Die Landschaftspflege an der Obstbaumplantage der Gemeinde im Seichböhl übernimmt seit Jahren der Obst- und Gartenbauverein. Könnte die Aufgabe auch von einem Landschaftspflegeverband erfüllt werden?, fragen sich die Gemeindevertreter.
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Die Landschaftspflege an der Obstbaumplantage der Gemeinde im Seichböhl übernimmt seit Jahren der Obst- und Gartenbauverein. Könnte die Aufgabe auch von einem Landschaftspflegeverband erfüllt werden?, fragen sich die Gemeindevertreter.

Umwelt

Wenig Rückenwind für Landschaftspflegeverband in Nauheim

Oft kommt in den Kommunen die Pflege der Grünflächen zu kurz. Daher will der Kreis Groß-Gerau einen Verband zur Landschaftspflege gründen. Ob Nauheim diesem Verband betritt, entscheiden am Donnerstag die Gemeindevertreter.

Nauheim -Brauchen der Kreis und seine Kommunen einen Landschaftspflegeverband? Oder reicht es, was Landwirte, Vereine, Bürger und jede Kommune für sich unternehmen, um Umwelt und Natur zu schützen? Darüber entscheidet am kommenden Donnerstag die Gemeindevertretung. Der Ausgang ist ungewiss.

Der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt hat das Vorhaben abgelehnt. Nicht mit klarer Mehrheit, sondern mit einem Patt. Der Gemeindevorstand hatte sich für eine Mitgliedschaft in einem Landschaftspflegeverband ausgesprochen, der noch zu gründen wäre. Mörfelden-Walldorf und Kelsterbach seien für einen Beitritt, in Büttelborn, Trebur und dem Kreis stehe eine Entscheidung noch aus, Rüsselsheim sei dagegen, hieß es.

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) erwies sich als Fürsprecher. Es gebe ein ganzes "Tableau von Themen", dem sich ein solcher Verband widmen könne. Laut Beschlussvorlage geht es unter anderem um Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, falls zuvor Flächen versiegelt oder bebaut würden. Ebenso um die Pflege von Gehölzen, Rat und Tat bei Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft, die Vermarktung von regionalen Obsterzeugnissen oder den Aufbau einer Plattform für den Verleih von Maschinen und Geräten, die für die Landschaftspflege gebraucht werden. Die Liste umfasst etliche Punkte.

Vereine unterstützen bei der Arbeit

Bislang kümmerten sich die Kommunen eigenständig um solche Themen, erläuterte Fischer. Oftmals aber fehle Personal. In Nauheim übernehme beispielsweise der Obst- und Gartenbauverein landschaftspflegerische Aufgabe, etwa mit der Betreuung einer Obstbaumplantage im Seichböhlgebiet. Was aber passiert, wenn dem Verein dafür mal die Leute ausgehen, stellte Fischer eine Frage in den Raum, die unbeantwortet blieb.

Die Vorteile eines Verbands könnten nicht in Euro beziffert werden. Aber es sei denkbar, dass die Bauhofangestellten einer Kommune für eine andere Gemeinde tätig würden, so Fischer. Gabi Killian von den Grünen betonte, "die Natur hört nicht an der Nauheimer Grenze auf". Kreisweite Regelungen machten durchaus Sinn, betonte sie.

2600 Euro entfallen auf die Gemeinde

Ganz anders denkt Klaus-Peter Sawinski von der FLN, dem der Sinn eines solchen Gremiums mit einem ehrenamtlichen Vorstand und einer geschäftsführenden, zu entlohnenden Arbeitskraft nicht ersichtlich sei. Dessen Effizienz sei nicht eindeutig, und noch einen Verband brauche der Kreis nicht zwingend. Hildegard Neis (SPD) befürchtet, dass die in einer Beispielrechnung auf Basis der Einwohnerzahlen aufgeführten kreisweiten Jahreskosten von 150 000 Euro nicht reichen. Auf Nauheim entfielen jährlich 2600 Euro, heißt es in der Vorlage. Ilse Hack (FDP) befürchtet, dass ein Verband örtlichen Vereinen vorschreiben könnte, was zu tun und zu lassen sei.

Bürgermeister Fischer räumte ein "dass es schon Themen der interkommunalen Zusammenarbeit gab, für die ich mehr gebrannt habe". Tatsächlich sei die Effizienz "noch nicht überschaubar". Es gab sogar Kritik aus Reihen der eigenen Partei: "Ich sehe keinen Mehrwert", sagte Lars Jüngling (CDU).

Vorschläge, eine Abstimmung zu verschieben oder einen Beitritt zu einem späteren Zeitpunkt zu erwägen, wurden nicht weiter verfolgt. Fischer sagte zu, bis zur Parlamentssitzung am Donnerstag, 25. Juni, 19.30 Uhr, in der SKV-Halle noch offene Fragen zu klären. Falls die Gemeindevertretung die Beschlussvorlage ebenfalls ablehne, sei ein Beitritt durchaus später möglich, bestätigte der Verwaltungschef. Rainer Beutel

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