Die Schäden im Wald sind unverkennbar und nehmen durch Trockenheit sowie durch Befall mit Borken- und Eichenkernkäfern eher noch zu, warnt das Forstamt. Foto: Rainer Beutel
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Die Schäden im Wald sind unverkennbar und nehmen durch Trockenheit sowie durch Befall mit Borken- und Eichenkernkäfern eher noch zu, warnt das Forstamt.

Natur und Umwelt

Wirtschaftlich gut, ökologisch alarmierend

  • vonRainer Beutel
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Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall setzen dem Gemeindewald zu

Aus finanzieller Sicht zieht das für den Nauheimer Gemeindewald zuständige Forstamt Groß-Gerau eine positive Bilanz für 2020. Unter ökologischen Gesichtspunkten jedoch leuchten die Alarmzeichen - nicht nur, weil sich im Wald ein "ungebetener Neuling" breit mache.

Die für 2020 gebuchten Einnahmen und Ausgaben hätten die Vorgaben aus dem Waldwirtschaftsplan übertroffen, berichtet Forstamtsleiter Klaus Velbecker von Hessen Forst. Beim Forstbetrieb habe sich ein Überschuss von 16 272 Euro ergeben. Das seien Folgen der Wetterextreme in den Jahren 2018 und 2019. Diese hätten dazu geführt, dass viel Kalamitätsholz verkauf worden sei. Hierbei handelt es ich um Holz, das als Ergebnis von Sturmschäden, Trockenheit oder Schädlingsbefall für eine weitere Nutzung verfügbar ist.

2020 sei der Holzmarkt jedoch "nahezu komplett zum Erliegen" gekommen. In ganz Mitteleuropa seien enorme Mengen Schadholz angefallen. Die Märkte seien mit Kalamitätsholz überschwemmt worden. Aus dem Nauheimer Wald seien rund 4750 Erntefestmeter geholt worden.

Außer dem positiven Betriebsergebnis und Hinweisen, wo eine Kommune bei der Waldwirtschaft Zuschüsse bekommen könne, präsentiert Velbecker den Gemeindevertretern eher bedenkliche Nachrichten. Nahezu alle Baumarten und Altersklassen bereiteten dem Forstamt Sorgen. Der Forstamtsleiter spricht von "starken Absterbeerscheinungen", die wiederum zu einem erheblichen finanziellen Aufwand für die Verkehrssicherung führten.

Holz möglichst rasch entfernen

2020 sei es "zu warm, zu trocken und zu sonnig" gewesen, so Velbecker. Global gesehen sei Ende vorigen Jahres das wärmste bisher aufgezeichnete Jahrzehnt beendet worden. Die Wälder in Deutschland und Hessen seien von dieser Entwicklung maßgeblich betroffen. Velbecker bezieht sich auf den Deutschen Wetterdienst, der für 2020 in Deutschland das zehnte Jahr in Folge verzeichnet habe, in dem die Durchschnittstemperatur über dem langjährigen Mittel gelegen habe. Es sei das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Datenerfassung gewesen. Zudem sei 2020 beim Niederschlag mit 710 Litern pro Quadratmeter das dritte zu trockene Jahr in Folge gewesen. Der Schnitt liege bei 789 Litern pro Quadratmeter.

"Dies spiegelt sich leider auch im Gesundheitszustand und im Erscheinungsbild unserer Wälder wider", bilanziert Velbecker. Trockenschäden nähmen immer mehr zu, gleichzeitig sinke die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schadinsekten und Pilzen. Hinzu komme das Problem mit dem Borkenkäfer. Die Gefährdungslage bleibe unverändert hoch. Der Wintereinbruch im Februar habe nach gegenwärtiger Einschätzung "keinen wesentlichen Einfluss auf die Vitalität der überwinternden Borkenkäfer" gehabt.

Hinzu geselle sich mit dem Eichenkernkäfer ein neuer Schädling. Seit Herbst 2020 werde der "ungebetene Neuling" an liegenden und stehenden Eichen immer häufiger beobachtet. Mehr und mehr zeichne sich ab, dass dieser bislang wenig in Erscheinung getretene Holzbrüter für Schäden an Bäumen verantwortlich sei. Zu erkennen sei der Befall durch faserigen Bohrmehlauswurf ab Juli.

Der Käfer ernähre sich von holzzersetzenden Ambrosia-Pilzen. Wie stark sich dies auf den Wert des Holzes auswirke, könne noch nicht genau gesagt werden. "Bei starkem Befallsdruck ist jedoch von einer raschen Holzentwertung auszugehen", warnt der Forstamtsleiter. Daher solle unbefallenes Eichenstammholz möglichst rasch nach dem Einschlag abgefahren werden. Neu angelegte Kulturflächen sollten im Frühjahr auf Mäusefraß kontrolliert werden.

Aktuell schätzt Velbecker den Flächenumfang der seit 2018 durch Sturm, Borkenkäfer und Trockenheit entstandenen Schadflächen im gesamten von Hessen Forst betreuten Wald auf mehr als 35 000 Hektar. Nähere Angaben für den ortsnahen Unterwald und den Oberwald bei Mörfelden lägen nicht vor. Hessen Forst sei längst in die Wiederaufforstung eingestiegen. Die Nachfrage nach Forstpflanzen sei aber derzeit hoch, vor allem bei Eiche, Spitzahorn und weiteren Edellaubbäume. Douglasien, Tannen und Buchen seien ausreichend verfügbar. Rainer Beutel

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