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Sie stellen den Masterplan vor: Landrat Thomas Will (von links), Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer, LNVG-Geschäftsführer Christian Sommer, LNVG-Prokuristin Angelika Reinhardt, Emcel-Geschäftsführer Marcel Corneille und Emcel-Projektingenieur Johannes Kuhn.

Pilotprojekt

ÖPNV setzt auf die Brennstoffzelle

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Die Städte Frankfurt, Wiesbaden und Mainz machen es vor: Busse mit Brennstoffzellen sollen das Klima und die Umwelt schützen. Jetzt zieht der Kreis Groß-Gerau mit seinem Masterplan nach.

Zurzeit befördert die Lokale Nahverkehrsgesellschaft mbH (LNVG) sieben Millionen Fahrgäste täglich im Kreis Groß-Gerau. Die Busse fahren allesamt mit Diesel. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der neue „Sprit“ ist Wasserstoff.

Nun beschloss der sechsköpfige Aufsichtsrat der LNVG den Einstieg in die Brennstoffzellentechnologie. „Als Nächstes folgt die Ausschreibung“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer (Grüne) bei einem Pressegespräch. Zunächst sollen 22 solcher Busse gekauft werden und ab dem Jahr 2022 regulär auf den Straßen des Kreises unterwegs sein.

Keine schädlichen Abgase, große Reichweite: Die Lokale Nahverkehrsgesellschaft will seine emissionsfreie Busflotte bis spätestens zum Jahr 2030 aufbauen.

Die steigenden Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren um rund 45 Prozent stimmen die Mitglieder des Aufsichtsrats positiv. „Eine derartig dynamische Entwicklung war zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Nahverkehrsplans Ende 2015 noch nicht absehbar und dokumentiert eindrucksvoll die besondere Notwendigkeit, das ÖPNV-Angebot weiter auszubauen“, so der LNVG-Geschäftsführer Christian Sommer. Mit dem Beschluss im Aufsichtsrat sei nun ein wichtiger Schritt getan, um bis 2030 eine emissionsfreie Busflotte aufzubauen.

Gutachten erstellt

Das Unternehmen habe sich ausführlich über die neuen Technologien informiert. Ein Konsortium, bestehend aus der TÜV Rheinland AG und der Emcel GmbH, hatte im Auftrag der LNVG geprüft, welche alternativen Antriebstechnologien sich für den Einsatz im Liniebetrieb im Kreis Groß-Gerau eignen. Das Gutachten stellt die Vorzüge des Brennstoffzellenbusses heraus. „Mit dieser Technologie können etwa 300 bis 400 Kilometer bewältigt werden, bevor wir Wasserstoff tanken müssen“, erklärte Sommer.

Für das weitläufige Kreisgebiet seien Batteriebusse dagegen nicht geeignet: Zu oft müssten die Akkus an den Stromsäulen geladen werden, was den laufenden Betrieb stören würde. „Wir hätten mehr Busse und mehr Personal gebraucht“, meinte der Geschäftsführer. Außerdem hätte eine ausreichende Ladeinfrastruktur geschaffen werden müssen. Für die Brennzellenbusse reiche dagegen wenige zentrale Betankungsstation aus, um sie am Ende des Tages zu befüllen.

Ob Batterie oder Brennstoffzelle den deutschen Markt dominieren werden, konnte Marcel Corneille, Geschäftsführer des Kölner Ingenieurbüros Emcel, nicht sagen. Letztlich entwickelten sich beide Technologien parallel zueinander. „Das können Sie mit Diesel und Benzin vergleichen. Je nach Anforderungen entscheidet sich der Kunde für den einen oder den anderen Antrieb“, machte Corneille deutlich.

Fördergeld beantragen

Eines haben aber beide Fahrzeugtechnologien gemeinsam: Elektromobilität ist teuer. Die Kosten für den Umstieg auf die emissionsfreie Technologie schätzt Sommer auf insgesamt rund zwölf Millionen Euro. Einen Teil davon sollen Förderprogramme des Landes oder des Bundes decken. Das Land Hessen bezuschusst E-Mobilitätsprojekte mit bis zu 50 Prozent anteilig an den Mehrkosten. Der Bund finanziere womöglich bis zu 80 Prozent. „Dies gilt es in den nächsten Wochen herauszufinden“, sagte Sommer. Eines stehe fest: Ohne Fördergeld seien die Anschaffungskosten zu hoch. Während zurzeit ein neuer Dieselbus etwa 250 000 Euro koste, sei bei einem Brennstoffzellenbus mit etwa 600 000 Euro zu rechnen. Busse, Wartung und Wasserstoffversorgung sollen nach dem Betreibermodell aus einer Hand kommen.

Die Pilotphase des Projektes ist für den Zeitraum 2020/2021 vorgesehen. Die Brennstoffzellenbusse werden dann die Strecken der 70er-Linien im Norden des Kreises bedienen. Später soll der Betrieb ausgeweitet werden.

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