Der linke Ahorn im Hintergrund muss gefällt werden, informieren Detlef Hohlin (links) und Bernhard Döppner. FOTO: Rüdiger KOslowski
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Detlef Hohlin (links) und Bernhard Döppner informieren über die Situation der Bäume in Raunheim bei Frankfurt.

Schadensbestand

Fällung von 40 Bäumen in Wohngebiet: Trockenheit und Wassermangel

In Raunheim bei Frankfurt sterben die Bäume. Ein Feldversuch gibt Grund zur Hoffnung.

Die beiden Ahornbäume, die in der Ringstraße in Höhe der Hausnummer 65 stehen, sind ein gutes Beispiel für den unterschiedlichen Zustand und die unterschiedliche Überlebensfähigkeit von Bäumen. Einer der beiden Ahorne müsse sicher gefällt werden, informiert Detlef Hohlin, Gartenbautechniker und Sachgebietsleiter Technisches Projektmanagement für den Garten- und Landschaftsbau bei GWH Wohnungsgesellschaft.

Dieser Ahorn sei im vergangenen Jahr bereits zurückgeschnitten worden. So müssen die restlichen Wurzeln weniger Blätter mit Nährstoffen versorgen. Die GWH bemühe sich, die Bäume immer so lange wie möglich zu pflegen, so lange wie möglich stehenzulassen. Jetzt hat der Ahorn allerdings keine Chance mehr zu überleben.

Ganz anders der Ahorn, der ein paar Meter entfernt steht. Dort schaut das Blätterdach noch in Ordnung aus. Bernhard Döppner, Geschäftsführer des Dienstleisters Grounds & Buildings, die für die Wohnungsgesellschaft den Zustand der Bäume kontrolliert, erklärt, dass der Baum nicht in unmittelbarer Nähe des Bürgersteiges und der Straße stehe, also nicht von versiegelten Flächen umgeben sei. Die Wurzeln würden dort durchaus mehr Wasser aufnehmen können.

Raunheim bei Frankfurt: Bäume sterben wegen der Trockenheit

Der tote Ahorn gehört zu einer Gruppe von rund 40 anderen Bäumen, die die GWH in der Ringstraßensiedlung fällen muss. Sie sind bereits abgestorben oder nicht mehr zu retten. Döppner nennt neben dem Ahorn auch eine Birke, eine Hainbuche und einen Kirschbaum. „Die Bäume sind wegen der Trockenheit abgängig“, sagt er.

Sein Unternehmen nummerierte sämtliche 1600 Bäume im Ringstraßengebiet. Zudem wurden Baumstammdaten wie Gattung, Art, Holz, Stamm- und Kronendurchmesser aufgenommen. Die Bäume werden im Jahresrhythmus kontrolliert und ihre Schäden aufgenommen. Nach Stürmen und starkem Schneefall machen sich zudem die Hausmeister auf den Weg, um Schadensbilder aufzunehmen.

Hinter allem steht die Pflicht zur Verkehrssicherung. Wenn die Standfestigkeit des Baumes nicht gesichert ist, muss er gefällt werden. Bei einer akuten Unfallgefahr muss der Baum zeitnah gerodet werden. Dies treffe aber auf keinen der 40 Bäume zu, so Hohlin. Die Rodungsarbeiten stehen deshalb erst Ende Oktober an.

Viele Bäume vorgeschädigt: Schlechte Bodenqualität in Raunheim bei Frankfurt

Döppner rechnet nicht damit, dass dies die letzten Bäume seien, die gefällt werden müssen. Viele Bäume seien bereits vorgeschädigt. Mitunter müssten bei den Kontrollgängen Bäume als geschädigt klassifiziert werden, die im Jahr zuvor noch als gesund einstuft worden seien.

Er macht die Trockenheit und den Wassermangel für das Absterben der Bäume verantwortlich. Der in den vergangenen Wochen durchaus starke Niederschlag reiche nicht aus, um angegriffene Bäume zu retten. Denn die Bodenqualität trage ihr Übriges zu dem Wassermangel bei. Raunheim liege im Mainschwemmland, die Wasserdurchlässigkeit sei sehr hoch. Der Boden könne das Wasser deshalb gar nicht halten. Deshalb sei in Raunheim in Bezug auf die Bestände der GWH die Ausfallquote der Bäume auch besonders hoch. Der Standort in der Ringstraße komme daher nun mit zwei anderen Standorten in den Genuss eines Feldversuches, sagt Hohlin.

Die GWH will im kommenden Jahr rund 30 Bäume in besonders guter Qualität pflanzen. Die Zahl stimme nur zufällig in etwa mit der Zahl der zu fällenden Bäume überein, meint Hohlin.

Neue Bäume in Raunheim bei Frankfurt sollen Abhilfe schaffen

Dabei sollen Baumarten gepflanzt werden, die bislang noch nicht im Ringstraßengebiet standen. Die genauen Sorten seien bislang aber noch nicht ausgewählt worden. Bei dem Feldversuch werden Wachstum, Standort, Boden, Wasser und Niederschlag ausgewertet.

Die Bäume in der Ringstraßensiedlung zu bewässern, sei schon aus logistischen Gründen nicht möglich. Hinzu käme die notwendige Wassermenge. Deshalb würden nur Neuanpflanzungen in den ersten drei bis fünf Jahren gegossen. Danach müssten die Bäume mit der natürlichen Wassermenge auskommen.

Die GWH bemüht sich gleichwohl, den Bäumen auf anderer Art Wasser zukommen zu lassen. Es werden beispielsweise Flächen entsiegelt und wasserdurchlässige Gehwegplatten verlegt. Die Wege haben zudem eine leichte Neigung in Richtung Außenkante, sodass das Wasser auf der Strecke in die Grünanlage abfließt. Außerdem seien Spielplatzflächen entsiegelt worden. (Rüdiger Koslowski)

Schlechte Nachrichten gibt es auch an anderer Stelle: Die Kita in Raunheim schließt im kommenden Jahr.

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