwein, und die Gesangs- und Musikgruppe des Erzgebirgischen Heimatvereins gab ein kleines Konzert.

Per Video verfolgen

Nichts von alldem konnte mitten in der Corona-Zeit so stattfinden. "Wir wollten wenigstens ein bisschen von unserer Tradition beibehalten", erklärte Florian Marx, Vorsitzender der Erzgebirgler, warum sich der Verein, die Gemeinde und der Gewerbeverein dennoch zu einer Eröffnung zusammengefunden hatten, die mit dem Lied "Steigermarsch" zumindest etwas musikalisch umrahmt wurde. Den Gesang steuerten Daniel Schmidt und seine Schwester Sarah bei, auch einige der Umstehenden fielen leise in den Gesang ein. Mutter Elke Schmidt spielte Akkordeon.

Der Bürgermeister filmte Ansprachen und Pyramide, um daraus ein Video erstellen zu lassen. Es soll in den nächsten Tagen über die Homepage www.nauheim.de abrufbar sein. So könnten wenigstens mehr Menschen sehen, was sich am Rand des Atriums auf dem Edeka-Parkplatz im kleinen Rahmen ereignet hat, sagte Fischer.

Der Bürgermeister formulierte in einer Ansprache, was sich viele wünschten, nämlich "ein bisschen Normalität". Doch die Corona-Pandemie lasse derzeit nicht mehr zu, warb er um Verständnis. Trotz aller gesundheitlichen Risiken und der wirtschaftlichen Folgen kehre möglicherweise "etwas mehr Besonnenheit" in das Leben der Menschen zurück, und es könne ein Weihnachtsfest "ohne viel Tam-Tam" gefeiert werden, fügte er an.

Das Quietschen beseitigt

"Nächstes Jahr feiern wir vielleicht wieder einen Weihnachtsmarkt im Atrium", blickte das Gemeindeoberhaupt voraus. Gewerbevereinsvorsitzender Ludwig Boßler pflichtete ihm bei und verwies auf den Ideenreichtum seines Vereins, der dieses Jahr mit kleinen Aktionen um seine Kunden werbe. Viele Geschäfte unternähmen ihr Möglichstes, um in der Krise zu bestehen. Für die besonders betroffene Gastronomie sei es derzeit allerdings "nicht so schön", sagte Boßler. Er rief dazu auf, die örtlichen Gastwirtschaften zu unterstützen. "Bleibt und kauft im Ort", rief er den knapp 20 Umstehenden zu.

Jan Fischer, Ludwig Boßler und Florian Marx wünschten den Menschen vor allem Gesundheit und eine besinnliche Zeit. Die Pyramide könne ein bisschen dazu beitragen, mal innezuhalten und an bessere Zeiten zu denken, waren sie sich einig.

Dass dies ohne akustische Störungen geschieht, dafür haben im Hintergrund Uwe Neugeborn und Gerhard Kunz gesorgt. Die beiden handwerklich versierten Mitglieder des Erzgebirgischen Heimatvereins hatten vor dem Pyramidenanschieben das mehr als drei Meter hohe Weihnachtssymbol gewartet und dafür gesorgt, dass beim Drehen keine Geräusche mehr entstehen. "Jetzt quietscht sie nicht mehr", sagte Marx über den kreisweit einzigartigen Blickfang. Rainer Beutel

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