Pierre Dietz hat Kurzgeschichten unter anderem von seiner Jugendzeit in Paris veröffentlicht.
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Pierre Dietz hat Kurzgeschichten unter anderem von seiner Jugendzeit in Paris veröffentlicht.

Literatur-Tipp

Wie Sisi knapp dem Tod entkam

  • VonRainer Beutel
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Pierre Dietz veröffentlicht Sammlung spannender Kurzgeschichten. Das fast 140 Seiten umfassenden Werk des gebürtigen Rüsselsheimers sammelt unaufgeklärte historische Kriminalfälle sowie die Erinnerungen des Autors an seine Jugendzeit in Paris.

Der in Nauheim lebende Autor und Grafikdesigner Pierre Dietz präsentiert in seinem neuen Buch "Sisi in der Normandie" spannende und oftmals ironische Kurzgeschichten. Der literarische Bogen reicht von Dietz' Jugend in Paris bis zum Aufenthalt der österreichischen Kaiserin in Frankreichs Nordwesten.

Ob beim Stöbern in den Katakomben des Louvre, beim Fahren in der Metro oder einem Aufeinandertreffen mit zwei Nordafrikanern, die sich angesichts von Bundeswehrparkas zu faschistischen Grüßen animiert fühlen - das Spektrum der Themen, die Dietz mit seinen Kurzgeschichten streift, ist so vielfältig wie abwechslungsreich.

Historische Kriminalfälle

Das fast 140 Seiten umfassenden Werk des gebürtigen Rüsselsheimers sammelt unaufgeklärte historische Kriminalfälle wie die Erinnerungen des Autors an seine Jugendzeit in Paris. Der junge Pierre verbrachte bei seiner Tante "Cricri" die Schulferien, zeitweise wohnte er in der französischen Hauptstadt. Seine anekdotischen Erlebnisse sind ein Füllhorn der Unterhaltung. Sie amüsieren, machen oft aber auch ein wenig nachdenklich.

Heute ist Pierre Dietz für eher unkonventionelle Auftritte bekannt. Sei es als Grafiker und Maler von "Luftschlössern", sei es als Autor, der die Jahrtausende alte Suche nach dem Heiligen Gral entschlüsselt haben will. So wählt er jetzt als Heldin seiner Titelgeschichte keine Geringere als die österreichische Kaiserin Sisi, die sich 1875 von der Langeweile ihres Hofstaats ablenken will und in die Normandie reist.

"Im Schloss von Sassetot-le-Mauconduit einquartiert, entgeht Sisi kurz hintereinander zweimal knapp dem Tod", macht Pierre Dietz neugierig auf seine Erzählung. Aufgrund seiner detailreich recherchierten Fakten durch seinen Großvater Max Cabot, der in dem Ort Rouen in der Nähe lebte, kommt Dietz den Anschlägen auf die Spur. Selbstbewusst stellt er fest, die möglichen Mordkomplotte aufgedeckt zu haben.

Eignet sich als Reisebegleiter

Schon der Großvater habe vorgehabt, seine Erkenntnisse zu veröffentlichen. "Ständig neue Funde haben das verhindert. Es ist bei Zeitungsartikeln geblieben. Bei jedem Besuch hat er mir vom Stand der Forschungen berichtet und ist mit mir durch die Gegend gefahren, um mir die Orte zu zeigen", erzählt der Autor.

Von des Opas Freude über Details ließ er sich anstecken. Dies ist in seinen Kurzgeschichten über die Jugendzeit in Paris zu erkennen. Etwa in der Beschreibung des Friedhofs Père Lachaise mit seinen "häuserähnlichen Gebäuden", die ein "Pomp und Glanz nach dem Tod" vermitteln und nicht mal Tauben den Zutritt zu fensterlosen Gemäuern erlaubten. Oder seine Notizen über die Metro: "Wir standen wie in der Konservendose. Ältere Damen schnappten nach Luft und bettelten um einen der dauerhaft belegten Sitzplätze." Es sind anscheinend alltägliche Begegnungen, doch auch die müssen überhaupt erst einmal erkannt werden.

In der Stadt der Künste erlebte Pierre Dietz "erzählenswerte Vorfälle", die er als "teilweise gefährlich" empfindet und ihnen heute, mit etwas Abstand und Reife, den Hauch Komik verleiht, der zum vergnügten Schmökern verführt. Er verwischt die Realität mit pointierten Übertreibungen. Hinzu kommen authentische Fotos, so dass das Buch sogar als Reisebegleiter genutzt werden könnte, wie der Autor empfiehlt.

Mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen, darunter jüngst das Kinderbuch Barakabas mit der Nauheimer Malerin Beate Koslowski, die erwähnte Entschlüsselung von "King Artus und das Geheimnis von Avalon" und den "Briefen aus der Deportation" über den französischen Widerstand und den Weg nach Auschwitz, hat sich Dietz einen Namen in der Literaturszene gemacht. Erst kürzlich sei er von der "Gruppe 48", einer Gruppe deutschsprachiger Autoren und Literaturkenner, als Juror bestellt worden. Sein nächstes Buch wolle er im Frühjahr veröffentlichen, ein weiteres sei für den Herbst geplant. Rainer Beutel

Das Lesevergnügen kostet 12,50 Euro. Die ISBN lautet 978-3-75439-892-0.

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