Hochwasser am Hegbachsee: Im Januar 2003 lief das Regenrückhaltebecken über und überschwemmte Wiesen. Eine Gefahr für Menschen bestand allerdings nicht. FOTO: RAINER BEUTEL
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Hochwasser am Hegbachsee: Im Januar 2003 lief das Regenrückhaltebecken über und überschwemmte Wiesen. Eine Gefahr für Menschen bestand allerdings nicht.

Umwelt

Vor Hochwasser nicht gefeit

  • VonRainer Beutel
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In der Gemeinde hat es schon einige Überschwemmungen gegeben

Die Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben Hans Joachim Brugger vom Heimat- und Museumsverein zu einem Rückblick auf die Ortsgeschichte veranlasst. "Man sollte auf der Hut sein", warnt das Vorstandsmitglied.

"In der Vergangenheit gab es gewaltige Hochwasserereignisse", erfuhr er nach Lektüre der Ortschronik und der "Nauheimer Geschichten" des verstorbenen Kommunalpolitikers Hans Förster. 1771 und 1784 habe es extreme Hochwasser gegeben. "Der Rhein stand kniehoch und höher im Ort", zitiert Brugger. Alle drei, vier Jahre seien die Ortsgebiete seinerzeit überschwemmt worden, bestätigten Notizen in Kirchenbüchern.

"1882/83 erlitt Nauheim ein weiteres außergewöhnliches Hochwasser, schlimmer als das von 1784", führt Brugger aus. Fünf Hochwassersteine im alten Ortsteil zeugen noch heute vom Wasserstand. Im Sommer 1882 habe es in ganz Deutschland ausgiebig geregnet. Sämtliche Flüsse hätten Hochwasser geführt. Am 29. Dezember 1882 sei mittags der Damm an der Schwarzbachschleuse bei Astheim gebrochen. Abends habe sich das Rheinwasser den Schwarzbach herauf gedrückt und über die Uferdämme auf die Felder ergossen.

Dämme brechen unter dem Druck

Tag und Nacht sei in Nauheim an einem Notdamm gearbeitet worden. Die damals 1400 Einwohner seien durch mehrmaliges Sturmläuten zusammengerufen worden. "Auch Königstädter wurden requiriert", schildert Brugger die Ereignisse. Am 31. Dezember sei das Vieh sicherheitshalber aus dem Ort getrieben worden. In der Neujahrsnacht sei der Pegel wieder gefallen, weil der linksseitige Damm des Landgrabens in Wallerstädten brach. Deshalb sei das Wasser nach Leeheim und Geinsheim geflossen.

Viele Nauheimer hätten am Neujahrstag 1883 ihr Vieh wieder zurück geholt, um es sechs Stunden später vor einer viel größeren Flut aufs Neue zu retten. Am 2. Januar habe der Landdamm am Hahnensand unterhalb von Erfelden dem Wasserdruck nicht standgehalten. Mit großer Gewalt hätten sich die Fluten unter Eisenbahnbrücken der gesamten Nauheimer Gemarkung verteilt. Die Notdämme seien etwa 30 Zentimeter überströmt worden. In 65 Hofreiten sowie in 25 Häuser sei das Wasser eingedrungen.

Mitte der 1960er-Jahre sei der Hegbachsee nach dem Kiesabbau für den Bau der A 67 als Regenwasserrückhaltebecken entstanden, um schon 1965 bei Dauerregen überzulaufen. Zuletzt sei das 2003 passiert. An einigen Stellen des Damms habe sich das Wasser durchgedrückt. Damals sei daran gedacht worden, den Damm zu verstärken. Passiert sei nichts.

Heute weitgehend sicher

Zu jener Zeit sei auch der Schwarzbach ausgeufert und habe Wiesen um die Hochhäuser der Thomas-Mann-Straße bedeckt. "Die Schäden waren aber bedeutungslos", erinnert sich Brugger. Die Hochwasser 1955, 1965, 1970 und 1978 hätten "noch beherrschbare Schäden" zur Folge gehabt. Die Rheindämme seien inzwischen so ertüchtigt, dass sie einem 200-jährigen Hochwasser standhalten könnten. Das lasse den Schluss zu, "dass Nauheim vom Rhein her keine Gefahr mehr drohen dürfte". Für den Schwarzbachschutz diene das 2012 errichtete Pumpwerk "Rabenspitze", das ertüchtigte Sperrtor bei Ginsheim und die dortige Pumpstation. Auch wegen diverser Entlastungsgräben vor der bebauten Ortslage und genügend Retentionsraum in den Königstädter Wiesen sollte von dort "keine allzu große Gefahr" mehr ausgehen.

Was anderes seien Starkregenereignisse, etwa am 13. Juli 2006. Damals seien die Abwasserkanäle überlastet gewesen, außerdem habe eine große Regenwasserpumpe in der Pumpstation Waldstraße nicht funktioniert. "Die Feuerwehr hatte 160 Einsätze zu bewältigen", ruft Brugger ins Gedächtnis. Nauheim habe die Pumpstation modernisiert und vergrößert, Abwasserkanäle erweitert und ein neues Versickerungsbecken gebaut.

Dennoch sei die Gefahr von Überschwemmungen in Nauheim nicht gebannt. Das zeige eine Überschwemmungskarte von 1998. Demnach diene der Königstädter Wald sowie Wiesen und Ackerflächen südlich von Nauheim als Überschwemmungsfläche. Von Hegbach und Apfelbach könne das Wasser in die sie umgebenden Wälder fließen.

Rainer Beutel

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