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Tag der offenen Tür gibt Einblicke in die Seniorenwohnanlage

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Von: Svenja Wallocha

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Seit einigen Monaten wohnen die Mieter schon in der Anlage „Wohnparkplus“. Gestern stellten sie sich vor. Die Gewobau erläuterte das Konzept. Jetzt hofft sie auf gute Nachbarschaft.

Mit einem fröhlichen Lächeln steht Michael Brausem (66) am Tag der offenen Tür hinter der Kaffee- und Kuchentheke des Bewohnercafés. Er ist einer der 50 Mieter der Seniorenanlage, die Anfang des Jahres in die 36 Wohnungen eingezogen sind.

Er, die anderen Mieter und die Gewobau stellen sich und den „Wohnparkplus“ an diesem Tag mit einem bunten Programm vor. Gerade beginnt der Chor der SKG Bauschheim mit ihrem ersten Auftritt. „Ich habe vorher in Rüsselsheim gewohnt“, sagt Brausem deshalb etwas lauter. Er fühle sich sehr wohl hier in seinen eigenen vier Wänden in der zweiten Etage.

Unabhängig bleiben

Brausem habe 40 Jahre lang in der Notfallrettung gearbeitet und wisse wie mit alten Menschen umgegangen wird. „Wenn die Familien nicht mehr da sind, werden viele in ein Altenheim abgeschoben, dann ins Pflegeheim, und dann kommt der Tod. Ich hab mir immer gesagt, so will ich das nicht“, erzählt er. Mit der Seniorenwohnanlage in Bauschheim habe er einen Ort gefunden, in dem er selbstständig leben könne, auch wenn er zum Pflegefall wird.

Die Wohnanlage sei „kein Altenheim im Sinne eines Altenheims“: Alle Bewohner, egal welchen Alters und mit welchem Handicap, lebten hier miteinander in einer Gemeinschaft, und wenn einer Hilfe benötige, sei der Kranken- und Altenpflegedienst Pro Salus direkt im Haus, könne 24 Stunden am Tag unterstützen.

Voller Stolz zeigt Brausem seine Wohnung mit eigener Loggia. Es ist kein Pflegezimmer, sondern eine helle Wohnung, die er mit eigenen Möbeln, von seinen Reisen mitgebracht, ausgestattet hat. Er zeigt auf die Tür im Treppenhaus, die sich automatisch öffnet, und den dahinter liegenden Fahrstuhl. „Das ist alles barrierefrei. Noch bin ich zwar fit, das kann sich aber schon morgen ändern“, meint er.

Die drei Gebäudeteile in der Rheingauer Straße sind in U-Form angeordnet und miteinander verbunden – alles ist sehr offen, und die bunten Türen sind ein Blickfang. Zwar hat jede Wohnung ihre eigene Loggia oder Terrasse, doch es war den Architekten außerdem wichtig, offenen Außenflächen für alle zur Verfügung zu stellen. „Jeder hat so seine Winkel und Ecken, die sehr unterschiedlich aussehen, da ist viel Individualität möglich“, sagt Architektin Cilia Tovar von FFM Architekten.

Bielefelder Modell

Erstmals wird mit dem „Wohnparkplus“ in Bauschheim das Konzept des Bielefelder Modells angeboten: Die Bewohner können trotz Pflegebedarfs selbstständig in ihren eigenen Wohnungen und Strukturen leben. „Hier sagt keiner, wann aufgestanden, gegessen oder ins Bett gegangen wird“, berichtet Pflegedienstleiter Martin Steinmann von Pro Salus.

Der Pflegedienst passe sich den Bewohnern an, nicht umgekehrt. Außerdem wolle man die Bauschheimer animieren, aktiv zu werden sowie sich nachbarschaftlich einzubringen. So biete zum Beispiel ein Bewohner mit gutem EDV-Wissen Kurse für den Umgang mit Computern und Smartphones an.

Zudem gibt es keine Betreuungspauschale, das heißt, es wird nur gezahlt, wenn die Pflege auch genutzt wird. „Viele kennen das Objekt hier noch nicht und denken es sei ein Altenheim. Wir sind aber eher Nachbarn, die zusammen sonntags Kaffee trinken und Kuchen essen“, sagt Brausem.

Mit dem Bau der Seniorenwohnanlage sei ein langjähriger Wunsch der Bauschheimer in Erfüllung gegangen, weiß Ortsvorsteher Werner Stahl. Dennoch gebe es weiterhin eine hohe Nachfrage nach solchen Anlagen. „In der Eselswiese wäre so etwas auch möglich“, schlägt Stahl vor.

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