In Raunheim will Geely seine Marke Lotus weiterentwickeln. FOTO: Rüdiger Koslowski
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In Raunheim will Geely seine Marke Lotus weiterentwickeln.

Automobilbau

Bald wird hier der Lotus entwickelt

Der chinesische Autokonzern Geely will die Rennwagenmarke auf E-Antrieb umstellen

Noch sind die Großbuchstaben GEELY über der Eingangstür zum Foyer der beiden auffällig ovalen Gebäude an der Schrägseilbrücke befestigt. Aber sie sollen bald demontiert werden. Nicht etwa, weil der chinesische Autokonzern aus seinem gerade erst fertiggestellten Gebäude ausziehen möchte. Vielmehr wird aus dem Gebäude, das Geely Auto Technical Deutschland ursprünglich für die Entwicklung der gesamten Produktflotte gebaut hatte, ein Forschungszentrum speziell für Lotus. In Raunheim soll das Lotus Technical Innovation Center seinen Standort haben, kündigt Frank Klaas, der Leiter der Firmenkommunikation von Geely Europa an.

Wer in der Welt der Automobile nicht zu Hause ist: 2017 übernahm Geely 51 Prozent des englischen Automobilherstellers Lotus Cars. Lotus ist also inzwischen eine neben elf weiteren Marken von Geely. Klaas betont, dass Geely nicht etwa Raunheim verlasse, sondern hier jetzt mit einer Kernkompetenz vertreten sei. Von Raunheim aus bestehe nunmehr die Chance, Lotus für den globalen Markt zu entwickeln.

Sportwagen mit Elektro-Antrieb

Hier sollen zukunftsfähige Autos der Marke Lotus entwickelt werden, weil die Kompetenz und die Möglichkeiten dafür vorhanden seien. Klaas nennt in diesem Zusammenhang die Autoteststrecken in Dudenhofen und auf dem Nürburgring. Es müssen also nur noch die neuen Buchstaben über dem Eingang angebracht werden. "Wir sind alle sehr stolz darauf, das ist der Ritterschlag", freut sich Klaas.

Pia Kramer vom Personalmanagement findet andere Worte: "Wir wollen die Konkurrenz von Porsche werden." Am Standort Raunheim werde Automobiltechnik in der oberen Klasse entwickelt. Während in der Ausstellungshalle ein schicker blauer Lotus-Sportwagen Blickfang ist, der noch mit einem Verbrennungsmotor über den Asphalt flitzt, soll im Entwicklungszentrum der Schwerpunkt auf Elektroautomobile gelegt werden. Und natürlich auf Sportwagen. Auch ein Geländewagen mit Elektromotor soll hier entwickelt werden.

An das Forschungszentrum sind aktuell 160 Arbeitsplätze geknüpft. Kramer informiert zudem über 40 weitere Arbeitsplätze, die noch zu besetzen seien. "In der Entwicklungszentrale für Lotus stehen Jobs für Spezialisten zur Verfügung", wirbt sie. Am Dienstag (31.) ist übrigens die interne Einweihung des neuen Entwicklungszentrums in den beiden ovalen fünfstöckigen Türme, die aus der Vogelperspektive beinahe einem Schmetterling gleichen.

Entwickelt wird am Computer

Vor drei Wochen seien die Mitarbeiter in das Gebäude eingezogen, so Klaas. Aktuell seien wegen der Corona-Pandemie allerdings 50 Prozent der Belegschaft im Homeoffice. Im Grunde handle es sich um ein funktionelles Bürogebäude. Wer hier ein Labor und einen Prüfstand sucht, befindet sich auf dem Holzweg. Die Technik wird am Computer entwickelt.

Mitarbeiter Martin Walter beschäftigt sich beispielsweise mit der Fahrzeugsicherheit. Er muss mit Kollegen aus China sicherstellen, dass chinesische Sicherheitsbestimmungen europäische Anforderungen abdecken.

In den beiden ovalen Gebäuden sei ein offenes Bürokonzept etabliert, erklärt Stefan Kammerer, Projektleiter für den Neubau. Eine Interaktion der Mitarbeiter, eine gegenseitige Befruchtung sei so leichter möglich. Jeder Mitarbeiter arbeite an seinem eigenen Schreibtisch. Ein Schreibtisch-Sharing, wie es inzwischen einige Firmen bevorzugen, gibt es hier also nicht.

Die Kollegen hätten gleichwohl die Möglichkeit, sich gemeinsam an einem Arbeitsplatz auszutauschen. Dass die Schreibtische höhenverstellbar sind, findet Walter praktisch. Die Kollegen hätten aber auch die Möglichkeit, sich in Meeting-Räume zurückzuziehen, so Kammerer. Sanitärräume und Küchen sind in jeder Etage vorhanden. So müsse niemand durch das Haus eilen.

Klaas spricht unterdessen auch die energetische Komponente des Bürokomplex an. Das Haus werde mit Ökostrom gespeist. Die hochwertigen Fenster würden die Räume gut isolieren. Klaas, Kramer und Kammerer machen zudem auf eine außergewöhnliche Zugabe aufmerksam, in deren Genuss zumindest die Mitarbeiter kommen, die im östlichen Gebäudeteil beschäftigt sind: Der wunderbare Blick auf die Schrägseilbrücke. Rüdiger Koslowski

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