Saskia Ortmann und Thomas Lehmann mit dem Maskottchen, das eine Schildkröte ist, aber als Kröte bezeichnet wird. Sie berichten nach der neuerlichen Absage der Raunheimer Kerb über die Situation beim Kerweteam. Foto: rko
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Saskia Ortmann und Thomas Lehmann mit dem Maskottchen, das eine Schildkröte ist, aber als Kröte bezeichnet wird. Sie berichten nach der neuerlichen Absage der Raunheimer Kerb über die Situation beim Kerweteam.

Absage

Die Kerb fällt ein zweites Mal Corona zum Opfer

Das Team der Organisatoren ist traurig, aber auch ein wenig erleichtert

Die Raunheimer Kerb fällt wieder flach. Darüber hatte Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung informiert. Bis einschließlich September soll es keine Großveranstaltungen geben. Kreisweit, wie auf der Dienstversammlung der Bürgermeister besprochen worden sei. Die Sicherheit der Besucher, das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln sei mit dem Ausschank von Alkohol nicht zu gewährleisten.

Das Kerweteam, es bewirtet das Festzelt ehrenamtlich und stellt das Programm auf die Beine, nimmt diese Nachricht mit gemischten Gefühlen auf. Natürlich seien die rund 25 Mitglieder traurig, berichten Saskia Ortmann und Thomas Lehmann in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Immerhin fällt die Kerb jetzt schon zum zweiten Mal dem Coronavirus zum Opfer.

Bereits vergangenes Jahr sollte das Jubiläum gefeiert werden, denn das Kerweteam hätte das Festzelt seit 25 Jahren bewirtet. Dies sollte dieses Jahr nachgeholt werden. Jetzt muss das Team noch ein weiteres Jahr warten.

Aber die Frauen und Männer sind auf der anderen Seite auch einsichtig, ja sogar erleichtert. Jetzt können sie nämlich die Vorbereitungen noch rechtzeitig einstellen. Die Kerb hätte am letzten Augustwochenende gefeiert werden sollen. Die Stadt habe im März das Kerweteam gefragt, ob es in die Planung gehen wolle, schildert Ortmann. Die großen Säulen der Kerb hätten nun bereits gestanden, sagt Lehmann.

Das Zelt und die Bestuhlung seien bereits bestellt worden, die Spülmaschine und die Brezelmaschine ebenfalls, auch ein Teil der Getränke. Die Bands seien bereits akquiriert worden. Für die Stimmung unter dem Zeltdach hätten übrigens dieselben Musikgruppen gesorgt, die im vergangenen Jahr schon zugesagt und eben auch für dieses Jahr ihre Zustimmung gegeben hatten: Die Good News und Hansi gehören praktisch zum Inventar, der jüngste Auftritt der US Army Big Band liegt indessen bereits ein paar Jahre zurück.

Nur ohne Einschränkungen

"Alles wurde aber unter Vorbehalt vereinbart", betont Ortmann. Da man sich seit Jahren kenne, gebe es bei den Abmachungen keine Probleme. Es gebe allerdings auch Bestellungen wie die Getränke für die Sektbar, die nicht mehr zurückgegeben werden könnten und ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Das Team musste schon Sirup und Säfte entsorgen.

Das Kerweteam, betonen Ortmann und Lehmann, hätte nur eine Kerb ohne jegliche Einschränkung feiern wollen. Einen Zaun um den Kerbplatz zu stellen, um die Besucherzahl zu reglementieren, könnten sie sich nicht vorstellen. "Wie soll das gehen, wenn 2000 Leute vor dem Zaun stehen?", fragt Lehmann. Oder etwa im Festzelt jeden zweiten Platz auf einer Bank sperren? Wie solle der Abstand der Helfer hinter der Theke oder auch in der Sektbar eingehalten werden? Derartige Einschränkungen sind für das Kerweteam nicht nur keineswegs vorstellbar, sondern auch nicht praktikabel.

"Die Absage ist absolut nachvollziehbar, auch wenn uns das traurig stimmt", meint Ortmann. Und Lehmann spannt ob der Ankündigung für einen kreisweiten Veranstaltungsverzicht den Bogen zur warmen Jahresmitte. "Das wird ein toter Sommer", bemerkt er.

Die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt: In Königstädten werde die Kerb erst im Oktober gefeiert, dort könnten sie zumindest als Besucher teilnehmen. Und dann bleibt noch der Weihnachtsmarkt im Dezember in Raunheim. Bis dahin werde vielleicht ein Fest mit größeren Ausmaßen wieder möglich sein.

"Die Stimmung ist zäh"

Die Stimmung leidet freilich unter der Absage und der allgemeinen Situation. "Die Stimmung ist ein bisschen zäh", sagt Ortmann. Das Kerweteam sei ein riesiger Freundeskreis, der sich eben auch in der Freizeit treffe. Dies sei aber derzeit nicht möglich.

Lehmann erinnert an das Vereinsgrundstück mit Vereinsheim. Dort ruhten einige Arbeiten, die wegen der Hygieneregeln und Kontakteinschränkungen nicht erledigt werden könnten. Hinzu komme die fehlende Motivation. Nur zu zweit oder zu dritt einen Arbeitseinsatz zu leisten, begeistere nicht.

Das Kerweteam hofft, zumindest im Juli zur traditionellen Zeltwoche aufbrechen zu können. Bei Henau im Hunsrück sammelt das Kerweteam seit vielen Jahren neue Energie. In diesem Jahr dann allerdings nicht für die für die kräftezehrende Kerb. Rüdiger Koslowski

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