Die Muslime müssen zu den Gebetszeiten in der Moschee die Abstandsregel beachten.
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Die Muslime müssen zu den Gebetszeiten in der Moschee die Abstandsregel beachten.

Religion

Der Verzicht auf das Fastenbrechen schmerzt die Muslime

Im Ramadan zu Corona-Zeiten herrschen beim marokkanischen Freundschaftskreis in Raunheim besondere Regeln

22 Muslime sind zum Gebet in die Assadaka Moschee gekommen. Diese Zahl wird am Lesegerät im Foyer vor dem Gebetsraum der Männer angezeigt. Die Muslime des marokkanischen Freundschaftskreises müssen sich per App für die Gebetszeiten anmelden und erhalten einen QR-Code, der dann in der Moschee registriert wird.

Die Moschee ist also ziemlich leer. Das liegt zum einen an der Abstandsregel, die bei den Gebeten eingehalten werden muss. Zwei Meter nach vorne, zwei nach hinten, zwei nach rechts und zwei nach links, beschreibt Fouad Atmani, der Vorsitzende des marokkanischen Freundschaftskreises, die geltende Regel in der Moschee. Den Muslimen sei bekannt, dass der Platz in der Moschee begrenzt ist, weshalb es auch nicht so viele Anmeldungen gebe.

Ausgangssperre sorgt für Diskussion

Deshalb musste bisher auch noch niemand wegen Überschreitung der Kapazität abgewiesen werden. Für das gewöhnlich stark besuchte Mittagsgebet am Freitag seien indessen zwei Termine eingerichtet worden. Die Muslime feiern derzeit den Fastenmonat Ramadan. Der marokkanische Freundschaftskreis hatte im Vorfeld mit Tobias Loy, dem Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste und übergreifende Aufgabensteuerung, Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Anmeldekonzept für die Gebetszeiten besprochen. Denn üblicherweise ist die Moschee zu den Gebetszeiten während des Ramadan sehr gut besucht.

Bei den Gesprächen war auch die Ausgangssperre Thema, zur Disposition stand, Muslimen für das Abendgebet längere Ausganszeiten einzuräumen. Inzwischen hatte das Verwaltungsgericht Darmstadt die Ausgangssperre für den Kreis Groß-Gerau gekippt, die in Folge der Notbremse des Bundesinfektionsschutzgesetzes nun wieder greift.

Es hatte einige Kritik und auch Unverständnis in den sozialen Medien über die vom Kreis verfügte Verschiebung des Beginns der Ausgangssperre in die Nachtstunden gegeben. Atmani kann die Kritik nicht nachvollziehen. Die Muslime, die zum Gebet in die Moschee gekommen seien, hätten sogar eine Bescheinigung mit sich tragen müssen. Die Christen hätten ebenfalls Gottesdienste an Ostern gefeiert. Die Osternachtsfeier ging übrigens auch über den Beginn der Ausgangssperre hinaus. Er vermisse die Solidargedanken, meint Atmani. Er erinnert daran, dass der Freundschaftskreis die Moschee im November, als die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt waren, von sich aus frühzeitig geschlossen habe.

Auch für bedürftige Menschen

Der Freundschaftskreis muss nun während des Ramadans auf das gemeinsame Fastenbrechen in der Moschee verzichten. Das Fastenbrechen sei ein Dienst an die Gesellschaft, denn in den Genuss der gespendeten Speisen kommen nicht nur die Mitglieder des Vereins, sondern auch bedürftige Menschen.

"Dass wir auf das gemeinsame Fastenbrechen verzichten müssen, ist sehr traurig", bedauert Atmani. Der Monat Ramadan sei der heilige Monat, der Monat, in dem der Koran herabgesandt worden sei. Gebete und gute Taten würden während der Fastenzeit um ein Vielfaches belohnt. Deshalb würden die Familien auch gerne im größeren Kreis gemeinsam Fasten und spenden. Das Fastenbrechen sei derzeit aber nur im engsten Familienkreis möglich. "Die meisten halten sich an die Empfehlungen", weiß Atmani. "Corona gibt es ja", stellt er fest. Es sei ihm natürlich nicht möglich, in die Haushalte zu blicken, aber er wisse, was die Mitglieder in der Moschee erzählen. Die Menschen müssten sich in Geduld üben, denn es gelte, die Bevölkerung zu schützen.

Der Freundschaftskreis lebt von den Spenden der Mitglieder. Auch deshalb ist der Fastenmonat Ramadan so wichtig, denn während dieser Zeit spenden die Muslime besonders gerne. Weil auch häufig Bargeld zu den Gebetszeiten und beim gemeinsamen Fastenbrechen gespendet wird, seien die Einschränkungen doppelt tragisch.

Vorsitzender Atmani wiegelt aber ab. Der Druck zu spenden, sei in diesem Jahr nicht mehr ganz so groß wie im vergangenen Jahr, weil die neue Moschee weitgehend fertiggestellt sei. Es müssten nur noch Kleinigkeiten wie ein neues Tor am Eingang des Grundstücks montiert werden. Rüdiger Koslowski

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