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Nur notdürftig geflickt ist das Dach direkt über der betroffenen Wohnung. 

Noch mehr Ärger

„Sie hat Angst und weint“: Mieterin sitzt wieder im Schimmel - es ist nicht das erste Mal 

Wasser dringt durch das Dach eines Hauses für altengerechtes Wohnen in Nauheim (Hessen). Die Mieter sitzen im Schimmel - schon wieder.

  • In Nauheim (Hessen) droht Ärger. 
  • Mieter in Wohnungen für altengerechtes Wohnen sitzen im Schimmel.
  • Dabei ist es nicht das erste Mal.

Nauheim - Zwei Mieterinnen in den altengerechten Wohnungen am Straßburger Platz leiden noch immer unter den Folgen des Sturms Fabienne vom September 2018. Weil ein Dach in einem von 24 Parteien bewohnten Gebäudekomplex der Groß-Gerauer Baugenossenschaft Ried bislang nur notdürftig abgedichtet ist, dringt Feuchtigkeit in eine Wohnung im Obergeschoss ein. Mittlerweile sei eine Schlafzimmerwand zum dritten Mal verschimmelt.

Auch die darunter liegende Wohnung sei schon zweimal von den Folgen betroffen gewesen. Die 73-jährige Frau, die dort lebt und wie die Hauptbetroffene nicht genannt werden möchte, befürchtet, dass die Räume ihrer Wohnung ebenfalls wieder feucht würden. „Es muss schnell etwas passieren“, fordert sie.

Die Tochter der 90 Jahre alten Hauptbetroffenen aus der oberen Etage in Nauheim bestätigt die Aussagen. Die Frau zeigt die feuchten Flecken und präsentiert Bilder von den beiden vorherigen Fällen aus dem Dezember 2018 und Mai 2019: Die abgebildeten Wände sind schwarz, die Böden nass.

Zwischenzeitlich habe die Baugenossenschaft die beiden Wohnungen innen sanieren lassen. Nun seien wieder Wände feucht. Telefonisch teilt die Tochter ergänzend mit, dass sie das betroffene Schlafzimmer ihrer Mutter in Nauheim geräumt habe. Dort sei „wieder alles schwarz“. Ihre Mutter sei bereits an Bronchitis erkrankt. Ein Arzt sehe einen Zusammenhang mit dem Schimmelbefall. Bei den früheren Fällen seien auch die Decken in Wohnzimmer, Wände, Bad und Flur beschädigt gewesen. „Im Bad stand das Wasser auf dem Boden“, erinnert sie sich.

Jürgen Unger, Sprecher des Ried-Vorstands, sagt zu, „dass der Schaden in diesem Frühjahr behoben wird, sobald das Wetter es zulässt“. Bisher habe das Dach „nur eine Notabdichtung“ erhalten. Dass trotzdem Feuchtigkeit eingedrungen sei, bedauere er sehr.

Die Bewohnerin zeigt auf den neuen Wasserschaden in ihrem Schlafzimmer.

Eine frühzeitige vollständige Reparatur sei wegen der Gebäudeversicherung nicht möglich gewesen. Zunächst sei zu klären gewesen, ob das Dach grundhaft saniert oder die betroffenen Stellen repariert werde. Nun stehe fest: Die Versicherung zahlt keine grundhafte Sanierung. Würde die Ried das Dach in Nauheim mit Eigenmitteln komplett erneuern und die inzwischen vorgeschriebene gesetzlichen Energieeinsparverordnung umsetzen, führe dies zu einer Wertsteigerung, die höhere Mieten nach sich ziehe. Das sei nicht gewollt. Unger spricht von einem „Sonderfall, den wir jetzt in Ordnung bringen“. 

Die betroffenen Bewohnerinnen hoffen, dass die Baugenossenschaft Wort halte und nicht wieder von einer „fachgerechten Arbeit“ spreche, die als Provisorium nichts bringe. Die Tochter der Hauptbetroffenen berichtet darüber hinaus von ihrem Einschreiten gegen eine erneute, für ihre 90-jährige Mutter belastende Innenraumsanierung, wie sie die Baugenossenschaft nach den wiederholten Nässeschäden habe veranlassen wollen. Die Ried habe das Veto so ausgelegt, dass genau deshalb die Dachreparatur nicht vorangeschritten sei. Daraufhin hatte die Tochter den Mieterschutzbund eingeschaltet, der nun schriftlich auf die Abläufe im Sinn der Betroffenen bestehe. Erst die Dachreparatur, dann die Innensanierung. Sonst wiederhole sich alles. „So wie jetzt“, sagt die Tochter verärgert. 

Nur für zwei Monate habe es eine Mietminderung gegeben. Wie es nun in Nauheim weiter gehe, sei für die Betroffenen unklar, weil die Ried sie nicht informiere. Nervlich seien sie extrem angeschlagen. „Meine Mutter sollte sogar in ein Hotel ziehen, hat die Ried gesagt. Sie hat total Angst und weint“, klagt die Tochter.

Die Bewohner der altengerechten Wohnungen am Straßburger Platz haben ein weiteres Problem mit der Baugenossenschaft Ried. Sie kritisieren die mangelhafte Reinigungsleistung, die sie über die Umlage bezahlten. Etliches müssten sie selbst erledigen, zum Beispiel Fenster putzen oder Staub wischen. Zuständig sei nach ihren Aussagen das Reinigungsunternehmen des Ried-Aufsichtsratsvorsitzenden Kai Kienzl. Und mit der direkten Nachbarschaft, der Sozialstation, gebe es ebenfalls Probleme. Vereine, die dort Räume nutzten, entsorgten ihren Müll in den Tonnen der Hausbewohner, beobachten die Hausbewohner mehrfach. 

rabe  

2019 wurden in Nauheim (Hessen) die Pläne für ein neues Gewerbegebiet abgelehnt*. Der Fachausschuss lieferte auch eine Begründung.

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