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Nach der langen Trocken- und Hitzeperiode haben viele Kiefern im Wald Schaden genommen.

Baumsterben

Hitze und Trockenheit haben in Raunheim viele Bäume geschädigt

Die lange Hitzeperiode und starke Trockenheit hat dem Wald stark zugesetzt. In 70 bis 80 Prozent des Stadtwaldes sind besonders die Kiefern stark geschädigt.

Braun und trocken: die Kiefern am Wegesrand geben ein trauriges Bild ab. Ihre sonst so breiten grünen Kronen sind beinahe kahl. „Durch Hitze und Trockenheit haben sich erhebliche Schäden im Wald eingestellt“, informiert Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) jetzt die Stadtverordnetenversammlung. Die geschädigten Bäume müssten entnommen werden, denn sonst breite sich der Borkenkäfer aus.

70 bis 80 Prozent der Waldbereiche seien betroffen, berichtet Oliver Burghardt, Revierleiter vom Forstservice Taunus, im Gespräch mit dieser Zeitung. Viele Bäume dort seien geschädigt oder tot. Und obwohl die Kiefer Hitze und Trockenheit eigentlich gut vertrage, ist vor allem ihr Bestand stark betroffen. Aber die Trockenperiode habe offensichtlich zu lange gedauert, so die Vermutung der Förster. „Seit April bis jetzt hat es nicht genügend Wasser für den Boden gegeben. Hinzu kam die extreme Hitze“, meint Burghardt.

Große Lücken entstehen

Kiefern seien nach dem Zweiten Weltkrieg bevorzugt angepflanzt worden, weil sie schnell wachsen und Bauholz benötigt worden sei. Besonders die Bereiche, wo viele Kiefern stehen, seien nun betroffen. Haben die Bäume mehr Platz, gibt es weniger Ausfälle. Denn stehen die Kiefern dich beieinander, würden sich die Bäume gegenseitig das Wasser und die Nährstoffe wegnehmen. So ist beispielsweise der Bestand östlich des Waldsees vor der Brücke der A67 sowie entlang der Stockstraße stark betroffen. Aber Burghardt redet nicht um den heißen Brei herum: „Der ganze Wald ist geschädigt“.

Wenn der Revierförster auf die Auswirkungen des Schadens zu sprechen kommt, rückt er nicht den finanziellen Schaden in den Mittelpunkt. Der wirtschaftliche Verlust lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin noch nicht beziffern. Der Holzpreis sei im Vergleich zum Jahresbeginn bereits gefallen, da wegen der Sturmschäden sehr viel Holz auf dem Markt sei.

„Wir wollen, dass der Wald erhalten bleibt“, sagt Burghardt. Denn der habe wegen seiner, Lärmschutzfunktion, seiner Frischluftzufuhr und seiner Funktion als Naherholungsgebiet eine große Bedeutung. Wenn 70 Prozent des Waldes geschädigt seien, würden sich erhebliche Lücken bilden.

Gefahr durch Borkenkäfer

Deshalb würden für den Jahreseinschlag vorwiegend die abgestorbenen Kiefern entnommen. Allein mit ihnen werde der Plan von 1000 Festmetern erfüllt.

Jetzt müsse geschaut werden, ob es genügend Bäume im Bestand gebe, die den Boden natürlich besamen oder ob Bäume nachgepflanzt werden müssen. Leicht Früchte wie Kiefer, Fichte, Douglasie, Esche, Linde und Ahorn trägt der Wind durchaus 300 bis 400 Meter weit. Bucheckern dagegen sind schwerer und werden nicht weit getragen. Bei der Nachforstung legt der Förster seinen Blick auf einen Mischwald. Er denkt an Eichen und Obstbäume, die resistent gegen Trockenheit sind. Mischwälder seien stabiler gegenüber Schadensereignissen. Zudem sei die Holzpalette breiter.

Inwiefern Laubhölzer von der langen Hitze- und Trockenperiode betroffen und geschädigt sind, sei noch gar nicht abzusehen, gibt Burghardt zu bedenken. Eine Aussage lasse sich erst im Frühjahr treffen. Denn Laubbäume werfen bei lange anhaltender Trockenheit ihre Blätter ab, um den Wasser- und Nährstoffbedarf zu senken. Ob die Bäume wieder Knospen austreiben, lasse sich erst im kommenden Frühjahr feststellen.

Die geschädigten und toten Nadelbäume müssen möglichst bald aus dem Wald entnommen werden, betont Burghardt. Denn es besteht die Gefahr, dass sich der Borkenkäfer ausbreitet. Die Käfer legen ihre Eier unter der Rinde des Stammes ab. Die Nadelbäume schützen sich selbst und schwemmen die Käfer mit ihrem Harz aus. Vorgeschädigte und tote Bäume sind dazu allerdings nicht mehr in der Lage. Und wenn zu viele Käfer einen gesunden Baum befallen, kann er sich nicht mehr wehren.

Von Rüdiger Koslowsik

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