Aktion

Freiwillige machen Bahnhofsunterführung sauber

Alles schön und gut: Graffiti können durchaus Wände verschönern. Plumpe Schmierereien allerdings sind kein Augenschmaus. Streetworker Isack Majura säubert mit freiwilligen Helfern die Bahnhofsunterführung.

Faruk Bayrak steht auf der Leiter, ein Mundschutz verdeckt sein Gesicht, an den Händen trägt er Gummihandschuhe. Unentwegt wischt er mit der Stahlwolle auf den orangefarbenen Fliesen entlang. Hin und her, hin und her. Bis die schwarze Farbe vollends verschwunden ist. Unten, auf dem Boden kniend, gibt sich Faouzi Mokhtari ebenfalls viel Mühe. Er sprüht ein Lösungsmittel an die Wand und zieht dann die Stahlwolle über die schwarzen Streifen.

„Das ist richtig anstrengend“, sagt Mokhtari. Um einen Quadratmeter Wandfläche wieder blitzblank zu bekommen, benötige er etwa eine Stunde, berichtet Bayrak.

Die beiden jungen Männer gehören zu der freiwilligen Truppe von Streetworker Isack Majura, die in den Herbstferien die Unterführung am Bahnhof von den Graffiti befreit, die besser als plumpe Schmierereien zu bezeichnen sind. Bürgermeister Thomas Jühe habe ihn gebeten, die Zeit des Baustellenstopps der Deutschen Bahn zu nutzen und mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Unterführung zu säubern, berichtet Majura, der selbst mit Mundschutz und Handschuhen ausgerüstet ist. Er sprach dann ihm bekannte junge Leute an, die nun den „Mist“ wegwischen, wie der Streetworker die Schmierereien bezeichnet.

Die Säuberungsaktion sei Teil des bereits vor einigen Jahren ins Leben gerufene Projektes „Gestalten statt Zerstören“, informiert Majura. Jugendliche und junge Erwachsene sollen dabei motiviert werden, ihre Stadt sauber zu halten und nicht durch Vandalismus zu zerstören, indem sie selbst Hand anlegen.

Das heißt zum einen eben saubermachen, zum anderen aber auch selbst kreativ zu sein. Beispiele sind die Unterführung Hafenstraße und die Mauer unterhalb der Bundesstraße 43 sowie der Stresemannplatz. Dort sprühten Jugendliche erlaubt und legal und unter Anleitung Graffiti auf. „Die sind bis heute erhalten geblieben“, zeigt sich Majura zufrieden mit dem Projekt.

Bis Ende nächster Woche will er die Säuberungsarbeiten in der Unterführung beendet haben. Das Personal wechselt. Die Freiwilligen beteiligen sich je nach Zeit. Bayrak macht gerade sein Fachabitur und hat Herbstferien, Mokhtari befindet sich auf Arbeitssuche. „Wir wollen, dass unsere Stadt sauber bleibt“, begründet der 21-jährige Bayrak sein Engagement.

Er kennt Majura schon seit vielen Jahren und möchte sich mit seinem Einsatz für die Unterstützung des Streetworker bedanken, die er ihm und seinen Freunden als Jugendliche gab. „Wir finden es nicht toll, dass die Wände beschmiert werden“, ergänzt der zwei Jahre ältere Mokhtari.

Das Lösungsmittel ist ungesund, die Schrubberei geht in die Arme und warm ist es zumindest am Vormittag in der dunklen Unterführung auch nicht eben, schildern die beiden jungen Männer die Mühe, die sie auf sich nehmen. „Am Abend schmerzen die Knochen“, erzählt Bayrak.

Dennoch war er in der vergangenen Woche sogar am Feiertag unterwegs, um zu kontrollieren, ob wieder jemand neue Graffiti auf die Wand gesprüht hatte.

Von den Passanten erhalten die Helfer viel Lob. So wie Erwin Oesterreich, der die Unterführung passiert. Er erinnert an die Kosten, die die Stadt aufbringen müsse, wenn es keine Freiwilligen gebe. „Ich bin gespannt, wie lange es sauber bleibt“, sagt er. Streetworker Majura appelliert an die Bevölkerung, Sprayer der Polizei oder der Stadt zu melden.

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