Karin Jechimer (links) und Julia Bartsch präsentieren den Prototyp der Tafeln. Foto: rko
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Karin Jechimer (links) und Julia Bartsch präsentieren den Prototyp der Tafeln.

Natur

An acht Stationen wird der Wald zum Erlebnispfad

Die Stadt Raunheim stellt Infotafeln auf - dort erfahren Klein und Groß Wissenswertes über den Forst und das Klima.

Selten hätten sich in den 21 Jahren seiner Dienstzeit so viele Menschen an ihn mit der Frage über den Zustand des Waldes gewandt, berichtet Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) im Wald stehend. An seiner Seite eine Tafel mit der Überschrift "Der Wald, das Klima und Du". In einem rund sechsminütigen Film, den die Stadt auf Youtube ausstrahlt, wirbt der Bürgermeister für den Erhalt des Waldes, das Verständnis für den Wald und den Waldklimapfad.

Denn der Waldklimapfad tritt ganz allmählich aus dem Schatten der Planung in die Realisierung. Karin Jechimer, die Umweltpädagogin der Stadt, und Julia Bartsch vom Fachdienst Stadtplanung, Hochbau und Wohnungsaufsicht präsentieren bei einem Gespräch mit dieser Zeitung den Prototyp der Tafeln für den Waldklimapfad, nämlich das Schild für die erste von acht Stationen des rund zwei Kilometer umfassenden Rundweges. Die erste Tafel wird sich direkt hinter der Kindertagesstätte Märchenwald an der Hasslocher Straße befinden.

Die Tafeln bestehen aus informativen Texten neben Mitmachelementen wie Dreh- und Klappscheiben. Außerdem werden sie reich bebildert sein- Viele Aufnahmen von Flora und Fauna sollen den Eindruck eines lebendigen Waldes vermitteln. Und auf jeder Tafel taucht ein Maskottchen auf: Ein süßes, noch namenloses blaues Würmchen mit einer erleuchteten Glühbirne am Köpfchen. Die erste Tafel trägt den Titel "Der Wald, das Klima und Du". Dort werden die Spaziergänger mit einer Karte über den Rundweg geleitet und in das Thema Wald eingeführt.

Leichter Zugang für alle

Die Idee für den Waldklimapfad sei zum einen aus dem Stadtleitbildprozess 2.0 entstanden, informiert Jechimer. Die Anregung war, den Wald als Erlebnispfad der Bevölkerung zugänglich zu machen, zu informieren und ein besseres Verständnis über die Natur und den Wald zu generieren. Zum anderen schrieben zwei Studenten bei der Verwaltung eine Bachelor-Arbeit über Umweltbildung und einen Klimaerlebnispfad. Von beiden Arbeiten seien nun Elemente in den Waldklimapfad eingeflossen.

Bisher hätten die Spaziergänger im Wald an Tafeln, die noch aus den 90er Jahren stammen, wissenswertes über Flora und Fauna erfahren, so Bartsch. Die Tafeln seien zwar inhaltlich und fachlich sehr gut gewesen, hätten aber nicht einer modernen Präsentationsform entsprochen. Zudem seien die Tafeln marode, teilweise auch beschmiert worden.

Mit den neuen Tafeln an den acht Stationen will die Stadt alle Altersgruppen ansprechen und auch Fachgruppen, Schulen und Kindergärten die Möglichkeit geben, sich über den Wald zu informieren. "Ziel ist es, Menschen an das Thema Wald heranzuführen", sagt Bartsch. Manch einer sei tatsächlich nicht über die Funktion des Waldes informiert, wüsste nichts über den Wald als Sauerstofflieferanten, habe keine Kenntnis über Biodiversität. Wegen des Klimawandels sei der Wald derzeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige Menschen könnten sich nicht vorstellen, dass Blätter Sauerstoff produzieren. Die Stadt wolle Verständnis für die Abläufe herstellen, so Jechimer.

Lebensraum für zahlreiche Tiere

Sie weist auf die Besonderheiten hin, die der Raunheimer Wald zu bieten habe, weshalb sich ein Abstecher in den Forst lohne. Dort lebe der Hirschkäfer, am Wasser würden mitunter seltene Libellen herumschwirren, es gebe in der Eiszeit entstandene Dünnen zu bestaunen. All dies und vieles mehr wird an den Tafeln beschrieben.

Der Pfad zieht sich von der Kita Märchenwald über die Wildgehege und die Stockstraße bis zum Waldspielplatz. Die Tafeln für das 35 000-Euro-Projekt (inklusive Planung und Material) sollen zeitnah aufgestellt werden, so Jechimer. Die Produktion sei abhängig von der Verfügbarkeit der Materialien. Jenachdem, wie es die Corona-Situation zulasse, sei eine offizielle Eröffnung angedacht, so Bartsch. Rüdiger Koslowski

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