Auf der Georg-Schad-Halle gibt es seit neun Jahren eine großflächige Photovoltaikanlage. Jetzt soll geprüft werden, welche Flächen sich dafür ebenfalls eignen. Foto: Rainer BEutel
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Auf der Georg-Schad-Halle gibt es seit neun Jahren eine großflächige Photovoltaikanlage. Jetzt soll geprüft werden, welche Flächen sich dafür ebenfalls eignen.

Energie

Vorstoß für den Klimaschutz

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Gemeinde will weitere Standorte für Solaranlagen prüfen

Der kommunale Weg zu mehr Klima- und Umweltschutz ist weiterhin holprig. Die Gemeindevertretung hat sich zwar auf Antrag der SPD geeinigt, zu prüfen, ob im Ort neue Photovoltaikanlagen installiert werden können. Die Aussprache am Donnerstagabend war jedoch geprägt von gegenseitigen Vorwürfen - und die setzten sich nach der Sitzung im Internet fort.

Schon im Bau- und im Haupt- und Finanzausschuss war das Thema umstritten. Grund: Vor rund zehn Jahren wurde schon einmal untersucht, wie in der Gemeinde mit Sonnenkraft Strom erzeugt werden könnte. Bald drauf wurden auf der Georg-Schad-Halle und dem DRK- und Feuerwehrhaus großflächig Photovoltaikmodule installiert.

Die SPD-Fraktion hat ihren Antrag nun überarbeitet. Einige von anderen Fraktionen bemängelte Passagen in dem Antrag, die beispielhaft einige mögliche Standorte nannten, wurden aus der Forderung gestrichen. Jetzt schlagen die Genossen vor, dass Dächer und versiegelte Flächen gemeindeeigener Gebäude berücksichtigt werden sollten. Gegebenenfalls auch mit einer Überdachung. Im ursprünglichen Antrag war die Stell- und Rangierfläche vor dem Feuerwehrhaus genannt worden. Darüber hatte sich Gemeindevertreter und Feuerwehrmann Lars Jüngling (CDU) mokiert. Sogar von "Schwachsinn" war die Rede.

Strom zur Verfügung stellen

Ein weiterer Passus des Antrags wurde ebenfalls entschärft. Jetzt solle geprüft werden, ob der gewonnene Strom nicht nur zum Eigenverbrauch genutzt werden könne, sondern auch den Bürgern zur Verfügung gestellt werden könne - etwa zum Betrieb von E-Fahrzeugen. Ursprünglich war dies als klare Vorgabe formuliert gewesen. Jüngling hakte im Parlament nach, ob der Strom den Leuten kostenlos geliefert werde.

Weil er sich schon im Fachausschuss in seinen Worten vergriffen hatte, wurde er von Parlamentschef Johann Siegl (CDU) aufgefordert, sich sachlicher zu äußern. Siegl selbst war zuvor von der SPD beschuldigt worden, er leite die Sitzung nicht neutral. Der Disput setzte sich nach der Versammlung in den sozialen Medien fort. Um die Sache ging es dabei eher am Rande. Streitpunkt war vielmehr der Tenor während den Gremiensitzungen.

Wichtig auch auf Bundesebene

SPD-Gemeindevertreter Karl Norbert Merz sorgte während der Sitzung für Mehrheiten, nachdem er nur kurz die "befremdlichen Meinungen" angedeutet hatte. Er wurde ausdrücklich von der CDU für seine sachlichen Ausführungen gelobt. Merz betonte, dass erneuerbare Energien bundesweit eine herausragende Rolle spielten und quer durch alle Parteien gefordert würden. Der Antrag helfe, wenigstens mal "ins Handeln zu kommen". Knappe Ressourcen hinderten nicht, "sich dem Thema zu stellen und mal anzufangen". Die Landesregierung unterstütze die hessischen Kommunen dabei. Bis 2050 solle ein klimaneutrales Hessen erreicht werden. Auch bei anderen Informationsquellen, darunter ein "Kongress engagierter Energiekommunen" und das Land Baden-Württemberg mit neuen Broschüren voller Impulse, könne sich die Gemeinde bedienen.

"Uns geht es darum, den ersten Schritt zu machen", begründete er den Vorstoß. Das wirkte auf die Mehrheit überzeugend. Lediglich Jüngling stimmte gegen den Prüfantrag. Grünen-Fraktionsvorsitzender Marco Müller bekräftigte, dass der Klimaschutz wichtiger sei als der wirtschaftliche Zweck. CDU-Fraktionschef Winfried Rehm warnte allerdings vor "Luftschlössern". Die SPD könne nach wie vor nicht erklären, wie neue Anlagen finanziert werden sollten. Vor der Abstimmung beschwerte sich SPD-Vorsitzender Frank Schmitz, dass "ein zukunftsorientierter Antrag zerfetzt wird". Er warf Antragsgegnern vor, "die Zukunft unserer Bürger zu verbauen".

Rainer Beutel

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