Michael Reber baut leidenschaftlich Modellflugzeuge zusammen. FOTO: Rüdiger KOslowski
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Michael Reber baut leidenschaftlich Modellflugzeuge zusammen.

Porträt

Faszination für filigrane Fluggeräte

Michael Reber ist leidenschaftlicher Modellflugzeugbauer

Michael Reber legt sich für den Termin mit dieser Zeitung richtig ins Zeug. Er steckt gleich drei seiner Modellflugzeuge für ein Foto zusammen. Jeder Doppeldecker ist in sechs große Komponenten zerlegt. Da braucht es schon einige Minuten, bis die Modelle historischer Flugzeuge auf der Wiese stehen.

Der 56-Jährige ist mit einer Körpergröße von 1,89 Meter sicher nicht der Kleinste. Neben seinen Modellfliegern wirkt er zwar nicht gerade wie ein Zwerg, aber seine Größe relativiert sich doch ein wenig. Die Flieger haben immerhin eine Spannweite von zwei bis 2,7 Meter.

Da stehen also eine Sopwith Pup aus dem Jahr 1916, ein britisches Jagdflugzeug im Maßstab 1:3, die Spad, ein Jagdflugzeug aus Frankreich mit dem Baujahr 1916, Maßstab 1:4 sowie eine deutsche Albatros, ein Aufklärungsflugzeug aus dem Jahr 1913, ebenfalls im Maßstab 1:4.

Dies sind drei seiner vier großen Modelle. Insgesamt besitzt Reber 15 Flugzeugmodelle, elf davon in kleineren Maßstäben, alle eigenhändig zusammengebaut oder zusammengesetzt gekauft, dann modifiziert und umgebaut.

Reber ist leidenschaftlicher Modellflugzeugbauer, insbesondere liebt er die Flieger aus der Pionierzeit, die Piloten sind für ihn Helden. Er spricht von Nostalgie und Ästhetik. "Ich finde es faszinierend, was die Fluggeräte für eine Leistung haben", sagt er.

Von Kindesbeinen an begeistert

Die Fliegerei begeistert ihn bereits von Kindesbeinen an. Schon als Schüler baut er Flugzeugmodelle zusammen. Flugzeuge, die mit einem Gummi aufgezogen zum Fliegen gebracht werden können, kommen hinzu.

Das steigert sich bis hin zu Flugzeugen, die mit einer Fernbedienung gesteuert werden. Allerdings legt er zwischenzeitlich eine Pause von vielen Jahren ein, um sich mit Anfang 40 wieder seinem Hobby zuzuwenden. Die Modellflieger setzt er in seiner Werkstatt im Keller zusammen. Dort ist das Werkzeug in der Regel klein: kleine Feilen, kleine Bohrer und kleine Sägen sind dort zu finden.

Das Gerüst und der Rumpf der Modellflugzeuge bestehen aus sehr leichtem und einfach zu bearbeitenden Balsaholz. Hinzu kommt die Bespannung der Tragflächen. Die Flugzeuge hätten noch nie im Regen gestanden, sagt Reber. Just als der Mitarbeiter dieser Zeitung bei ihm vorbeischaut, beginnt es zu tröpfeln und Reber muss die Flieger mit einer Plane abdecken. Die Bespannung sollte nicht unbedingt feucht werden, sagt er.

Reber ist ein detailverliebter Bastler. Das Gerüst des Fliegers ist eine Sache, aber es gibt so viele Details, die ausgearbeitet werden können. Zum Beispiel die sogenannten Uhren, die Instrumente im Cockpit. Abbildungen sucht er im Internet, druckt sie maßstabgerecht aus, baut aus Metallringen Fassungen und verschließt sie mit kleinen Glasplättchen.

Das ist schon alles sehr zeitaufwendig. "Ich möchte die Illusion eines echten Flugzeugs darstellen", erklärt Reber seine Leidenschaft. Die Kreativität, die Fummelei lenkt den bei der Fahrzeugsicherheit eines Automobilherstellers Beschäftigten, vom Alltag ab.

Unbeschreibliche Glücksgefühle

Ist der Flieger fertig, beginnt das große Zittern. Dann steht der Jungfernflug an. Reber ist Mitglied beim Modellflugsportverein Trebur, der über einen eigenen Flugplatz verfügt.

"Da hat man schlotternde Knie", sagt Reber schmunzelnd. Es sei nie sicher, ob nichts vergessen wurde, ob alle Schrauben angezogen sind, ob nicht etwa ein Seil vergessen wurde und das Flugzeug abstürzt.

"Wenn das Flugzeug fliegt, ist das ein Glücksgefühl, das ist erotisch", findet Reber Worte für seine Emotionen. Der Applaus der Flugkameraden ist das Größte, weil sie wissen würden, was ein gelungener Flug bedeute.

Bis zu einem Gewicht von 25 Kilo sei keine Fluggenehmigung notwendig. Und ab einer Flughöhe von 300 Meter müsse der Flug bei der Flugsicherung angemeldet werden.

Reber sagt jedoch, dass es bei den Modellfliegern um Sichtflug gehe. "Wir wollen die Flieger ja sehen, wenn sie in der Luft sind", beschreibt er den Kern des Hobbys.

Die Sicht auf das Flugzeug ist eine andere als aus dem Flugzeug heraus. Einen Pilotenschein konnte er aus gesundheitlichen Gründen nie machen.

Das Hobby kostet übrigens durchaus sein Geld. Für einen Modellflieger im Maßstab 1:3 müsse man Minimum 2000 Euro hinlegen. Insgesamt ist der Preis auch davon abhängig, wie viel Liebe zum Detail in den Flieger gesteckt wird und wie kreativ der Bastler beim Verwenden von Alltagsgegenständen ist.

Rüdiger koslowski

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