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Geschäftsführer Jochen Tüting

Autobauer

Chery zieht in Raunheim ein

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Seit Jahren bemüht sich Raunheim um Investitionen aus China. Nun hat der Hersteller Chery angekündigt, in Raunheim Elektroautos entwickeln zu wollen, die in Deutschland verkauft werden sollen.

Der erste konkrete Schritt ist getan: Die chinesische Automobilmarke Chery bereitet ihren Marktstart in Europa und speziell auch in Deutschland vor. Gegründet wurde die Chery Europe GmbH in München, doch das europäische Herz der Marke wird in Raunheim im Rhein-Main-Gebiet schlagen. Hier auf einem alten Fabrikgelände soll Geschäftsführer Jo-chen Tüting (44) als neues Headquarter ein Entwicklungs- und Designzentrum aufbauen, das im Januar seine Arbeit aufnehmen wird.

Die Akquisition von bis zu 50 Mitarbeitern habe bereits begonnen, erklärt Tüting, der selbst an der Technischen Universität in Darmstadt studiert hat, dann 13 Jahre für Ford in Köln arbeitete, ehe er 2013 dem Lockruf von Chery nach China folgte und dort in Shanghai bereits ein Entwicklungszentrum aufbaute. In dem neuen R&D-Center in unmittelbarer Nachbarschaft zum Frankfurter Flughafen sollen auch das Marketing und der Vertrieb angesiedelt sein.

Chery lässt damit den vollmundigen Ankündigungen seines Firmenchefs Chen Anning aus dem Vorjahr, als der chinesische Autobauer erstmals auf der IAA in Frankfurt antrat, Taten folgen. „Die Vorbereitungen für einen Europastart laufen bereits“, hatte der CEO aus der 3,6-Millionen-Stadt Wuhu damals erklärt. Doch derartige Ankündigungen werden hierzulande mit einer gewissen Skepsis registriert, denn mit Landwind, Brilliance und Qoros haben sich in der Vergangenheit bereits drei Hersteller aus dem Reich der Mitte an Europa und dem anspruchsvollen deutschen Markt die Zähne ausgebissen und sind schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Landwind wegen katastrophaler Crash-Ergebnisse, die gerade mal für einen Stern reichten. Brilliance, weil die angebotenen Limousinen einfach nicht wettbewerbsfähig waren. Qoros kam nicht über einen Messeauftritt in Genf hinaus.

Im Falle von Chery, das muss man zugeben, ist wohl zu Recht mehr Zuversicht mit im Spiel. Der chinesische Autobauer, der nach eigenen Angaben 1997 mit einer Motoren-Produktion in einer Garage „auf der grünen Wiese“ startete und zum Jahrhundertwechsel seine ersten Autos produzierte, ist heute einer der Big Player auf dem hart umkämpften Heimatmarkt, auf dem sich allein fast 100 hierzulande völlig unbekannte Pkw- und Nutzfahrzeug-Hersteller tummeln. Und was noch wichtiger ist: Chery ist die Nummer eins unter den exportierenden Automarken.

Etwa 30 Prozent der chinesischen Pkw-Exporte gehen auf das Konto von Chery. Zentral- und Südamerika, Asien und Russland sind bisher die wichtigsten Märkte. Auch in Nordafrika und dem Mittleren Osten sei man schon aktiv. Nun sei Europa dran.

Als erstes Modell soll „nach 2020“ das Modell Exeed in Europa eingeführt werden, ein Kompakt-SUV, das als TX 2017 auf der IAA Premiere hatte und jetzt in China auf dem Markt ist. Der Grundpreis liege bei etwa 30 000 Euro.

Einen noch konkreteren Ausblick auf das hiesige Debüt-Fahrzeug gibt allerdings das SUV-Coupé LX, das als Concept Car jüngst auf der Peking Autoshow im April stand. Vor einem Jahr hieß es noch, das erste Europa-Modell werde wohl zunächst als Plug-in-Hybrid eingeführt. Mittlerweile erklärt Chairman Tongyue Yin aber, dass man „sehr wahrscheinlich“ sogar mit einem vollelektrischen Exeed in den europäischen Markt einsteigen wolle.

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