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Klaus Saul vom Heimatverein will mit Hilfe von Zeitdokumenten die Rolle des Nationalsozialismus in Raunheim beleuchten. Fotos: Rüdiger koslowski

Geschichte

Ausstellung will den Nationalsozialismus in Raunheim beleuchten

Klaus Saul vom Heimatverein fehlen für die Schau noch Exponate.

Raunheim -Es leben nur noch wenige Zeitzeugen, die sich an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland erinnern. 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht, und damit endete nicht nur der verheerende Zweite Weltkrieg sondern auch die nationalsozialistische Herrschaft. Für manch einen mag das Gedenken an die Opfer überflüssig sein; für AfD-Politiker Alexander Gauland waren Hitler und die Nazis nur "ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte". Doch angesichts der autoritären, rechtspopulistischen Bewegungen auch in Europa scheint es durchaus nötig zu sein, die Augen zu öffnen und auf diese dunkle Zeit in Deutschland zurückzublicken.

Klaus Saul, der Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, will nicht das große Ganze beleuchten - die Ereignisse in Deutschland und Europa wären zu umfassend. Im Fokus steht das Geschehen in Raunheim. "Ich bin der Meinung, dass der Nationalsozialismus im Heimatmuseum zu wenig dargestellt ist, wenn man sich die Bedeutung aus der jüngeren deutschen Geschichte vor Augen führt", sagt er.

Und weist bei dieser Gelegenheit noch auf ein Missgeschick im Heimatmuseum hin. Auf dem Zeitstrahl der historischen Epochen im Erdgeschoss beginnt die nationalsozialistische Herrschaft erst 1938 und nicht 1933. Saul hat keine Erklärung für die Ursache des Fehlers.

Auf Zeitzeugnisse gestoßen

Die Idee für eine Ausstellung über die Zeit des Nationalsozialismus ist eher einem Zufall zu verdanken. Saul war bei der Recherche im Archiv des Museums nach Exponaten für andere Ausstellungen auf Zeitzeugnisse aus dem Dritten Reich gestoßen. "Man findet und sichtet", sagt er. Warum also nicht eine Ausstellung entwickeln, fragte er sich.

Der Heimatvereinsvorsitzende legt einige Schwarzweiß-Fotografien und Dokumente auf den ehemaligen Magistratstisch aus dem Rathaus, der im Heimatmuseum steht und auf dem die Konterfeis der Bürgermeister abgebildet sind. Da ist ein Foto von der mit Hakenkreuzfahnen behängten Adolf-Hitler-Straße (heute die Bahnhofstraße), ein anderes zeigt einen Aufmarsch von Nazis vor dem alten Rathaus in der Frankfurter Straße, eine Postkarte grüßt mit dem Führer. Aber auch Aufzeichnungen des Pfarrers Stutz, Todesanzeigen gefallener und Anzeigen vermisster Soldaten lassen die Epoche erahnen.

Eben dies möchte Saul mit solchen Dokumenten erreichen. Er möchte, dass die Ausstellungsbesucher in die Atmosphäre, den Geist der Zeit eintauchen. Er möchte ein Verständnis dafür schaffen, welche Rolle der Nationalsozialismus damals in Raunheim gespielt hat.

Die Ausstellung soll auch die damals in Raunheim lebenden jüdischen Familien thematisieren. Sie waren nicht direkt aus Raunheim deportiert worden. Doch ein jüdischer Bürger beging aus Verzweiflung Selbstmord, ein Ehepaar siedelte nach Frankfurt über und kam später wahrscheinlich in einem Konzentrationslager zu Tode, eine Jüdin flüchtete nach England und überlebte den Krieg.

Keine Sammlung von Devotionalien

Saul sucht nun nach Dokumenten und Exponaten wie Fahnen, Helme und Orden. Es müsse allerdings geprüft werden, wie diese Sachen in eine Ausstellung integriert werden können. "Wir wollen keine wüste Sammlung von NS-Devotionalien ausstellen", unterstreicht er. Das Thema der Ausstellung dürfe nicht missverstanden werden. Mit der Ausstellung solle nicht die Zeit des Nationalsozialismus verklärt werden, auch Verherrlichung sei nicht das Ziel, unterstreicht Klaus Saul. Vielmehr verfolge er einen wissenschaftlichen dokumentarischen Ansatz. Es gehe ihm um die Schilderung der Ereignisse, um die Emotionen.

Zunächst ist eine Sonderausstellung, dann eine Dauerausstellung geplant. Aber erst für das Jahr 2022. Denn die aktuelle Sonderausstellung "Kunst aus Raunheimer Ateliers: Werke von Heinrich Michel, Christa Wilhelm und Rolf Amadeus Heuer" wird wegen der derzeitigen Schließung des Heimatmuseums noch bis zum Sommer des kommenden Jahres verlängert. Für die zweite Jahreshälfte ist die Fotoausstellung "Raunheim meine Stadt" vorgesehen. Zudem bedürfe es für die Planung und Konzeption durchaus ein wenig Zeit, so Saul. Es müsse weiteres Material gesichtet und Exponate gesammelt werden.

Rüdiger Koslowski

Menschen, die Zeitdokumente besitzen, können sich per E-Mail an kontakt@ heimatverein-raunheim.de wenden. Die Dokumente werden gescannt und wieder zurückgegeben. Der Heimatverein benötigt eine Freigabe für die Ausstellung.

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