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Dieter Baumann in Aktion: Am Sonntag kommt er mit seinem Kabarettprogramm nach Zeppelinheim.

Sport-Kabarett „Die Götter und Olympia“

Olympiasieger auf Kabarettkurs

Dieter Baumann gastiert mit seinem Sport-Kabarett „Die Götter und Olympia“ am Sonntag, 2. April, um 19 Uhr im Bürgerhaus Zeppelinheim. Grund genug, um mit dem 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 über seine Ambitionen zu sprechen. Das Interview führte FNP-Praktikantin Eliona Förster.

Als Sportler denkt man nicht unbedingt an Kabarett. Wann wurde in Ihnen der Drang wach, Sport und Kabarett zu verbinden, Herr Baumann?

DIETER BAUMANN: Das hat sich so ergeben. Nach meiner Karriere habe ich zunächst mal beim Laufen Vorträge gehalten, wie zum Beispiel über die ideale Marathonvorbereitung, die richtige Ernährung oder das Training. Aber ich habe gemerkt, da fehlt mir noch der letzte Pep, und dann habe ich Geschichten von meiner Karriere und von Freizeitläufern erzählt. Da habe ich festgestellt, dass mir das viel mehr Spaß macht. Dann war der Schritt zum Kabarett nicht mehr weit. Ich bin kein Comedian, der in jedem Satz einen Witz erzählt, aber ich bin Geschichtenerzähler, und das kann ich mit großer Heiterkeit. Dazu baue ich dann nur ein bisschen Sportpolitik ein, und so hat es sich dann im Lauf der Jahre entwickelt.

Was hat Ihnen die Idee zu dem Programm „Götter und Olympia“ gegeben?

BAUMANN: Das Thema ist ja die Götter und Olympia. Ich war selber dreimal bei den Olympischen Spielen und ich habe das Ding einmal gewonnen. Zusätzlich gibt die Sportpolitik rund um Thomas Bach, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) natürlich auch genug her, um das auf die Bühne zu bringen. Viele Freizeitläufer geben auch viele Themen zu diesem Sportkomplex hinzu, und davon gab es dann in meinem Stück ein Rundumprogramm. Haupt-Ideengeber war aber insofern dann das IOC.

Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Programm unter die Leute bringen?

BAUMANN: Ich habe keine Botschaft. Wir wollen einen heiteren Abend haben, da gibt es keinen erhobenen Zeigefinger. Ich will selbst einen netten Abend und die Leute gut unterhalten. Sie sollen am Ende rausgehen und sagen: „Das war ein geiler Abend“, und das ist meine Intension.

Welches Publikum hatten Sie vor Augen, als Sie Ihr Kabarettprogramm erarbeiteten?

BAUMANN: Ich mach das ja nicht zum ersten Mal, sondern das ist mein drittes Programm. Insofern habe ich ein konkretes Publikum, das zu mir kommt. Zum Teil sind das Freizeitläufer, Marathonläufer und Leichtathleten, die mich noch von früher kennen, oder Fans aus Zeiten als aktiver Athlet, die sehen wollen, was ich jetzt mache. Und zum Teil sind das einfach Leute, die ganz offen da hingehen und fragen: „Was macht der denn da? Das will ich jetzt mal sehen“. Darum habe ich in der Regel ein sehr offenes und freudvolles Publikum – und dementsprechend sind dann auch die Abende.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen, etwa beim Laufen?

BAUMANN: Nein, beim Laufen bin ich total unkreativ. Eigentlich kommen mir die besten Ideen aus der Presse. Ich brauche Geschichten, die passiert sind und die ich auf der Bühne adaptieren kann, und ich brauche auch die Läufer, die jeden Tag trainieren, sich für einen Marathon vorbereiten oder irgendwelche Bestzeiten knacken wollen. Zudem lenkt mich mein Publikum zu einem nicht unwesentlichen Teil mit Fragen, denn es kann mir welche stellen, und ich versuche diese Fragen in mein Programm aufzunehmen und einzubauen. Insofern weiß ich nie genau, wie es wohl am Ende des Stückes ausgeht. Es ist jedes Mal spannend.

Sie laufen noch immer sehr viel, aber sicher gibt es auch Tage, an denen Ihnen die Motivation fehlt. Was hilft Ihnen aus solchen Sinnkrisen heraus?

BAUMANN: Eigentlich fehlt mir nie die Motivation und ich laufe eigentlich jeden Tag. Wenn überhaupt, fehlt mir die Zeit. In diesem Jahr ist es mir aber nur viermal passiert, dass ich keine Zeit hatte. Wahrscheinlich ist es meine Kunst, dass ich mir ein Zeitfenster offenhalten kann, indem ich Laufen gehe. Der Trick ist eine Prioritätensetzung und gute Organisation, dann fällt das Laufen auch nicht aus.

Olympiasieger ist man ja nicht nur für einen Tag, sondern sein Leben lang. Welche Bedeutung hat die Goldmedaille, die Sie 1992 im 5000-Meter-Lauf gewannen, heute noch für Sie?

BAUMANN: Also für ein ganzes Leben, das weiß ich nicht. Für mich ist es ein Momentum. Ich hatte wahnsinniges Glück an dem Tag. Ich war gesund und es wurde genau die Taktik gelaufen, die ich mir gewünscht habe. Ich bin nicht abhängig von diesem Sieg. Das ist eine Reduzierung von anderen Dingen, die man schafft. Das war ein tolles Rennen, aber es gibt ja auch andere Projekte, die ich für sehr gelungen halte.

Wo bewahren Sie diese Medaille auf?

BAUMANN: Die habe ich immer mit dabei.

Sicher ist die unleidliche Geschichte um die Dopingvorwürfe lange her, aber sie ist vielen Menschen noch im Gedächtnis. Wie gehen Sie heute damit um, wenn Sie darauf angesprochen werden, und welche Lehren haben Sie aus den Ereignissen gezogen?

BAUMANN: Für mich ist das jetzt so viele Jahre her, und es ist auch kein unleidliches Thema. Ich behandele es einfach neutral und habe mich weiterentwickelt. Es war natürlich ein gewichtiger Teil in meiner Biografie, aber ich blicke nicht zurück und überlege ständig, was, wie und wo ich etwas anders hätte machen können. Ich lebe im Hier und Jetzt und in dem, was ich heute mache. Ich kann keine Lehren aus dieser Sache ziehen. Man gerät in eine Geschichte rein, für die man erstmal nichts kann, und dann gibt es keinen guten Ausgang. Das ist alles. Man muss eine Strategie haben, um die Zukunft zu gestalten.

Zuweilen werden Sie auch als Motivator engagiert. Welches ist Ihr wertvollster Tipp, den Sie Ihren Zuhörern mit auf den Weg geben?

BAUMANN: Dran bleiben. Es gibt einen schönen Spruch: „Der Sturm knickt die Gräser, aber er bricht sie nicht.“ Das finde ich sehr schön. Man kann immer wieder fallen, das ist nicht so schlimm. Wenn man stürzt oder wenn im Leben etwas schief geht, das finde ich normal. Nur liegenbleiben, das finde ich schlimm. Zum Beispiel gibt es in jedem Lauf immer wieder Phasen, in denen es einem nicht gut geht, aber so fühlt sich jeder und das ist nicht schlimm. Das Schlimme wäre, dann zu sagen, jetzt hört man auf. Aufhören finde ich schwierig. Alles andere kann man machen. Man kann sich müde fühlen, stürzen, auch mal kurz einen Moment lang liegenbleiben und nachdenken – aber dann sollte man auch wieder aufstehen und dranbleiben. Das gilt natürlich auch für das Leben.

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