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Karola Heil aus Nauheim zeigt die Dokumente, mit denen sie belegen kann, wo und wann sie das Einschreiben und den Brief mit insgesamt 100 Euro Bargeld versendet hat.

Post

Verschicktes Geld von Nauheimerin verschwunden

Der Ärger bei Karola Heil aus Nauheim ist groß. Sie vermisst ihr Bargeld aus einer DHL-Sendung.

Nauheim - Karola Heil hat allen Grund, sich über die Post zu ärgern. Die Nauheimerin hat postalisch Geld verschickt, das bei den Empfängern nicht angekommen sei, beklagt sie. Zunächst hätten sich zuständige Servicestellen bei der DHL Group ahnungslos gestellt. Erst durch eigene Recherchen habe sie von einem viel größeren Fall erfahren.

Sie hatte Mitte Oktober in der Nauheimer DHL-Filiale zwei Briefe mit Geld aufgegeben. Es habe sich um ein Einschreiben mit 80 Euro und einen Brief mit 20 Euro Inhalt gehandelt, berichtet Karola Heil. Belege kann sie vorweisen.

Verschicktes Geld kommt nie an: DHL-Fahrer angezeigt

Das Einschreiben habe seinen Empfänger erreicht, "nur leider ohne die 80 Euro". Der Brief mit den 20 Euro sei bei ihrer Nichte nicht angekommen. Als sie das erfuhr, rief Karola Heil in der Filiale an. Sie reklamierte ihr fehlendes Geld. Von der dort beschäftigten Mitarbeiterin habe sie von einem DHL-Transportfahrer gehört, der Geld entwendet habe. Anzeige sei erstattet worden.

"Also habe ich die Polizeistelle in Groß-Gerau angerufen. Dort war von dem Fall nichts bekannt", schildert Heil den weiteren Fortgang. Danach wählte sie die Nummer der DHL-Servicehotline. Es lägen keine Informationen zu dem Fall vor, sei ihr dort gesagt worden. Verbunden mit dem Hinweis, dass sie ihre 80 Euro nicht erstattet bekomme, da Geldinhalte in Einschreiben nicht versichert seien. Bestätigt wurde, dass das Einschreiben angekommen sei.

Nauheimerin verschickt Geld das nie ankommt: Formschreiben als Antwort

Karola Heil bemühte sich beim Online-Service der Deutschen Post weiter um Aufklärung. Als Antwort kam eine Art Formschreiben, in dem das Bedauern formuliert und bekundet wurde, "nicht genau feststellen" zu können, "wo und wie der Brief beschädigt" worden sei.

Hinzugefügt wurde, dass Briefe "auf dem Weg zum Empfänger viele Bearbeitungsstellen" durchliefen. Sie würden "mit sehr hoher Geschwindigkeit maschinell sortiert, gestempelt und auf Transportbändern befördert". Ein "sorgfältiger Umgang" sei selbstverständlich. Schließlich hieß es: "Sollten dennoch einmal - wie in Ihrem Fall - Gegenstände aus beschädigten Briefsendungen abhanden kommen, recherchieren wir gerne für Sie nach dem Verbleib." Dazu seien weitere Angaben nötig. Karola Heil sollte sich an eine weitere Adresse wenden.

Noch einmal hakte die Nauheimerin bei der Polizei in Groß-Gerau nach. Sie erfuhr bei einem Sachbearbeiter von einem laufenden Strafverfahren, bei dem es um 3000 verschwundene Briefe gehe. Die Staatsanwaltschaft prüfe gerade den Fall, eine Sammelklage sei anhängig. Auch eine Strafverfahrensnummer wurde ihr mitgeteilt.

Geld aus Briefen fehlt: Polizei bestätigt Fälle

Bernd Hochstädter von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südhessen bestätigt anhand der Strafverfahrensnummer diese Informationen, korrigierte allerdings die Zahl der offenbar verschwundenen Briefe auf "rund 2000". Der Unterschlagung werde "ein 60 Jahre alter Mann aus Wiesbaden" beschuldigt. Eine Strafanzeige werde derzeit bearbeitet, ergänzt er.

Stefan Heß, Pressesprecher der DHL für den hiesigen Postleitzahlenbereich, sagt, die Betriebssicherheit seines Unternehmens sei erfolgreich gewesen und habe in Zusammenarbeit mit der Polizei einen mutmaßlichen Täter überführt. Weitere Fragen, die sich unter anderem auf die zurückhaltenden Informationen für die betroffene Kundin bezogen, könne er wegen der laufenden polizeilichen Ermittlungen nicht beantworten.

Daher bleibt unklar, ob Karola Heil ihr Geld zurückbekommt. Sie wartet nun, ob sich im Fundus der unterschlagenen Sendungen ihr Brief mit den ehemals 20 Euro befinde. Dies wäre für sie zumindest ein Indiz dafür, auf welchem Weg auch die 80 Euro aus dem Einschreiben verschwunden sein könnten. (Rainer Beutel)

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