Richard und Helga List zeigen auf die Überbleibsel ihres rund 40 Jahre alten Kirschbaums, dessen Stamm vorige Woche im Seichböhlgebiet gestohlen wurde. FOTO: Rabe
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Richard und Helga List zeigen auf die Überbleibsel ihres rund 40 Jahre alten Kirschbaums, dessen Stamm vorige Woche im Seichböhlgebiet gestohlen wurde.

Umwelt

Täter waren wohl auf das Holz aus

Unbekannte haben einen Kirschbaum im geschützten Seichböhlgebiet gefällt. Der Vorfall erinnert an eine vergleichbare Tat im Frühsommer 2019.

Nauheim -Auf einem Privatgrundstück im Seichböhlgebiet haben unbekannte Täter einen etwa 40 Jahre alten Kirschbaum abgesägt und den Stamm gestohlen. Der betroffene Grundstückseigentümer Richard List erstattete bei der Polizei Groß-Gerau Anzeige. Vor knapp zwei Jahren wurden ähnliche Fälle bekannt.

Richard und Helga List gehen mit ihrem Hund gerne in der Nähe ihres alten Obstbaumgrundstücks spazieren. So wie vor dem zweiten Wochenende im März. "Da war noch alles in Ordnung", berichtet der Mann. Am 16. März fiel ihm das Malheur auf. Irgendjemand hatte den Stamm eines Kirschbaums, der auf einem frei zugänglichen Eck seines zweigeteilten Grundstücks seit rund vier Jahrzehnten wuchs, größtenteils durchtrennt.

Stamm bringt bis zu 600 Euro

"Aber offenbar sind die Täter gestört worden", vermutet List. Der Baum habe noch gestanden, obwohl der Stamm "zu 80 bis 85 Prozent angesägt war". Zwei Tage später wollte List notgedrungen den zerstörten Baum selbst fällen, um ein unkontrolliertes Umstürzen zu verhindern. "Da hatten die Täter ihr Werk schon vollendet", berichtet er. Er habe die Äste verteilt auf dem Grundstück vorgefunden. Aus dem Boden ragte nur noch ein Stumpf, der Stamm war geklaut.

Der Vorfall erinnert an eine vergleichbare Tat im Frühsommer 2019, als nicht weit entfernt von Lists Baumgrundstück auf drei Grundstücken Bäume auf die gleiche Art gefällt und das Holz gestohlen wurde. Den Anlass solcher Taten kann sich List erklären. Er hat im Internet recherchiert und rausgefunden, dass für gutes Kirschholz nicht gerade wenig bezahlt werde. Ein Stamm, wie er bei ihm verschwunden ist, bringe gut und gerne 400 bis 600 Euro.

List teilte dies der Polizei Groß-Gerau mit, wo er Anzeige erstattete. Auch seine Beobachtungen gab er weiter. Etwa von den Reifenspuren, die er gesehen habe. Es sei davon aufzugehen, dass Täter den schätzungsweise 3,50 Meter langen Stamm des bis zu sechs Meter hohen Baumes mit einem Kraftfahrzeug abtransportiert habe. Die nicht mal kleinen Seitenäste blieben liegen. Der Umstand, dass der Baum zuerst angesägt und schließlich binnen weiterer 48 Stunden endgültig gefällt und gestohlen wurde, lasse vermuten, dass beim ersten Versuch etwas schiefgegangen war. Entweder seien die Täter gestört worden oder ihre Säge habe versagt, überlegt List.

Zäune sind nicht erlaubt

Es könne daher sein, dass einem Spaziergänger etwas aufgefallen ist. Lists Grundstück liegt an einer Weggabelung, die regelmäßig von Spaziergängern mit Hunden passiert wird. List bittet um Hinweise an die Polizeidirektion Groß-Gerau mit Angabe der Vorgangsnummer ST/0289332/2021.

Die wenigen Enthusiasten, die im einst reich mit Obstbäumen bestückten Seichböhlgebiet noch ein Grundstück beackern, haben nach Lists Einschätzung keine Möglichkeit, sich gegen derartige Taten zu wappnen. Der Landschaftsbestandteil ist unter Schutz gestellt. Daher sind Zäune grundsätzlich verboten. Wer ein Grundstück illegal betreten wolle, schaffe das auch, sagt List. Schon in den 1980er Jahren beklagte der Obst- und Gartenbauverein die von der Unteren Naturschutzbehörde veranlasste Unterschutzstellung. Durch strenge Auflagen seien viele Grundstückseigentümer verprellt worden. Es lohne sich nicht, dort Obstbäume zu pflegen, denn das Obst werde geklaut. Daran habe sich bis heute nichts geändert, wissen Einheimische.

Richard und Helga List ärgern sich verständlicherweise über den Vorfall. "Der hatte schon viele Knospen", sagen sie mit traurigem Blick auf den Tatort. In zwei, drei Wochen hätte der kerngesunde Baum wohl in voller Blüte gestanden. "Wenn man einen Baum so blühen sieht, da geht einem doch das Herz auf", sagt Helga List. Jetzt aber muss ihr Mann das herumliegende Holz klein sägen und die Reste beseitigen.

Rainer Beutel

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