Die evangelische Kita Morgenstern wird wohl zum Kindergartenjahr 2022 schließen. Die Stadt versucht den Wegfall der dortigen Betreuungsplätze zu kompensieren.
+
Die evangelische Kita Morgenstern wird wohl zum Kindergartenjahr 2022 schließen. Die Stadt Raunheim (Kreis Groß-Gerau) versucht den Wegfall der dortigen Betreuungsplätze zu kompensieren.

Raunheim

Angst um Betreuungsplätze: Kita im Kreis Groß-Gerau macht im kommenden Jahr dicht

Die Evangelische Kirchengemeinde als Träger schweigt zu den Gründen - aber die Schließung der Kita in Raunheim (Groß-Gerau) hat Auswirkungen auf das städtische Betreuungsangebot.

Raunheim - Diese Zeitung hat aus sicherer Quelle vernommen, dass die Kindertagesstätte Morgenstern der evangelischen Paulusgemeinde in Raunheim im kommenden Jahr geschlossen werden soll. Die Kirche wollte auf Nachfrage indessen keinen Kommentar abgeben. Die Schließung sei noch nicht beschlossen, so Pfarrer Kai Merten.

Die Stadtverwaltung bestätigt dagegen die bevorstehende Schließung der seit 1961 bestehenden Kindertagesstätte. Die Paulusgemeinde unterhält außerdem die Kita Arche Noah. Mitte April habe die Kirchengemeinde bei einer Videokonferenz mitgeteilt, dass zum kommenden Kindergartenjahr keine neuen Kinder mehr in der Kita Morgenstern aufgenommen würden, informiert Kerstin Mohr, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales und Kultur. Dann stünden nicht mehr drei, sondern nur noch eine Gruppe zur Verfügung. Zum Kindergartenjahr 2022 werde die Einrichtung dann geschlossen.

Kita in Raunheim: Kontingent ist früher belegt - Kein Platzangebot für einige Kinder

Grundsätzlich verfüge die Kita Morgenstern über 66 Betreuungsplätze. Zuletzt seien nach Aussage der Kirchengemeinde dort aber nur noch 39 Kinder betreut worden. Grund dafür sei die dauerhaft dünne Personalsituation in der Kindertagesstätte. Für die Bedarfsplanung der Stadtverwaltung für Kindergartenplätze sei die Schließung der Kita beziehungsweise die bereits jetzt deutliche Reduzierung des Platzangebotes sehr problematisch, so Mohr. Denn die Verwaltung habe die Plätze des kirchlichen Trägers eingeplant. Insgesamt gingen 66 Plätze für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintrittsalter verloren, betont Mohr.

Die Stadt habe bereits in den vergangenen zwölf Monaten viele Kinder in den städtischen Einrichtungen untergebracht, die eigentlich für die Kita Morgenstern vorgesehen gewesen seien, dort aber keinen Platz erhalten hätten. Weil im Sommer keine neuen Kinder aufgenommen würden, blieben diese Mädchen und Jungen auch zum neuen Kindergartenjahr in städtischen Kitas.

"Das heißt für uns, dass unser Platzkontingent dann wesentlich früher komplett belegt ist und wir dann Kindern, die im Frühjahr 2022 drei Jahre alt werden, keine Platzangebote unterbreiten können", beschreibt Kerstin Mohr die Situation. Weil die Stadt sich aber für die Raunheimer Familien in der Pflicht sehe, für eine optimale Betreuungsstruktur Sorge zu tragen, seien intern mehrere Optionen entwickelt worden, um für Ausgleich zu sorgen. Unter anderem sei beabsichtigt, sich in einer geplanten Kita auf dem Gewerbegebiet Mönchhofgelände Belegungsrechte zu sichern.

Nach Schließung der Kita Morgenstern gäbe es nur noch elf Kitas in Raunheim

Auch für das Arbeiten mit einer temporären Container-Kita würden gerade Informationen eingeholt. Die provisorische Kita Märchenwald könne keine Dauerlösung sein, weil die Stadt auf dem Parkplatz am Wald bauplanungsrechtlich keine Kita dauerhaft betreiben dürfe. Gegenwärtig könne nur eine Verlängerung des Betriebs beantragt werden. Darüber denke die Stadt derzeit ebenfalls nach.

Das Konzept der Stadt zur Vollversorgung der Kinder mit Betreuungsplätzen werde trotz der Schließung der evangelischen Kita unverändert bleiben. Die Schließung bedeute jedoch, dass die Vollversorgung durch den Neubau der Kitas Wellenläufer und Schwalbennest sowie durch die Erweiterung von Einrichtungen in den vergangenen Jahren nicht wie geplant abgeschlossen werde. Vielmehr seien weitere Anstrengungen notwendig. Der Auftrag der Stadt sei es, das Gesamtkonzept sicherzustellen.

Dass mit der Schließung dann in diesem Stadtteil keine Kita mehr existiere, findet Mohr nicht problematisch. Denn zumindest im nördlichen Stadtgebiet gebe es die Kita Zauberhäuschen. In einer Stadt wie Raunheim, mit elf Kindertagesstätten, die quer über das Stadtgebiet verteilt seien, sei eigentlich jede Kita gut erreichbar. Auch der Stadtbus sei eine Möglichkeit.

Kita in Raunheim: Keine Garantie auf geringen Abstand zur Wohnung

Der Anspruch, ein Platzangebot in einer Kita mit dem geringsten Abstand zur Wohnung zu erhalten, könne nicht garantiert werden, da oft weniger Plätze frei würden, um die Nachfrage zu befriedigen. Eine Durchmischung der Kinder aus unterschiedlichen Teilen der Stadt erweise sich überdies außerdem als durchaus vorteilhaft so Mohr. Die Planungen liefen. Die Verwaltung werde die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und dann der Stadtverordnetenversammlung eine Empfehlung zur Entscheidung vorlegen.

Die Verwaltung bedauere die Entscheidung der Kirchengemeinde. Denn auch die Trägervielfalt in der Stadt sei ausdrücklich erwünscht. Mit der Kita Morgenstern habe die Stadt über Jahrzehnte sehr konstruktiv, erfolgreich und kollegial kooperiert, das Netzwerk sei hervorragend gewesen, betont Mohr. (Rüdiger Koslowski)

Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule in Raunheim (Kreis Groß-Gerau) testen sich seit Kurzem selbst, doch einige Eltern weigerten sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare