Mit der Klammer fällt das Hantieren mit den Teströhrchen leichter.
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Mit der Klammer fällt das Hantieren mit den Teströhrchen leichter.

Corona

Einige Eltern haben bedenken

Schüler der Anne-Frank-Schule in Raunheim testen sich erstmals selbst. "Wir bekommen so etwas mehr Ruhe und Sicherheit in den Schulbetrieb", betont die Schulleiterin.

"Legt erstmal eure Sachen ab, wascht eure Hände und haltet Abstand", fordert Klassenlehrer Said Moshref seine sieben Schützlinge aus der Klasse 5.3 auf. Auf der Leinwand ist bereits das Startbild eines Kurzfilms für die sachgerechte Anwendung des Schnelltests zu sehen. An Dienstag hat ein Teil seiner fünften Klasse Präsenzunterricht und es steht der erste Schnelltest für diese Schüler an. Doch, die Kinder sind aufgeregt.

Und sie sind ein wenig ungeduldig. Denn als Moshref Teststäbchen, Pufferlösung und Teststreifen verteilt, hagelt es die ersten Fragen. "Darf ich das aufmachen?", "Machen wir einen Nasen- oder einen Mundtest", fragen die Schüler. Nein, sie haben zu warten, bis der Film läuft. Es wird in der Nase getestet, "das ist eigentlich ziemlich entspannt", weiß der Lehrer. Denn er hatte am Vortag in einer zehnten Klasse mit zehn Schülern getestet. Alle Tests waren negativ ausgefallen.

Auch die Fünftklässler bekommen das gut hin. Ein Junge stellt sich ein bisschen ungeschickt an, nicht beim Abstrich in der Nase, sondern im Umgang mit den Utensilien. "Das kitzelt", stellt ein Mädchen fest. Moshref hat Wäscheklammern mitgebracht. Clever, denn mit ihnen fixiert, können die Kinder leichter mit dem Fläschchen der Pufferlösung umgehen.

15 Minuten später liegen die Testergebnisse vor. Alle fallen negativ aus, wie an diesem Vormittag in allen Klassen. Zwei Tests waren ungültig und mussten wiederholt werden. Insgesamt dauerte die Testung aber doch fast 45 Minuten. Bei den Zehntklässlern sei es schneller gegangen, stellt der Klassenlehrer fest.

Einige Eltern haben Bedenken

Die beiden Schülerinnen Melisa und Mariam fanden die Testung einfach und waren glücklich über ihr negatives Ergebnis. "Ich finde gut, dass wir testen, so ist kein positiver Schüler in der Schule", sagt Mariam und Melisa stimmt ihr eifrig zu. Lehrer Moshref berichtet unterdessen, dass in der zehnten Klasse zwei Schüler und in der fünften Klasse drei Schüler nicht in den Unterricht gekommen seien. Sie hätten keine Tests machen wollen, eine Begründung sei ausgeblieben. Andere Eltern hätten zumindest ihre Bedenken geäußert, dass die Familien bei einem positiven Test doch in Quarantäne müssten.

Moshref begrüßt die Tests, weil mit ihnen der Unterricht gewährleistet werden könne. Freilich würde er sich auch Fachpersonal wünschen, aber die Kapazitäten seien wohl nicht vorhanden. Dass das Testergebnis eine Gültigkeit von 72 Stunden habe, obwohl doch bislang lediglich von einer Momentaufnahmen gesprochen wurde, könne er wissenschaftlich nicht beurteilen.

Schulleiterin Petra Boulannouar antwortet ähnlich: "Ich bin keine Medizinerin", sagt sie. Aber sie weist auf einen entscheidenden Vorteil der Schnelltests in den Schulen hin. Denn am ersten Tag seien zwei Schüler positiv getestet worden, die dann einen PCR-Test durchführen mussten. Sie wären ohne die Tests unentdeckt geblieben. "Wir bekommen etwas mehr Ruhe und Sicherheit in den Schulbetrieb", betont sie.

Arzthelferin betreut Kinder

Die Schule hat im Innenhof ein Zelt aufgebaut, wo positiv getestete Kinder von einer Arzthelferin betreut werden, bis sie von den Eltern abgeholt werden. Die Kinder seien betroffen über ihr positives Ergebnis gewesen, hätten sich aber sonst ruhig verhalten. Die Eltern hätten erschrocken reagiert.

Die Selbsttestung mache also durchaus Sinn. Damit könne der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden. Bei dem ständigen Hin und Her zwischen Wechselbetrieb, Schule auf, Schule zu, käme keine Freude auf. Die Schulleiterin macht darauf aufmerksam, dass in dem gesamten ersten Corona-Jahr lediglich 50 positive Fälle bei Lehrern und Schülern aufgetreten seien.

Boulannouar informiert über einen Brief des Schulelternbeirats an das staatliche Schulamt. Inhaltlich gehe es um die Frage, mit welchem Recht die Jahrgangsstufen sieben und acht nach wie vor nicht in die Schule dürften. Denn auch sie könnten mit einem negativen Schnelltest den Unterricht besuchen, heißt es in dem Brief. Organisatorisch wäre das machbar, betont die Schulleiterin.

Sie verschweigt indessen auch die E-Mails von Eltern nicht, die sie erreicht hätten. Die Eltern hätten mitunter ihre Bedenken über die Durchführung der Tests geäußert. "Die Eltern sind verpflichtet, die Kinder zu beruhigen und nicht in Panik zu versetzen", meint Boulannouar hingegen. Rüdiger Koslowski

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