Landrat Thomas Will

Plauderstunde mit dem Landrat

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Die Jahrespressekonferenz des Kreises war ein netter Plauderabend und kein Treffen mit steifen Reden. Das hatte Landrat Thomas Will bewusst so geregelt.

Stets auf dem Sprung, immer unter Zeitdruck – Landrat Thomas Will (SPD) weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, wie es freien Journalisten ergeht. Einst war er zwischen 1979 und 1994 selbst als Berichterstatter und Pressefotograf für eine Rüsselsheimer Lokalzeitung tätig. Bei seiner Jahrespressekonferenz im Schloss Dornberg am Donnerstag erinnerte er sich an diese Zeit.

„Das waren noch Zeiten“, als er sein Material gelegentlich auch Kollegen von anderen Zeitungen zur Verfügung gestellt und sich mit ihnen ausgetauscht habe. Das freilich habe die Redaktion nicht erfahren dürfen. So lachte und plauderte Will mit Journalisten ein wenig aus dem Nähkästchen. „Wenn ich mich an früher erinnere, wie viele Kollegen zur Jahrespressekonferenz erschienen waren, und wie wenige heute kommen. . .“, sagte er. Die Ursache sah Will unter anderem in Fusionen, aber auch eingestellten Berichterstattungen mancher Tageszeitungen sowie zahlreichen Kündigungen wegen Einsparungen in jüngster Zeit.

Die Medienlandschaft habe sich mit ihrer schreibenden und fotografierenden Zunft in den vergangenen 20 Jahren massiv verändert. Das wirke sich auf den Verkauf der Kreispolitik aus. „Viele Bereiche können gar nicht mehr so intensiv wie einst transportiert werden.“ Das sei der Hauptgrund, weshalb er die Jahrespressekonferenz nicht mehr im klassischen Stil mit steifen Reden ausrichte, sondern lieber zu einem Plauderabend mit einem kleinen Imbiss einlade.

Das seien noch Zeiten gewesen, als er abends noch Schwarz-Weiß-Filme nach Terminen selbst entwickelt, abgezogen und die Redaktion für die Ausgabe am kommenden Tag noch mit Material versorgt habe. „Heute ist man 24 Stunden online und immer auf dem neuesten Stand“, so Will. Sogar bei seinen Radtouren durch das Ausland versorgt er sich jeden Morgen dank Internet mit den neuesten Nachrichten der Lokalzeitungen – „und sogar wesentlich früher, als wenn ich im Dienst bin“.

Der passionierte Sportler versäumte nicht, über seine diesjährige vierwöchige Radtour nach Marokko zu informieren, zu der er mit einem festen Stamm von Teilnehmern am 13. Mai aufbricht. Es liegen 3000 Kilometer vor der Truppe. Die erste Woche verbringt sie in Frankreich, dann hält sie sich drei Wochen in Marokko auf. Die längste geplante Etappe beträgt 205 Kilometer an einem Tag und führt von Marrakesch an die Küste. „Wenn man die Schmerzen nicht mehr spürt, ist es geschafft“, sagte der Landrat lachend. Will verriet, dass er sich den Winter über mit Laufen fit hält. Jede Woche mindestens 50 Kilometer, dann könne er im Mai fit aufs Rad steigen.

Erholungsphasen gäbe es bei den Radtouren kaum, und sie seien nur von kurzer Dauer. „Abends, bis man ins Bett geht. Am anderen Morgen sind sie jedoch auch schon wieder vorbei.“ Nach zwei Dritteln der Tour freue er sich auf den letzten Tag. Damit er auch unterwegs stets mit den neusten Nachrichten versorgen und auf Dringlichkeiten reagieren kann, trägt er sein Handy stets am Lenker seines Rades und lädt es mit dem Treten in die Pedale über einen Dynamo auf. So erfährt Will via Internet, ob Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (Grüne) ihn in seiner Abwesenheit zu seiner Zufriedenheit vertritt – „oder ob ich von unterwegs aus eingreifen und im Sekretariat anrufen muss“, scherzte der Landrat.

Gelächter brach bei der Vermutung darüber aus, dass es in Marokko gewiss ein Funkloch nach dem anderen gäbe, Will deshalb keine Nachrichten lesen und auch nicht telefonisch reagieren könne.

Jenseits dieses Spaßes kündigte Will an, dass er an jedem Abend der Radtour jeden Abend einen kleinen Bericht samt Fotos ins Netz stellen werde: „Vor zehn Jahren mussten wir zu diesem Zweck noch jeden Abend ein Cafe aufsuchen.“ Er erinnerte daran, dass diese Radtouren 1992 anlässlich der Verschwisterung seines Wohnortes Bischofsheim mit der polnischen Kommune Dzierzoniów begannen. Damals entstand die Idee, sie einmal mit dem Rad zu besuchen. Weitere Touren führten nach England und nach Burgund. Die Teilnehmer zeigten sch begeistert, und so waren die alljährlichen Radtouren geboren.

Will widmete sich auch anderen Themen. So könne der Hessentag in Rüsselsheim eine Chance für die Stadt bedeuten, sofern in die Stadtentwicklung investiert werde. Dazu jedoch müsse die Stadtpolitik an einem Strang ziehen. „Man muss es geschickt angehen. Das Thema darf in der Kommunalpolitik nicht zerrieben werden.“ Der Kreis biete seine Unterstützung an. In die Ausrichtung des Hessentages müsse die gesamte Region eingebunden werden. Interkommunale Zusammenarbeit sei über die Kreisgrenze hinaus nicht einfach. In Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim funktioniere sie jedoch tadellos.

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