Maria Dambrosio fühlt sich bei ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin in der Kita Sterntaucher wohl.
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Maria Dambrosio fühlt sich bei ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin in der Kita Sterntaucher wohl.

Beruf

Modell „Duale Ausbildung": Mehr Praxis und Vergütung für angehende Erzieher

Maria Dambrosio ist eine der ersten, die eine duale Ausbildung absolvieren. Die Stadt lobt die Vorteile der bundesweiten Offensive gegen Fachkräftemangel.

Raunheim -"Sie hat sich in eine Gruppe gesetzt und schon kamen sie alle angelaufen", schildert Heike Trautwein die ersten Minuten von Maria Dambrosio in der Kindertagesstätte Sterntaucher. Heike Trautwein ist die Leiterin der Kita, Maria Dambrosio ihre Auszubildende.

Mitte August startete die 24-Jährige mit ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Sie ist eine von sechs Auszubildenden, die bei der Stadt "dual" ausgebildet wird. Dabei handelt es sich um eine duale, praxisorientierte und vergütete Ausbildung, informiert Heidi Steffl, die Fachdienstleiterin für Erziehung, Betreuung, Jugend und Bildung.

Die bisherige Ausbildung habe zu lange gedauert und sei wenig attraktiv gewesen, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Denn zunächst stand eine zweijährige schulische Ausbildung zum Sozialassistenten an. Dem schloss sich eine zweijährige schulische Ausbildung zur Erzieherin an. Erst ab dem dritten Ausbildungsjahr, dem Anerkennungsjahr, erhielten die Auszubildenden eine Vergütung. Dies habe viele junge Menschen abgeschreckt. Die neue Ausbildungsform sei Teil der bundesweiten Offensive gegen Fachkräftemangel. Denn Erzieher seien auf dem Arbeitsmarkt rar.

Mit der dualen Form erhalten die Azubis bereits ab dem ersten Jahr eine Vergütung. Im ersten Jahr gibt es 1140 Euro, im zweiten Jahr 1200 Euro und im dritten Jahr 1300 Euro. Diese Beträge könnten im Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen durchaus mithalten, so Steffl.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die neue Ausbildungsform sei ein wichtiger Schritt, denn es werde praxisnah in den Beruf eingeführt. Bisher musste in den ersten beiden Jahren lediglich ein sechswöchiges Praktikum absolviert werden. Im dritten Jahr folgten dann vier Tage Praxis in der Kita und ein Schultag. Nunmehr verbringen die Azubis in den ersten beiden Lehrjahren zwei Tage pro Woche in der Kita und drei Tage in der Berufsschule, im dritten Jahr drei Tage in der Kita und zwei Tage in der Schule. Die Nachfrage nach der neuen Ausbildungsform sei sehr groß, so Steffl. An der beruflichen Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim seien zwei Klassen gebildet worden.

Trautwein, seit 33 Jahren in Raunheim im Dienst, erlebte selbst die noch ältere Form mit einer zweijährigen Schulausbildung und einem Anerkennungsjahr. Sie beurteilt die neue Form als sehr gut. Es sei durchaus ein Vorteil für die Auszubildenden, wenn sie schon früh den Ablauf in einer Kita kennenlernen, ein weiterer Bonus sei die Vergütung.

Maria Dambrosio erfuhr zufällig von der neuen Ausbildungsmöglichkeit. Sie bewarb sich bei der Stadt als Zusatzkraft für Kindertagesstätten. Heidi Steffl informierte die junge Bewerberin über die neue Ausbildungsform. Die Italienerin kam 2016 nach Deutschland, hatte in ihrer Heimat Wirtschaft und Fremdsprachen studiert. Ihr Vater, früher selbst in Deutschland berufstätig, hatte seiner Tochter geraten, sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Bisher hielt sich Dambrosio mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Schon als Mädchen habe sie gerne auf Kinder aufgepasst. Mit ihnen könne man kreativ arbeiten. "Man muss Kinder begeistern und neugierig machen", weiß Dambrosio.

Ihre ersten Eindrücke als Auszubildende stellen die 24-Jährige sehr zufrieden. Erst habe sie das Vertrauen der Kindern gewinnen müssen. Jetzt falle ihr der Umgang mit ihnen leicht. "Wenn man mit dem Herzen arbeitet, ist viel zu erreichen", sagt Dambrosio. "Das ist mein Beruf", habe sie bereits festgestellt. Manche Tage seien allerdings anstrengend, räumt die Auszubildende ein. Als Erzieherin müsse man belastbar sein.

Während sie in der Kindertagesstätte nun schon im ersten Ausbildungsjahr mit Kindern und ihren Eltern in Kontakt kommt, hat sie an der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim Fächer wie Gesundheit und Sozialwesen, was sie sehr interessiere. Dass die Kita Sterntaucher derzeit in den Containern untergebracht ist, störe sie nicht. Im Gegenteil: "Das ist am Wald", stellt sie lachend fest und überlegt, wie sie ihre Schützlinge für die Natur begeistern kann. Rüdiger Koslowski

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