Die Öffentlichkeit erfährt nur wenig über das geplante Rechenzentrum. FOTO: Koslowski
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Die Öffentlichkeit erfährt nur wenig über das geplante Rechenzentrum.

Gewerbe

Bau des Rechenzentrums wirft Fragen auf

Für einige Arbeiten fehlt die Genehmigung - Kritik gibt es auch an der Kommunikation

Auf dem Gewerbegebiet Airport Garden wird derzeit ein Rechenzentrum gebaut. Informationen darüber liegen kaum vor. Die Bevölkerung wundert sich jedoch über eine dicht abgeschottete Baustelle und das Fehlen eines üblichen Bauschildes. Diese Irritation brachte nun Jörg Schumann vom Bündnis90/Die Grünen bei der Stadtverordnetenversammlung vor.

Jan Laubscheer, der Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen, Liegenschaften, hatte kurze und knappe Antworten parat. Ein Bauschild sei keine Pflicht. Der Bauzaun entspreche den Sicherheitsstandards der amerikanisch-irischen Firma. Das Rechenzentrum entsteht auf dem westlichen Bereich des Gewerbegebiets an der Alexander-von-Humboldt-Straße. Das Unternehmen hat dort 15 000 Quadratmeter erworben.

Nachfrage ist gestiegen

Diese Zeitung hatte sich bereits vor der Stadtverordnetenversammlung bei dem Unternehmen über den Bau des Rechenzentrums informieren wollen. Ein Gesprächstermin mit dem Unternehmen war kurzfristig abgesagt worden. Antworten auf die gestellten Fragen gab es lediglich spärlich. Jochen Geschke, Projektmanager bei Vantage Data Centers, einem weltweit führenden Anbieter für die Entwicklung von Hyperscale-Rechenzentren, konnte nur folgende Antwort aus dem Marketing-Bereich übermitteln: "Momentan können wir noch keine offizielle Meldung zu der Baustelle in Raunheim herausgeben, aber ich werde diese Information im weiteren Verlauf dieses Jahres mit Ihnen teilen". Dazu wurde kommuniziert, dass Unternehmen als Reaktion auf Covid-19 ihre Digitalisierung beschleunigt hätten und vermehrt Online-Technologien nutzen würden, was den Bedarf an Rechenzentren erhöhe. Das Unternehmen entwickle sein Portfolio an Rechenzentren in Europa weiter, um diesen Bedarf zu decken. Hierzu seien zwei neue europäische Rechenzentren in Berlin und Warschau angekündigt worden.

Die zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens war indessen nicht das einzige, was Schumann auf dem Herzen lag. Er stellte fest, dass für die Rammarbeiten für die notwendigen Spundwände eine Genehmigungspflicht notwendig sei. Außerdem sei keine Beweissicherung vor Bauarbeiten zur Klärung von möglichen Schäden durchgeführt worden. Schumann wohnt in der Nähe der Baustelle. Seine Gläser im Schrank hätten gewackelt. Zudem sagte er, dass für das Rechenzentrum nur eine vorläufige Baugenehmigung vorliege.

Arbeiten auf eigenes Risiko

Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) meinte in Bezug auf die Arbeiten für die Spundwände, dass sich die Wohnbebauung von der Baustelle abgrenze. Laubscheer informierte, dass für die Rammarbeiten eine Baugenehmigung vorliege. Er hätte sich allerdings gewünscht, dass die Arbeiten für die Spundwände besser kommuniziert worden wären. Es seien auch Beweissicherungen durchgeführt worden, darüber lägen Gutachten vor. Sollten wegen der Arbeiten Schäden entstanden seien, müssten sie dokumentiert werden. Die Baufirma sei dann haftbar zu machen.

Laubscheer wusste aber auch, dass dem Unternehmen für den Hochbau noch keine Baugenehmigung vorliege. In diesem Fall würden Investoren auf eigenes Risiko arbeiten. Bei einer Nichtgenehmigung müssten sie dann zurückbauen. Rüdiger Koslowski

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