Kreis Groß-Gerau

Noch keine Entwarnung wegen Blauzungenkrankheit

Mitte Dezember brach in einem Viehbetrieb im Kreis Rastatt die Blauzungenkrankheit aus. Im Radius von 150 Kilometern wurde eine Sperrzone eingerichtet. Betroffen davon ist auch der Kreis Groß-Gerau. Welche Auswirkungen hat das auf die Betriebe?

Von Schwarzseherei bei den Viehhaltern Christian Engel und Roland Hedderich gibt es trotz Ausbruchs der Blauzungenkrankheit keine Spur. Und das, obwohl der Treburer Kastanienhof von Engel ebenso wie der neben der Landmetzgerei gelegene Betrieb von Hedderich inmitten des Sperrgebiets liegen. Nachdem in dem 150 Kilometern entfernten Ottersweier die Blauzungenkrankheit ausgebrochen war, wurde im Kreis Groß-Gerau eine Sperrzone eingerichtet. Auch die Kreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, der Odenwaldkreis und die Stadt Darmstadt bekommen die damit verbundenen Haltungsbeschränkungen zu spüren. Beschränkung im Handel

Diese halten sich für Engel allerdings im Rahmen. „Der Ausbruch der Krankheit liegt so, dass es für den Betrieb vorerst keine Beeinträchtigung gibt“, berichtet der Landwirt. Denn die Beschränkungen gelten für den Handel – insbesondere dann, wenn die Tiere in eine Region verbracht werden sollen, in denen die Krankheit bisher noch nicht aufgetreten ist.

Tiere dürfen Hof nur verlassen, um geschlachtet zu werden

Doch wenn die Tiere den heimischen Hof von Engel verlassen, dann nur, weil sie nach Brensbach im Odenwald zum Schlachter gebracht werden – also ebenfalls einem Sperrgebiet.

„Dort können sie keine weiteren Tiere infizieren“, erklärt Engel. Fleisch- und Milchprodukte können laut dem hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz ohne Bedenken verzehrt werden. Tiere, bei denen die Krankheit ausgebrochen ist und Krankheitszeichen vorhanden sind, müssen jedoch getötet werden und dürfen nicht mehr in den Handel kommen.

Melden müssen Engel und Hedderich ihre Tiere aber trotzdem. Schließlich sind alle Landwirte in der Sperrzone aufgerufen, ihre Tierhaltung bei der zuständigen Veterinärbehörde anzuzeigen. Die Ämter für Veterinärwesen und Verbraucherschutz in den betroffenen Landkreisen und der Stadt Darmstadt geben Auskünfte über die Anforderungen.

Empfänglich für die Tierseuche sind alle Wiederkäuer, also neben Rindern, Schafen und Ziegen auch Büffel, Rehe und Hirsche. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. Übertragen wird das Virus durch Stechmücken. „Von denen gibt es im Winter so gut wie keine“, hält Hedderich die Gefahr einer Ansteckung für gering. Zum Schutz, und um die Krankheit einzudämmen, empfiehlt das Umweltministerium in den betroffenen Kreisen, die Bestände zeitnah zu impfen.

Schutzimpfung gegen Blauzungenkrankheit möglich

„Meine Rinder werden geimpft, da kann nichts passieren“, sieht sich Hedderich auch in dieser Beziehung auf der sicheren Seite. Engels Tiere besitzen diesen Schutz noch nicht, doch mit dieser Option wolle sich der Landwirt nun auseinandersetzen. Schließlich können in der Regel nur Tiere mit Impfschutz aus den Sperrbezirken heraus gehandelt werden.

Momentan habe der Ausbruch der Krankheit auf den Betrieb von Engel keinen Einfluss. Der Stall ist voll und es sei vorerst nicht geplant, weitere Tiere zu erwerben. „Das kann aber im Frühjahr ganz anders werden. Dann müssen wieder Tiere zugekauft werden“, räumt der Landwirt ein. Man müsse also abwarten, denn die Sperrzeit soll mindestens für die nächsten zwei Jahre gelten. Der Chef der Landmetzgerei bemerkt unterdessen einen positiven Nebeneffekt und freut sich über guten Zuspruch. „Kunden kommen gerne zu uns, weil sie dann wissen, wo das Fleisch herkommt“, beschreibt Hedderich seine Beobachtung eines gestiegenen Bewusstseins. Das sei schon damals bei BSE und dem „Gammelfleisch“-Skandal so gewesen.

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