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Optionen einer Ganztagsschule als Thema einer Bürgerversammlung: Landrat Thomas Will (Mitte) gibt Auskünfte, ebenso Tanja Pfenning vom Landeselternbeirat, Parlamentschef Karl Norbert Merz (von links),, Monika Käseberg von der Kreisverwaltung und Gabi Walter-Reichelt (von rechts) vom Gebäudemanagement des Kreises. Foto: Rainer Beutel

Bürgerversammlung

Auf dem Weg zur neuen Ganztagsschule

Bis zum Sommer 2019 soll es einen Rahmen für das pädagogische Konzept der neuen Ganztagsschule geben. Dabei werden örtliche Vereine eingebunden. Noch ist aber unklar, woher zusätzliche Lehrer kommen sollen.

Hintergründe und Pläne rund um den Neubau der Ganztagsschule sind am Donnerstagabend in einer Bürgerversammlung vorgestellt worden. Rund 50 Frauen und Männer, darunter etliche Gemeindevertreter und Beigeordnete, interessierten sich für das Vorhaben.

Für den weiteren Verlauf des Projekts stehen zwei wegweisende Termine an: Landrat Thomas Will (SPD) kündigte für den Kreis Groß-Gerau als Schulträger an, dass voraussichtlich am Montag, 12. November, in einer Kreisausschusssitzung Bauaufträge vergeben werden. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, hänge von den Firmen ab. Nach dem Abriss alter Gebäude in den Sommerwochen werde der Bauzeitplan bislang eingehalten, sagte er.

Für den 24. November wurde zu einem Treffen ab 10 Uhr in der Pfarrscheune der evangelischen Kirchengemeinde eingeladen, bei dem erste Ideen besprochen werden sollen. Bis zum Sommer nächsten Jahres solle ein Rahmenplan entwickelt werden, wie eine Ganztagsschule von 8 bis 17 Uhr in Nauheim funktionieren könnte.

Ein Vater wunderte sich, dass zu dem Treffen seiner Kenntnis zufolge keine Eltern eingeladen worden waren, deren Kinder derzeit eine Kita und künftig die Schule besuchen. Der Kreis der Beteiligten sei bislang bewusst klein gehalten, entgegnete man ihm. Der Elternbeirat der Schule hatte erst im Laufe dieser Woche von dem Termin erfahren.

Ein anderes Problem seien die fehlenden Lehrer. Das fest angestellte Personal solle die Unterrichts- und Betreuungszeiten prinzipiell abdecken. Allerdings fehlten dafür noch Lehrkräfte, und es sei nicht sicher, ob der Arbeitsmarkt bis zum Beginn des Ganztagsschulbetriebs in Nauheim im Herbst 2020 genügend Kräfte hergebe. Möglicherweise könnten Vereine eingebunden werden, etwa in den Nachmittagsstunden. Gebe es zu wenig Fachkräfte oder entsprechend qualifiziertes Personal, „wird im Zweifel das Angebot verringert“, sagte Will.

Versammlungsteilnehmer Joachim Kotthoff ließ sich bestätigen, dass Eltern durchaus an den Plänen beteiligt würden, allerdings sei dies jetzt erst der Beginn eines langwierigen Prozesses.

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) stellte klar, dass es keine verbindliche Ganztagsbetreuung gebe. Eltern könnten den Umfang der Betreuung frei wählen. Nauheim gliedere sich beim Land Hessen in den „Pakt für den Nachmittag“ ein, lieferte Will dafür den landesweit gebräuchlichen Fachbegriff.

Das bedeutet: Ist der Unterricht vorüber, können, aber müssen Kinder nicht in der fünfzügigen Ganztagsschule mit 20 Klassen bleiben. Tanja Pfenning, Geschäftsführerin des Landeselternbeirats, verdeutlichte, dass ihr Gremium aus pädagogischen und sozialen Gründen eine verbindliche Ganztagsschule für sinnvoller erachte. „So ist das noch lange nicht“, erwiderte Monika Käseberg von der Kreisverwaltung. Auf ein solches Modell müsse über Jahre hingearbeitet werden.

Gabi Walter-Reichelt vom Kreis-Gebäudemanagement erläuterte, dass sich die Schüler eines Jahrgangs künftig in Gebäudetrakts bewegen, wo sie lernen, spielen, Hausaufgaben machen und engen Kontakt mit Lehrern haben.

Planer sprechen von sogenannten „Clustern“. Die Kosten für den Neubau, von dem Pläne zu sehen waren, seien nach Auskunft von Will „bei 14,5 Millionen Euro gedeckelt“.

Der Landrat schloss nicht aus, dass die Schulumlage der Kommune (derzeit rund 2,5 Millionen Euro) steigen könne. Derzeit investiere Nauheim etwa 2000 Euro pro Jahr und Kind in die Bildung. Das sei gut angelegtes Geld, betonte Parlamentschef Karl Norbert Merz in der Versammlung.

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