Nachdem 26 Bewohner und zwölf Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt sind, steht die gesamt K & S-Seniorenresidenz unter Quarantäne.
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Nachdem 26 Bewohner und zwölf Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt sind, steht die gesamt K & S-Seniorenresidenz unter Quarantäne.

Gesundheit

Corona-Fälle häufen sich in der Seniorenresidenz

Zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter sind an Covid-19 erkrankt. Die Leitung hat daraufhin im gesamten Haus Quarantäne verhängt.

Raunheim -Nach fast einem Jahr strenger Corona-Regeln, dem großem Einsatz der Pflegekräfte und der Residenzleitung hat es die K & S-Seniorenresidenz in Raunheim nun doch erwischt. Eine sehr bestürzte Leiterin Jana Tesmann berichtet am Donnerstag auf Nachfrage dieser Zeitung von inzwischen 26 Bewohnern und zwölf Mitarbeitern, die positiv getestet wurden. Vier Bewohner seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, eine Bewohnerin sei am Donnerstag gestorben. Drei Mitarbeiter seien ebenfalls erkrankt, zeigten schwere Symptome, informiert Tesmann.

Die Chronologie: Die ersten Verdachtsfälle tauchten am 19. Januar auf. Einige Bewohner zeigten Symptome wie trockenen Husten und Atemnot. Der Antigenschnelltest fiel bei vier Bewohnern positiv aus. Der PCR-Test bestätigte das Ergebnis.

Am 21. Januar stand die zweite Impfrunde in der Seniorenresidenz an. Am 20. Januar wurden deshalb alle Mitarbeiter und Bewohner getestet. Drei Mitarbeiter und vier Bewohner waren positiv. Die Bewohner wurden in einem Sicherheitsbereich isoliert. Die übrigen Bewohner und Mitarbeiter wurden immunisiert. 166 Impfungen verabreichte das Impfteam, berichtet Tesmann. Es sei üblich, dass trotz positiven Testungen im Haus geimpft werde, denn die Leute bräuchten die zweite Impfung, um vollständig geschützt zu sein.

Am 22. Januar wurde wieder getestet. Die Zahl der positiv Getesteten stieg weiter. Die Residenzleitung verhängte daraufhin im gesamten Haus eine Quarantäne. Ein Wohnbereich wurde zudem in eine Quarantänestation verwandelt. Dorthin wurden die positiven Fälle verlegt.

Am 26. Januar wurde wieder getestet. Erneut stieg die Zahl der positiv Getesteten, diesesmal auf 26 Bewohner und zwölf Mitarbeiter. Drei Testergebnisse stehen bis Donnerstagnachmittag noch aus. Abgesehen von den bereits erkrankten Bewohnern und Mitarbeitern seien die positiven Fälle jedoch symptomfrei. Am heutigen Freitag steht ein weiterer Testlauf an.

Immunität nach zweiter Impfung

Über mögliche Ansteckungswege wolle sie sich nicht äußern, sagt Jana Tesmann. Ob Mitarbeiter oder Bewohner das Virus in das Haus gebracht hätten, wolle sie nicht beurteilen. Die Leiterin räumt dennoch ein, dass Bewohner von ihren Angehörigen abgeholt werden dürfen. Diese Praxis könne sie nicht beeinflussen, ein Verbot sei eine freitheitsberaubende Maßnahme.

Hinzu komme, dass die Immunität gegen eine Covid-19-Erkrankung erst nach der zweiten Impfung eintrete und auch dann erst nach sieben bis zehn Tagen erreicht sei, so Tesmann. "Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen hat es sich im ganzen Haus ausgebreitet", ist die Leiterin erschüttert.

Die Situation sei für das gesamte Haus sehr belastend. Die Mitarbeiter seien durchaus stolz gewesen, dass die Residenz über die vielen Monate Corona-frei geblieben war. Die positive Stimmung nach der ersten Impfung Ende Dezember sei nun der Niedergeschlagenheit gewichen. Jetzt fragten sich die Mitarbeiter, was sie falsch gemacht hätten. Doch niemand habe einen Fehler gemacht, sagt Tesmann. Sie versuche, die Schuldgefühle ihrer Mitarbeiter zu beschwichtigen.

Personell gebe es noch keine Engpässe. Ausfälle könnten wegen eines Personalüberhangs aufgefangen werden. Die Stadt wolle die Residenz unterstützen, falls es doch zu Engpässen kommen sollte, verspricht Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Die Verwaltung könne dann einen Aufruf nach Pflegekräften starten. "Das stimmt mich unendlich traurig", zeigt sich Jühe bewegt vom Infektionsgeschehen in der Residenz. Es sei bei den erkrankten Menschen, die aus einer Pflegeeinrichtung in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Während Jana Tesmann sich bei der Beurteilung der Infektionswege zurückhält, wird der Rathauschef deutlicher. Es sei unverständlich, dass Angehörige, die nach der ersten Impfung von einer Immunität ausgehen, die Senioren in die Familien holen. Rüdiger Koslowski

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