Petra Boulannouar ist sauer auf die Täter, die der Anne-Frank-Schule einen großen Schaden zugefügt haben.
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Petra Boulannouar ist sauer auf die Täter, die der Anne-Frank-Schule einen großen Schaden zugefügt haben.

Ermittlungen laufen

Täter randalieren in Anne-Frank-Schule: Nun sollen Konsequenzen folgen

Die Schulleiterin Petra Boulannouar fordert nach den Zerstörungen eine umfangreiche Überwachung. Die Polizei kündigt verstärkte Kontrollen an.

Raunheim – Noch immer sind nicht alle Spuren des Einbruchs beseitigt. Im Archiv liegen Akten und Aktenordner zwischen zwei Regalwänden auf dem Boden. Andere Aktenordner stehen dagegen bereits wieder in Reihe und Glied in den Fächern.

"Uns fehlt schlichtweg die Zeit", sagt Schulleiterin Petra Boulannouar entschuldigend. Der Beginn der Sommerferien steht bevor. Lehrer und Schüler an der Anne-Frank-Schule befinden sich auf der Zielgeraden. Es nimmt Zeit in Anspruch, wüst durcheinander geschmissene Ordner wieder in die Regale ein zu sortieren. Die fehlende Zeit ist auch der Grund, weshalb sich das Kollegium nicht intensiv mit dem Vandalismus auseinandersetzt, der vor einer Woche zu einem Schaden von mehr als 30.000 Euro geführt hatte.

Anne-Frank-Schule in Raunheim (Groß-Gerau): Lehrer reagieren gefasst

Zur Erinnerung: Am vorvergangenen Wochenende zerstörten die Täter Waschbecken und Toilettenschüsseln im Mädchen-WC, schlugen Kopiergeräte und Monitore im Computerraum kaputt, zerschnitten Glasfaserkabel des schuleigenen Servers, rissen Ordner im Archiv aus den Regalen und schmissen im Lehrerzimmer Material von den Tischen. Doch wie fühlt man sich noch so einem Akt der willkürlichen Verwüstung? Um darüber nachzudenken habe das Kollegium noch gar keine Zeit gehabt, gesteht Boulannouar. Doch die meisten sprechen von "Glück", dass nicht noch mehr kaputt gegangen sei. Die Reaktion der Lehrer sei durchaus gefasst gewesen, auch in den Tagen nach der Tat.

Denn zumindest seien keine persönlichen Dinge zerstört worden oder abhanden gekommen. Wie vor ein paar Jahren, als Schließfächer aufgebrochen wurden und die Taschen zweier Kollegen mit persönlichen Dingen entwendet worden waren.

Allerdings seien sie dennoch deprimiert, dass von Zeit zu Zeit immer wieder ihr Arbeitsplatz angegriffen und zerstört werde. Denn schon in März gab es einen ähnlichen Vorfall, der Sachschaden belief sich damals auf 10 000 Euro.

Anne-Frank-Schule in Raunheim (Groß-Gerau): Täter müssen sich ausgekannt haben

Die Mimik der Schulleiterin spricht Bände. Petra Boulannouar ist sauer, sehr sauer. Sie atmet mehrmals tief durch und schaut zerknirscht in eine Ecke ihres Büros. Ganz zu schweigen von dem Begriff "Idioten", mit dem sie die Täter - denn einer alleine wird den Schaden kaum angerichtet haben - bezeichnet. Auch die Schüler der Integrierten Gesamtschule seien bestürzt über das Ausmaß der zügellosen Zerstörungsorgie gewesen, berichtet Boulannouar von den Gesprächen mit ihren Schützlingen. Die Schüler hätten von einer schönen Schule gesprochen, von der Sinnlosigkeit der Tat. Sie hätten festgestellt, dass die Täter einfach nur alles kurz und klein hauen wollten.

Die Ermittlungen der Polizei würden noch andauern, so Boulannouar. Die Gesetzeshüter seien sich sicher, dass es sich um Personen handeln müsste, die sich in der Schule ausgekannt hätten.

Die Schulleiterin selbst möchte nicht spekulieren, ob es Schüler, ob es ehemalige Schüler oder Menschen waren, die mit der Schule gar keine Berührungspunkte haben. Zumindest habe die Polizei festgestellt, dass die Tür präpariert gewesen war. Die Ermittler hätten geäußert, dass das Schadensbild zum einem dem Vandalismus im März ähnle und zum anderen die Handschrift von männlichen Tätern trage. Boulannouar rechnet fest damit, dass die Täter gefasst werden. Schon deshalb weil die Polizei habe Spuren sichern können. Und weil es in Raunheim ein gutes Netzwerk vom Streetworker über die Stadt und die Polizei gebe.

Anne-Frank-Schule in Raunheim (Groß-Gerau): Umfangreiche Überwachung geplant

Auch auf die Vorfälle an anderen Schulen im Kreis angesprochen, vermutet sie, dass die Täter aus bildungsfernen Schichten stammen. Gerade deshalb würden sie sich Bildungseinrichtungen vornehmen. Sie stellt aber auch fest, dass es mit dem Bildungssystem nicht zu einer echten Inklusion und zu einem Miteinander komme.

Boulannouar fordert eine umfangreiche Überwachung der Schule. Die Türen müssten gesichert werden. Eine Alarmanlage müsste direkt mit der Polizei verbunden sein. In den Innenräumen müsste eine Videoüberwachung installiert werden. Vor Jahren sei eine solche Forderung aus Kostengründen abgelehnt worden. Die Kostenfrage erübrige sich wohl bei der Schadensgröße, meint die Schulleiterin. Sie habe die Befürchtung, dass das nicht der letzte Akt von Vandalismus gewesen war. Die Polizei habe zumindest zugesagt, auf Streife häufiger die Schule anzusteuern. (Rüdiger Koslowski)

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