E-Sports

Virtueller Sport wird zum neuen Trend

Während Fußballfans zur Weltmeisterschaft in Russland blicken, etabliert sich der E-Sport in Deutschland. „Gekickt“ wird im Sitzen oder Stehen vor dem Bildschirm. An Nauheim geht der Trend nicht unbemerkt vorbei.

Der Name Lim Yo-hwan wird auch eingefleischten Fußballfans nichts sagen, nicht einmal nach dem WM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen dessen Heimatland Südkorea. Auch der spanische Profi Carlos Rodríguez, Sander Kaasjager aus Holland und der US-Amerikaner Johnathan Wendel dürften hierzulande keinesfalls so bekannt sein wie Messi, Ronaldo oder der bislang beste Torschütze bei der WM, Harry Kane.

Die unbekannten Stars sind im weitesten Sinne „Fußballer“ wie Messi und Co. Nur treten sie das Leder nicht mit Füßen, sondern sind professionelle E-Sport-Spieler, die es weltweit zu Ruhm und Geld gebracht haben. Ihre Jahresverdienste sollen nach eigenen Angaben längst sechs- und teilweise sogar siebenstellig sein. Vor allem dank Sponsoren und Merchandising.

Die Kinder- und Jugendförderung Nauheim hat die Bewegung schon vor einigen Jahren erkannt und im Kulturbahnhof ein Turnier veranstaltet. Karl-Heinz Pilz, ein deutschlandweit anerkannter Sportchronist aus Nauheim, ist aufgefallen, dass der sogenannte E-Sport immer populärer wird. Er rechnet in naher Zukunft mit einer noch weiter steigenden Beliebtheit. Jüngstes Anzeichen dafür: Ende Juni ist der eSport-Bund Deutschland das 48. Mitglied der Internationalen e-Sports-Federation geworden.

Und Pilz sieht weitere Anzeichen. „Dass Mercedes-Benz 2019 beim Deutschen Fußball-Bund als Sponsor nach 45 Jahren Partnerschaft ausscheiden wird, war mir bekannt. Ich war dann aber doch erstaunt, als ich erfuhr, dass Mercedes-Benz ins E-Sport-Geschäft einsteigen will“, gesteht er.

Doch was macht man eigentlich beim sogenannten E-Sport? E-Sport bedeutet professionelles Spielen, meistens am Computer, manchmal auf Konsolen. „Ein berühmter E-Sportler verhält sich zu einem durchschnittlichen Computerspieler wie Lionel Messi vom FC Barcelona zum Kreisligastürmer“, veranschaulicht Pilz.

Allerdings schränkt er ein, dass der Vergleich zum Fußball nur zum Teil stimme. Fußball sei eine eigene Sportart, E-Sport aber biete viele Disziplinen an. Längst würden große Turniere in Arenen und Stadien ausgerichtet, wo Tausende von Zuschauern live die Online-Wettbewerbe verfolgten. „Elektronischer Sport, bei dem einzelne Spieler oder Mannschaften sich vor Computern duellieren, erlebt zweifellos einen Boom“, stellt Pilz fest.

Clubs aus dem klassischen Sport profitierten von ihrem bereits vorhandenen Bekanntheitsgrad. Das zeige das Beispiel des FC Schalke 04. Der Fußball-Bundesligist habe zwar erst seit 2016 ein eigenes E-Sportteam, liege aber sowohl bei den befragten deutschen Spielern als auch bei den Fans auf Platz eins der bekanntesten Teams.

Dass E-Sport immer populärer geworden sei, hängt nach Pilz mit mehreren Faktoren zusammen. Das Internet sei schneller geworden, immer mehr Menschen verfügten über Breitbandanschlüsse. 2011 sei der Streamingdienst Twitch entstanden, der vor allem E-Sport-Partien übertrage. „Über ihn konnten schlagartig Millionen weltweit den Partien zuschauen“, erklärt Pilz. Bei der Weltmeisterschaft 2017 im Pekinger Olympiastadion seien per Livestream über 100 Millionen Zuschauer gezählt worden.

Noch fehle Pilz die Vorstellungskraft, dass der E-Sport einst in Deutschland mit dem Fußball konkurrieren könne. Der Deutsche Olympische Sportbund stufe den E-Sport noch nicht als Sportart ein. Im Koalitionsvertrag seien aber Gelder für den E-Sport eingeplant. Anerkannt sei diese Sportart bereits in Brasilien, USA, China und Frankreich, informiert Pilz.

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