Viel besser ausgelastet als vor wenigen Jahren war der Campingplatz 2020. Dauerstellplätze sind rar geworden. Foto: Rainer Beutel
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Viel besser ausgelastet als vor wenigen Jahren war der Campingplatz 2020. Dauerstellplätze sind rar geworden.

Finanzen

"Unterm Strich ein Verlustgeschäft"

Der Finanzausschuss stellt für das Erholungsgebiet am Hegbachsee ein fünfstelliges Defizit fest. Ein künftiger Geschäftsplan soll das weitere Vorgehen festlegen.

Nauheim -Für das Erholungsgebiet Hegbachsee weist der Haushaltsentwurf für 2021 ein Defizit von rund 55 000 Euro auf, obwohl der dazugehörige Campingplatz Gewinn abwirft. "Was ist da los?", fragt die SPD und setzt im Haupt- und Finanzausschuss durch, dass die Gemeindeverwaltung künftig mit einem Businessplan verdeutlicht, wohin die Reise geht.

Rund 165 000 Euro nehme die Gemeinde im Erholungsgebiet mit privatrechtlichen Leistungsentgelten ein, heißt es in den Mittelanmeldungen zum Etatentwurf, der am heutigen Donnerstag, 25. Februar, in der Gemeindevertretung zur Abstimmung steht. Die Summe ergebe sich durch die Pacht vom Campingplatz, erklärte Bürgermeister Jan Fischer (CDU). Noch vor wenigen Jahren sei es deutlich weniger gewesen. Grund: eine hohe Auslastung. Fischer lobte die Attraktivitätssteigerung ebenso wie den von der Gemeinde beschäftigten Platzverwalter.

Doch die Erfolgsgeschichte habe, zumindest aus Sicht der SPD und anderer Fraktionen, eine Kehrseite. Um den Campingplatz und das Erholungsgebiet auf ein höheres Niveau zu hieven, investiere die Gemeinde jährlich viel Geld. Rund 265 000 Euro waren es laut Etat im vorigen Jahr, 247 000 Euro sollen es 2021 ein. Unterm Strich ein Verlustgeschäft, wenn die Erlöse dagegen verrechnet würden, wie SPD-Vorsitzender Frank Schmitz verdeutlichte.

Minus von 55 000 Euro

Das Minus betrage laut Etatentwurf rund 55 000 Euro. Die Mittelanmeldungen beziehen sich auf Nebenkosten wie Strom, Wasser und Abwasser sowie Fremdleistungen, die Bauunterhaltung und die "innere Verrechnung". "Das können wir uns nicht leisten", kritisierte Schmitz. Das Ziel müsse sein, den Campingplatz und die umliegenden Flächen, die zum Erholungsgebiet gerechnet werden, kostenneutral zu führen - einschließlich der intern verrechneten Arbeitsleistung durch den Bauhof.

Die innere Verrechnungen seien die Krux an der Sache, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Während der Verwaltungschef darin eine vertretbare Erklärung für das Defizit erkennt, vertritt die SPD die Ansicht, dass diese "mitkalkuliert werden müssen, sonst würde es ein Handwerker machen", so Schmitz. Die Kosten, die auf diese Weise entstünden, könne die Gemeinde "nicht wegdrücken, das muss mit rein, sonst wäre es Selbstbetrug", so der Sozialdemokrat.

Schmitz stellte klar, dass die Gemeinde nicht die Attraktivität des Campingplatzes und Erholungsgebietes schmälern solle. Selbst wenn dies den Sozialdemokraten wegen ihres Ansinnens vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Marco Müller, "in den Mund gelegt" worden sei. Außerdem habe die Gemeinde gerade die Bürger befragt, was sie sich fürs Erholungsgebiet wünschten. Also stünden womöglich weitere Investitionen an.

Grüne: Kein Minusgeschäft

Doch für die SPD steht fest: "Eigentlich kann man so ein Ding als Eigenbetrieb führen." Überall, wo die Kommune Gebühren erhebe, solle kostendeckend gearbeitet werden, forderte Schmitz.

Gabi Killian von den Grünen bekräftigte den Standpunkt, dass der Campingplatz trotz der höheren Kosten für Investitionen und Arbeitsleistungen kein Minusgeschäft, sondern profitabel sei.

Gegen einen Businessplan spreche aber nichts, stimmte sie mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Gerd Petersen überein. Der Liberale verwies auf die alljährlichen Waldwirtschaftspläne, die gleichsam aufgestellt würden, um eine Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben zu steuern. Auch wenn die Fraktionen sich letztlich dafür aussprachen, dass demnächst ein Businessplan fürs Erholungsgebiet aufgestellt wird, blieb der Bürgermeister bei seiner Darlegung.

Vor fünf Jahren sei gesagt worden, der Campingplatz müsse um jeden Preis erhalten werden, so Fischer. "Seitdem haben wir eine Erfolgsgeschichte geschrieben, aber dazu gehören auch Investitionen. Es darf ein Zuschussgeschäft sein, aber der Campingplatz darf auch nicht kaputt gehen." Rainer Beutel

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