Stefan Sauer (links) wurde mit 94 Prozent zum neuen CDU-Bundestagskandidaten gewählt. Vorgänger Franz Josef Jung gratuliert.
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Stefan Sauer (links) wurde mit 94 Prozent zum neuen CDU-Bundestagskandidaten gewählt. Vorgänger Franz Josef Jung gratuliert.

CDU schickt Groß-Geraus Bürgermeister ins Rennen um Direktmandat

94 Prozent für Stefan Sauer

Stefan Sauer hat es geschafft: Die CDU schenkte dem 50-Jährigen ihr Vertrauen im Kampf um ein Bundestagsmandat. Sauer punktete beim Parteitag auch mit der Wahl seines Wohnorts.

Nun ist es offiziell: Der Groß-Gerauer Bürgermeister Stefan Sauer (50) wird für die CDU um das Mandat für den Bundestag im Wahlkreis 186 kämpfen. Beim Kreisparteitag am Samstag im Bürgerhaus Wolfskehlen wurde er mit 94 Prozent der Stimmen zum Kandidaten. Von 88 Delegierten votierten 83 für ihn.

Sauer legte in einer 45-minütigen Rede seine Beweggründe offen, die ihn zu der Kandidatur veranlasst haben. Gleichzeitig umriss er die Schwerpunkte seiner Politik, für die er künftig in Berlin fechten will. Und er verbreitete Aufbruchsstimmung, was ihm langen Beifall einbrachte. Dabei gab er sich siegessicher: „Das Direktmandat, das die CDU erstmals mit Franz Josef Jung erobern konnte, muss verteidigt werden.“

Zweimal stand Sauer im Mittelpunkt des Parteitags: Als Kreisvorsitzender bei der Abgabe seines Rechenschaftsberichts. Hier griff er die SPD-Kreispolitik scharf an und fand deutliche Worte wegen der schlechten Situation um die Kreisklinik, in welche die Verantwortlichen das Haus „sehenden Auges geführt haben“. Im zweiten Teil, bei seiner

Vorstellungsrede

, reagierte er auf die derzeitigen Probleme, vor der die Gesellschaft stehe.

Auf die Bürgermeisterwahlen eingehend, die nächste Woche in Riedstadt und folgend dann in Gernsheim, Nauheim und Rüsselsheim stattfinden, attestierte er den CDU-Kandidaten gute Chancen. Das gelte für die derzeitigen Amtsinhaber, während Riedstadt die „neunte Kommune im Kreis werden kann, in der ein CDU-Mann das Ruder übernehmen wird“.

Zur Situation in Rüsselsheim rief Sauer seinen Parteifreunden zu: „Bewahrt Ruhe, haltet durch, macht Eure Baustellen zum Hessentag fertig, positioniert Euren Oberbürgermeister Patrick Burghardt wieder gut. Ich weiß, dass Ihr es nicht so leicht habt, nehmt Euch ein Vorbild an Groß-Gerau“.

Dann ging Stefan Sauer zum Angriff über. Groß-Gerau zahle 20 Millionen Euro Kreis- und Schulumlage und „dann erlaubt es sich der Landrat, die Stadt um Geld für die Kreisklinik anzubetteln. Das ist dreist, da kriege ich Sodbrennen. Wenn die Sozialdemokraten im Kreis eines nicht auf die Reihe bringen, dann ist es der Umgang mit Geld.“

Der Zeitplan für die Konsolidierung der Klinik sei „verpennt“ worden und nun werde so getan, als wolle man die Klinik unter allen Umständen retten, wobei noch flapsig von 50 Millionen Euro geredet werde. Sauer hoffe jedenfalls, dass die Klinik gerettet werden könne, denn Groß-Gerau brauche eine Notfallversorgung ebenso wie wieder eine Notdienst-Zentrale.

Mit „ein wenig Wehmut“ sprach der scheidende Bundestagsabgeordnete Franz Josef Jung von seiner letzten Wahlkreiskonferenz. „Wenn man 45 Jahre lang für die Landes- und Bundespolitik gewirkt hat, dann ist es Zeit, den Stab in jüngere Hände zu geben“, sagte er. Er wolle jedoch weniger zurückblicken, als vielmehr in die Zukunft schauen und hier erfülle ihn der Wahlvorschlag Stefan Sauer des CDU-Kreisvorstandes mit großer Hoffnung.

Der Gelobte ging schließlich auf die Beweggründe für seine Kandidatur ein. Seine zehn Jahre als Bürgermeister bezeichnete er als „toll“, denn man sei nah am Menschen, könne gestalten und das Ergebnis sehen. Doch irgendwann brauche jede Kommune ein neues Gesicht, und für ihn sei die Zeit reif gewesen, als ihm Franz Josef Jung den Verzicht auf eine erneute Kandidatur mitgeteilt habe.

Auch nach der Wahl werde er Groß-Gerau als Wohnort beibehalten, hier bleibe sein Lebensmittelpunkt, hier habe seine Frau Roxana ihre Arztpraxis und Arbeit in der Kreisklinik. „Und unter der Woche bin ich dann eben in Berlin.“ Veränderung gehöre zum Leben.

(miko)

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