Karriere

Feuerwehrmann Wilhelm Schuller beendet nach 51 Jahren den aktiven Dienst

Wenn am heutigen Kameradschaftsabend der Feuerwehr langjährige Mitglieder geehrt werden, erhält auch Wilhelm Schiller eine besondere Auszeichnung. Für den Übertritt in die Alters- und Ehrenabteilung bekommt er die Goldene Ehrennadel.

Im März war endgültig Schluss für Wilhelm Schiller. Dann musste er seinen Kleiderhaken in der Fahrzeughalle frei räumen. „Die haben mich schon in der Reihe immer weiter nach hinten versetzt“, erzählt er schmunzelnd. Zwei Mal hatte er sein Dienstende als ehrenamtlicher Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr herausgezögert. Denn eigentlich gehen die Freiwilligen bereits mit 60 Jahren in Rente und wechseln in die Alters- und Ehrenabteilung. Sie haben aber die Möglichkeit, ihre aktive Einsatzzeit erst um zwei, dann noch mal um drei Jahre bis zum 65. Lebensjahr zu verlängern.

„Ich habe mich fit gefühlt“, sagt Schiller. Mal ganz abgesehen davon, dass er sich bei der Feuerwehr gut aufgehoben, ja heimisch gefühlt habe und Freude am Dienst hatte. Kein Wunder: Schiller war 51 Jahre aktiver Feuerwehrmann. Jetzt ist er aber nicht etwa traurig, in die Alters- und Ehrenabteilung zu wechseln. „Irgendwann ist es dann auch mal genug“, räumt er ein.

Als er 1967 einstieg, war er das Nesthäkchen unter den Feuerwehrleuten. Als 14-Jähriger würde er heute zunächst bei der Jugendfeuerwehr anfangen. Eine Nachwuchsabteilung gab es damals aber noch gar nicht, die wurde erst 1970 ins Leben gerufen. Sein Geselle hatte den Elektriker in Ausbildung damals gefragt, ob er zur Feuerwehr mitkommen wolle. Gute zehn Jahre älter waren die jüngsten Kameraden da. Der Altersunterschied störte den jungen Schiller aber nicht. Im Gegenteil, irgendwie war es eine tolle Sachen für ihn, bei den Älteren mitmischen zu dürfen.

Die Kameraden waren es auch, die ihn ausbildeten. Lehrgänge wurden erst später angeboten. In der ersten Reihe, dem Angriffstrupp, stand er bei den Einsätzen anfangs noch nicht. Es dauerte ein halbes Jahr bis er mit dem Schlauch in der Hand zum Brandherd vorrücken durfte. An seine größten und schwierigsten Einsätze kann sich Schiller noch gut erinnern. Da war 1971 der Großbrand bei der Firma Linde in Mainz, wo die Feuerwehren aus der ganzen Region gerufen wurden. Drei Feuerwehrleute ließen ihr Leben. Er und ein Kamerad konnten den Gebäudeabschnitt kurz vor dem Einsturz verlassen.

Ebenfalls 1971 ist ihm der Brand von vier Tankschiffen im Ölhafen mit sieben Toten, darunter vier Kindern, in Erinnerung geblieben. Ganz zu schweigen von dem S-Bahnunglück 1990 mit 17 Toten in Rüsselsheim.

Schiller konnte die schrecklichen Ereignisse nach den Einsätzen immer ganz gut abschütteln, sagt er. Ein bisschen kam das auf die Situation und die eigene persönliche Verfassung an. Und das Schicksal von Kindern ging ihm ebenfalls nahe. Sein Hobby machte Schiller übrigens bald zum Beruf. Er war 42 Jahre Werksfeuerwehrmann bei der Firma Opel. Der Dienst bei der Feuerwehr habe sich außerdem in den letzten Jahren stark verändert, sagt er. Abgesehen vom technischen Fortschritt rückte die Feuerwehr in den früheren Jahren zum einen insgesamt weniger, zum anderen viel häufiger zu Löscheinsätzen aus. Heute wird sie dagegen in der Vielzahl für technische Hilfeleistungen alarmiert.

Jetzt ist er also bei der Alters- und Ehrenabteilung mit ihren derzeit acht Mitgliedern. Sie ist bei Weitem kein Abstellgleis. Die Feuerwehrleute außer Dienst unterstützen bei Festen und helfen, wo es etwas zu helfen gibt. Stadtbrandinspektor Jan Christopher Gräf betont, dass die Alters- und Ehrenabteilung eine Bereicherung sei. „Die alten Kameraden gehören dazu“, betont er. Als Ansprechpartner für kniffelige Aufgaben stehen sie immer bereit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare