Dorothee Herberich ist Erste Stadträtin und damit die einzige Frau im Magistrat.
+
Dorothee Herberich ist Erste Stadträtin und damit die einzige Frau im Magistrat.

Lokalpolitik

Dorothee Herberich steht im Magistrat ihre Frau

Die Erste Stadträtin ist das einzige weibliche Mitglied im Gremium - Auch junge Nachwuchspolitiker fehlen

Dorothee Herberich ist die Erste Stadträtin. Die bald 71-jährige SPD-Politikerin wurde bei der konstituierende Sitzung von der Stadtverordnetenversammlung in ihrem Amt bestätigt. Seit 2009 ist sie die Vertreterin des Bürgermeisters. Seit 1997 ist sie Magistratsmitglied. Aber sie kündigt bereits an: "Das ist meine letzte Runde, mit 76 Jahren ist dann Schluss".

Als Magistratsmitglied nimmt sie Einfluss auf die Geschicke der Stadt. Der Magistrat setzt beispielsweise Vorlagen auf die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung und darf über bestimmte Sachfragen ohne das Parlament entscheiden. Augenscheinlich ist, dass Herberich neben den Männern Cesare Dima, Muhittin Salur (beide SPD), Otto Müller, Ekkehard Jehle (beide CDU), Adrianus van Loon (FDP) und Volker Schalle (Grüne) die einzige Frau im Magistrat ist - wie bereits in der zurückliegenden Legislaturperiode. In den Jahren zuvor waren zumindest zwei Frauen im Magistrat vertreten: Neben Herberich noch Ruth Tietz, gefolgt von Gisela Richert und Renate Kohl.

Allein unter Männern könnte man Herberichs Wirken seither nennen. Sie schmunzelt. Es sei sehr angenehm, im Magistrat zu arbeiten. "Es herrscht Gleichberechtigung, ich fühle mich nicht unterdrückt", betont sie.

Dass die Frauen im Magistrat unterrepräsentiert sind, erklärt sie sich mit der allgemeinen Problematik der Frauen in der Politik. Sie müssten häufig Haushalt, Erziehung und Beruf schultern. Zudem noch in der Politik aktiv zu sein, das falle vielen Frauen schwer.

Vereinbarkeit mit Beruf oft schwierig

Auf der Liste der SPD hätten sich jedoch einige Frauen bei der Kommunalwahl um einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung beworben. Die Wähler hätten allerdings viele Männer auf die vorderen Plätze kumuliert und panaschiert. Die Magistratsmitglieder befinden sich zudem mit durchschnittlich rund 70 Jahren fast alle im Seniorenalter. So wurde denn auch das Foto vom Magistrat in dieser Zeitung von einem Leser kommentiert: Magistrat oder Seniorenbeirat?

Herberich hält dagegen, dass die Mitglieder politische Schwergewichte mit langjähriger Erfahrung seien. "Sie sind nicht umsonst von den Fraktionen entsendet worden", betont sie. Zudem kollidiere für jüngere Mitglieder deren Arbeitszeiten mit den Sitzungszeiten des Magistrates. Nur ein Mitglied stehe tatsächlich noch im Beruf. Der Magistrat greife aber auf die Verwaltung zurück und die befinde sich tagsüber im Rathaus.

Die SPD hat zumindest noch eine Frau in der Position der Nachrückerin, die CDU derer sogar drei. Auf die drei Nachrückerinnen macht denn auch CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Teppich aufmerksam. Die CDU habe jedoch zunächst zwei erfahrene Politiker nominieren wollen. Teppich spricht ebenfalls die allgemeine Problematik der Parteien an, junge Menschen zu rekrutieren. Die CDU habe bereits junge Frauen in den Reihen ihrer Stadtverordneten gehabt. Sie seien jedoch aus beruflichen Gründen verzogen und wieder ausgeschieden.

Wie Teppich macht FDP-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Hartmann auf die Arbeitszeit des Magistrats aufmerksam, was sowohl für junge Frauen als auch für junge Männer gelte. Die FDP bemühe sich grundsätzlich um Frauen. Denn, so Hartmann, bei nur einem Geschlecht fehle die Vielfalt in der Diskussion.

Auch Inge Bruttger, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, findet die Zahl der Frauen im Magistrat ausbaufähig. Sie spricht ebenfalls die ungünstigen Zeiten der Magistratssitzungen an. "Vielleicht sollte man da umdenken", sagt sie. Jedenfalls hätten die Grünen zumindest für die Stadtverordnetenversammlung drei Frauen als Nachrückerinnen am Start.

Zeitintensive Aufgabe

SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Gluch räumt ein, dass es bei der SPD schlichtweg an Frauen fehle, die sich für den Magistrat interessierten. Zudem sei der Magistrat durchaus für Elder Statesmen reserviert, was aber nicht so sein müsse. Dennoch müssten die Magistratsmitglieder viel Zeit mitbringen. Mit einer Berufstätigkeit sei dies nicht immer vereinbar.

Auch Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) weist darauf hin, dass eine paritätische Besetzung des Magistrats von den Kandidatinnen abhänge, die zur Verfügung stehen. Er spricht zudem ebenfalls die Arbeitszeit des Magistrats an. In der Vergangenheit habe die SPD Frauen im Rentenalter stellen können. Inzwischen seien die Frauen überwiegend jung und/oder berufstätig. Er zumindest arbeite gerne mit klugen Frauen zusammen.

Rüdiger Koslowski

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare