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Stefan Kammerer, Pia Kramer und Frank Klaas (von links) sind sich sicher, dass Geely nach der Corona-Krise ein starkes "Comeback" feiern wird. Foto: Rüdiger Koslowski

Automobilhersteller

Geely setzt auf Expansion statt Kurzarbeit

Der chinesische Autobauer hält trotz Umsatzrückgängen in der Corona-Krise an der Personalplanung fest. Im Airport Garden entsteht ein neuer Bürokomplex für bis zu 350 Angestellte.

Raunheim -Seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland haben Betriebe für mehr als zehn Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Nicht so der chinesische Autobauer Geely, der in Raunheim ein Entwicklungs- und Forschungszentrum betreibt. Noch in diesem Jahr sollen an dem Standort 50 bis 60 Ingenieure eingestellt werden, informiert Pia Kramer vom Personalmanagement in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Dies entspreche nicht dem allgemeinen Trend in der Automobilindustrie, weiß Frank Klaas, Leiter der Firmenkommunikation. Der Plan für Neuanstellungen werde aber nicht reduziert. Das Unternehmen halte daran fest, im kommenden Jahr bis zu 300 Mitarbeiter zu beschäftigen. Im April seien acht, im Mai bereits sechs Mitarbeiter eingestellt worden. Derzeit seien am Standort im Prime Parc 110 Menschen beschäftigt, so Kramer. Die Grenze liege aufgrund der Raumkapazität bei 210 Mitarbeitern. Mit dem neuen Bürokomplex, der im Gewerbegebiet Airport Garden an der Schrägseilbrücke entsteht und im Sommer, spätestens im Herbst 2021 fertigstellt sein soll, würden die Arbeitsplätze bei dem weltweit agierenden Unternehmen sogar auf 350 steigen.

Geely fahre in Raunheim keine Kurzarbeit, so Klaas. Der Standort sei ausgelastet, vielmehr unterbesetzt. Auf den Einwand, dass Raunheim kein Produktions-, sondern ein Entwicklungsstandort ist, entgegnen er, Geely sei dennoch auf eine erfolgreiche Arbeit bei der Entwicklung und Forschung angewiesen. "Wir müssen Ergebnisse liefern, Produkte müssen auf den Markt gebracht werden", sagt Klaas.

Die Mitarbeiter befänden sich schon seit Ende Februar im Homeoffice. Der Arbeitgeber habe bereits sehr früh Mund-Nasen-Schutzmasken und Desinfektionsmittel an die Mitarbeiter verteilt, beschreibt Kramer die Sicherheitsmaßnahmen. Geschäftsreisen seien ebenfalls früh abgesagt worden, zumal viele China als Ziel gehabt hätten. Im Reich der Mitte ruhte die Produktion an den sieben Standorten etwa zwei Monate lang. Inzwischen sei die Belegschaft wieder zu 100 Prozent an Bord. Bei Geely in China hätten die Mitarbeiter in der Verwaltung übrigens ebenfalls im Homeoffice gearbeitet, was in der Volksrepublik nicht so verbreitet sei wie in Europa, berichtet Kramer.

Die anhaltende Wirtschaftsflaute gehe jedoch auch an Geely nicht spurlos vorbei, räumt Klaas ein. Er spricht von Umsatzeinbrüchen auf dem chinesischen Markt. Laut Geschäftsbericht ist das Gesamtabsatzvolumen von Januar bis April 2020 um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Bisher seien lediglich 22 Prozent des Gesamtjahresumsatzzieles erreicht worden. Doch der Markt erhole sich langsam wieder: Klaas führt an, dass der Umsatz im April im Vergleich zum Vormonat März um 44 Prozent gestiegen sei. Deshalb spricht er von einem "Comeback" eines Unternehmens mit seinen Marken. Der Verkauf der Produkte setze nicht gleich wieder bei alter Stärke an, Geely habe aber einen langen Atem, so Klaas. Das Unternehmen habe sein Budget halten können. Dies gelte sowohl für den Standort Raunheim, als auch für größere Standorte wie beispielsweise Göteborg mit 3300 Mitarbeitern.

Die Corona-Krise habe indessen den Zeitplan beim Bau des neuen Gebäudes ein wenig verzögert, informiert Stefan Kammerer, Leiter der Unternehmensprozesse. Grund seien die Sicherheitsbestimmungen zur Verhinderung von Infektionen. "Es dürfen sich zum gleichen Zeitpunkt nicht so viele Bauarbeiter wie üblich auf der Baustelle aufhalten", erklärt er. Engpässe bei den Materialien gebe es jedoch keine.

Auf dem rund 20 000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen zwei ovale Gebäude mit einer Bürofläche von 5500 Quadratmetern. Der Rohbau für eines der beiden fünfstöckigen Gebäude ist bereits fertiggestellt, bei dem zweiten wird gerade an der vierten Etage gearbeitet. Klaas dankt der Stadt für die gute Zusammenarbeit. Geely stehe für grüne, umweltbewusste Mobilität. Die Stadt habe auf dem Gewerbegebiet eine Parkfläche für die Mitarbeiter freigemacht, so dass diese nicht im Stadtgebiet nach Parkplätzen suchen müssen. Die gemeinnützige Stiftung des Geely-Gründers, Li Shu Fu, habe sich mit zwei Lieferungen von Schutzausrüstung gegen die Corona-Infektion bei der Stadt bedankt, so Klaas.

Rüdiger Koslowski

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