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An der Ecke Aschaffenburger Straße und Stockstraße soll die Haselmaus vergrämt werden, weil ein neuer Funkmast gestellt wird. Foto: Rüdiger Koslowski

Bauen

Die Haselmaus muss einem Funkmast weichen

Eine neue Funk-Anlage wird in Raunheim errichtet. Das Problem: Auf dem Grundstück wohnt die Haselmaus. Das Nagetier soll nun vergrämt werden.

Raunheim -Den Spaziergängern, den Fahrradfahrern, ja selbst Autofahrern wird an der Ecke Aschaffenburger Straße und Stockstraße die graue Plane ins Auge stechen, die eine rund 600 Quadratmeter große Fläche am Waldrand abdeckt und mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrt ist.

"Es handelt sich bei dieser Baufeldfreimachung und Abdeckung um eine artenschutzrechtliche Vermeidungs- und Vergrämungsmaßnahme auf Anordnung der Oberen Naturschutzbehörde. Bitte nicht verändern", ist auf einem Hinweisschild zu lesen. Zuständige Behörde sei das Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt.

Baufeldfreimachung? Artenschutzrechtliche Vermeidungs- und Vergrämungsmaßnahmen? Die Pressestelle des Regierungspräsidiums beantwortet die Fragen. An dieser Stelle werde ein Funkmast errichtet, erklärt Pressesprecher Christoph Süß. Dafür müsse der Bannwald-Status aufgehoben werden, wofür die Obere Naturschutzbehörde einen Fachbeitrag über den Artenschutz erstellt habe. "Dabei wurde festgestellt, dass ein im unmittelbaren Eingriffsbereich befindlicher Baum von der Haselmaus bewohnt ist", informiert Süß. Das Nagetier sollte also, bevor es sich in sein Winterquartier zurückzieht, aus dem Baufeld vergrämt werden.

Die Haselmaus sei eine streng geschützte Art, ergänzt Pressesprecherin Nina Lipp. Die Vergrämung sei ein gesetzliches Erfordernis. Damit werde verhindert, dass die Haselmaus bei der Rodung eines Baumes oder der Entfernung des Stumpfes und des Wurzelwerkes getötet werde.

Die Haselmaus gehöre zur Familie der Bilche und habe mit Mäusen nichts zu tun, so Lipp weiter. Sie verbringe ihren Winterschlaf von September/Oktober bis März/April bei Temperaturen unter drei bis fünf Grad Celsius in einem frostsicheren Nest am Boden, in Erdhöhlen oder Baumstümpfen.

Vergrämen bedeutet laut Duden soviel wie "durch eine Handlung, ein Verhalten missmutig machen, jemandes Unmut erregen". Und in der Jägersprache steht das Verb für "wiederholt stören und dadurch verscheuchen". Das Wild, die Vögel vergrämen, nennt der Duden als Beispiel.

Noch in diesem Jahr

Das RP habe sicherstellen wollen, dass die Haselmaus den Eingriffsbereich nicht für ihren Winterschlaf nutzt und deshalb das gesamt Baufeld mit einer Folie abgedeckt, schildert Süß. Es fällt auf, dass die Folie ein Stück weit an den Stämmen hochgezogen wurde. Damit werde verhindert, dass die Haselmaus sich nicht an den Stammfüßen eingrabe.

"Die Haselmaus wird auf der Suche nach einem geeigneten Winterschlafquartier den mit Folie abgedeckten Bereich verlassen und sich außerhalb dieses Areals ein geeignetes Winterschlafquartier suchen", erläutert Lipp. Die angrenzenden Flächen könnten ebenfalls gut von der Haselmaus genutzt werden, versichert Süß.

Mit der Vergrämungsmaßnahme wurde Mitte September begonnen. Wegen der Dringlichkeit werde der 50 Meter hohe Funkmast noch in diesem Jahr aufgestellt. Wann genau, stehe noch nicht fest, so Lipp. Insgesamt würden sechs Bäume gefällt.

Die Digitalfunkanlage werde vom Land Hessen geplant und diene ausschließlich den Behörden sowie der Organisation von Sicherheitsaufgaben von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, berichtet Nina Lipp. Gefahren für die öffentliche Sicherheit, für Leben, Gesundheit und Sachwerte könnten damit erheblich schneller bekämpft werden.

Die Anlage sei für die Verbesserung der Funkversorgung im Gebiet Raunheim, Flörsheim, Wicker, Weilbach, Eddersheim und Diedenbergen sowie auf der Autobahn 3 zwischen dem Mönchhofdreieck und dem Wiesbadener Kreuz zwingend notwendig. Der Standort sei gewählt worden, um den Einfluss des neuen Senders auf das bestehende Funknetz im Ballungsraum zu minimieren.

Rund 46 Quadratmeter würden versiegelt, so Lipp. Von dem 36 Quadratmeter großen Mastfundament würden rund 22 Quadratmeter mit Erde überschüttet und begrünt. Weitere rund 57 Quadratmeter würden für Zugangsweg, Stellplatz und Flächen innerhalb der Station zum Teil versiegelt. Weil der Lebensraum um die Funkanlage herum den Ansprüchen der Haselmaus genüge, störten diese versiegelten Flächen das Tier nicht stören, verdeutlicht Lipp. Rüdiger Koslowski

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