Die Bürger müssen ab 2022 tiefer in die Tasche greifen. Die Müllentsorgung wird teurer. FOTO: Susanne Rapp
+
Die Bürger müssen ab 2022 tiefer in die Tasche greifen. Die Müllentsorgung wird teurer.

Gebühren

Weniger Leerungen, höhere Kosten?

  • VonDr. Susanne Rapp
    schließen

Die vom Abfallwirtschaftsverband angekündigte Gebührenerhöhung für die Abfallentsorgung stößt auf Unverständnis bei den Bürgern. Obwohl sie seltener ihre Tonnen leeren, sollen sie draufzahlen.

Nauheim -Der Abfallwirtschaftsverband Groß-Gerau (AWV) plant eine Erhöhung der Müllgebühren in Nauheim ab dem kommenden Jahr. Die Gebühr für die Restmülltonne wird um rund 3,5 Prozent steigen, beim Biomüll sollen es sogar 16 Prozent sein. Eine weitere Entscheidung, die den Bürgern in Nauheim unangenehm aufstoßen wird, ist die Gebühr für Sperrmüll. Zehn Euro soll eine Sperrmüllabfuhr kosten.

Grund für die Preiserhöhung sei, dass die Bevölkerung das Müllvolumen verringert und auf viele Abfuhren verzichtet hat, um Kosten zu senken. Der Vertrag des Verbandes mit dem Abfuhrunternehmen Meinhardt sieht jedoch vor, dass der AWV eine Pauschale bezahlt - ungeachtet der gesunkenen Zahl von Leerungen.

Der Nauheimer Dieter Brosin berichtet, er sei schriftlich über die bevorstehende Erhöhung informiert worden. "Da versuchen wir, Müll einzudämmen, so gut wie es geht. Und trotzdem sollen wir mehr bezahlen. Das ist ungerecht. Man wird im Endeffekt dafür bestraft, dass man weniger Müll produziert." Wehren könne man sich, so wie es aussieht, wohl nicht. Das werde vorgeschrieben und man habe mitzuziehen.

Während einige Nauheimer Bürger, nach der Erhöhung der Müllgebühren befragt, noch nicht Bescheid zu wissen schienen, erklärt eine Hausbesitzerin in der Waldstraße sarkastisch: "So viel zum Thema Nachhaltigkeit. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll." Auch sie bestätigt, dass die beauftragte Firma Meinhardt eine Pauschale bezahlt bekomme. Davon habe sie im Internet gelesen. Das sei völlig unrealistisch, da auch bezahlt werden müsse, wenn es überhaupt keinen Müll gebe, der entsorgt werden müsse. Da könne man nur verzweifeln, wenn man dafür bestraft wird, dass man weniger Abfall produziert.

Reiner Weber erzählt, er habe mit seiner Frau gewettet, dass bei der Gründung des Abfallwirtschaftsverbandes neue Kosten entstehen. Allein schon wegen der Büroausstattung und des Personals, das bezahlt werden muss. Für Weber steht fest, dass der AWV schlecht verhandelt hat. Denn wenn eine Pauschale gezahlt wird, könne das Einsparungsziel nicht erreicht werden.

Um den Gedanken der Nachhaltigkeit zu fördern und Haushalte zu belohnen, die weniger Abfall entsorgen, sollten seiner Meinung nach die Mülltonnen weiter personalisiert werden. Zum einen müssten alle Tonnen verschließbar sein, damit darin nur Müll des Eigentümers landet, zum anderen müssten die Müllwagen mit einer Wiegeeinrichtung umgerüstet werden, mit der jede Tonne gewogen werden kann, so dass der Müllverursacher nur für den Müll bezahlt, den er auch produziert.

Illegale Entsorgung befürchtet

Was die Gebühr von zehn Euro pro Sperrmüllabholung betreffe, werde es zu einer Problemverschiebung kommen, sagt Weber voraus. "Dann landet noch mehr Müll illegal entsorgt in der Gemarkung." Gut erinnert sich der Nauheimer noch an die Zeit, in der die Entsorgung von Kühlschränken einen regelrechten Mülltourismus ausgelöst habe.

Damals habe man seinen Kühlschrank nicht vor das eigene Haus gestellt, sondern zu einem Freund gebracht, in dessen Wohnort ein Kühlschrank noch unentgeltlich abtransportiert wurde. So weit werde es auch wieder kommen. Man tue sich zusammen und sammle Müll, der dann dort entsorgt wird, wo die Leistung noch kostenlos ist. Es gebe auch die Möglichkeit, eine andere Firma zu beauftragen, die den Müll billiger entsorgt, so Weber.

Doch so einfach dürfte es nicht sein, denn der AWV hat mit dem Abfuhrunternehmen Meinhardt einen Vertrag geschlossen, der nicht ohne Weiteres gekündigt werden kann. Außerdem ist die Gemeinde Nauheim eine von sieben Kommunen aus dem Kreisgebiet, die in den Gremien des AWV vertreten ist. Die Entscheidung liegt also nicht allein in der Hand einer Kommune.

Allgemein betrachtet, so ist es den Aussagen weiterer Bürger aus Nauheim zu entnehmen, sei eine Erhöhung der Müllgebühren ungerecht und demotivierend. Die bewusste Reduzierung des Müllaufkommens werde mit der Gebührenerhöhung sogar regelrecht bestraft. Susanne Rapp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare