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Imam Athar Sohail referiert über „Islam und Rechtspopulismus“, Zafrullah Raja (Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde) und Bürgermeister Thomas Jühe (von links), hören zu.

Vorbehalte

Imam der Ahmadiyya-Gemeinde: „Der Islam wird als Bedrohung wahrgenommen“

Bei einer Informationsveranstaltung spricht der Imam der Ahmadiyya-Gemeinde Athar Sohail darüber, welche Vorbehalte Rechtspopulisten gegenüber dem Islam hegen.

Mit den Worten „Friede sei mit Ihnen“, begrüßt Jugendsprecher Harus Pervaiz die Gäste. Frauen und Männer sind in den Bürgersaal gekommen, ein paar Kinder und Jugendliche ebenfalls. Die Ahmadiyya-Gemeinde hat zu einem Vortrag über „Islam und Rechtspopulismus“ eingeladen. Nur vier Deutsche befinden sich unter den Zuhörern, darunter zwei Kommunalpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen und Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), der die Informationsveranstaltung lobt.

Referent und Imam Athar Sohail bedauert im Gespräch mit dieser Zeitung den geringen Zuspruch unter der deutschen Bevölkerung. Hier sei eine Diskussion möglich, auch wenn man nicht einer Meinung sei.

Das Thema Islam und Rechtspopulismus sei hochaktuell; es seien zunehmend Tendenzen für einen gewissen Rechtsruck in der Gesellschaft wahrnehmbar, die mit der Angst vor dem Islam verbunden seien. „Der Islam wird als Bedrohung wahrgenommen“, sagt Sohail.

Imam Athar Sohail will den Austausch fördern

Ein Austausch trage indessen dazu bei, mit Vorbehalten aufzuräumen. Muslime der Ahmadiyya-Gemeinde würden auch in Ostdeutschland informieren. Einige Menschen dort würden die Informationen positiv annehmen. „Man kann nicht per se sagen, das bringt nichts“, mahnt der Imam.

Der hohe Zuspruch, den die AfD in Raunheim bei der hessischen Landtagswahl in Raunheim erfahren hatte, habe ihn erschreckt. Dass so viele Bürger in Raunheim mit der AfD sympathisieren, bekomme er in der Öffentlichkeit aber nicht zu spüren. Deshalb gehe er davon aus, dass es sich um Protestwähler handle, die mit der Zustimmung für die rechtspopulistische Partei ihren Frust abladen würden. Der Imam betont indessen, dass sich sein Vortrag nicht auf eine bestimmte Partei beziehe. Es gebe in Europa viele Parteien mit rechtspopulistischen Inhalten und Tendenzen.

"Der Islam wird als Problem gesehen"

Viele Bürger fühlten sich vernachlässigt, hätten das Gefühl, ihre Regierung vertrete nicht ihre Rechte und überlasse Ressourcen den Einwanderern. Die Mehrheit der Einwanderer sei indessen Muslime. „Im Islam wird das Problem gesehen“, versichert der Imam.

Für Rechtspopulisten sei der Islam, so der Iman, mit den westlichen Werten nicht zu vereinen. Muslime seien nicht fähig, sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren, sie würden als Bedrohung angesehen.

Die Folge seien Aktionen und Kampagnen gegen den Islam, beispielsweise gegenüber dem Bau von Moscheen. In Raunheim sei der Bau von Moscheen indessen friedlich aufgenommen worden. „Das ist aber eher die Ausnahme“, betont Sohail. In Ostdeutschland komme es immer wieder zu unschönen Szenen.

Dabei verkörpere der Islam eine friedliche Religion, was Sohail mit Beispielen aus dem Koran belegt. Allah habe es bevorzugt, den freien Willen walten zu lassen, jedem Menschen stehe es frei, den Islam anzunehmen oder abzulehnen. Auch erkenne der Islam religiöse und weltliche Autoritäten an.

Jeder Mensch soll sich ein eigenes Bild vom Islam machen

Der Imam rät, dass sich jeder Mensch sein eigenes Bild vom Islam machen solle. Die Fakten sollten rational und objektiv beurteilt werden. „Untersuchen Sie, ob die Übeltaten einiger sogenannter Muslime durch die Lehren des Islam motiviert sind“, fordert er auf.

Den Zuwanderern rät er hingegen, keine Ansprüche zu stellen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und dankbar zu sein. Geflüchtete sollten der Gesellschaft so wenig wie möglich zur Last fallen, um den Staat zu entlasten.

Der Imam hat indessen auch Ratschläge für die Regierungen parat. Sie sollten nicht die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung vernachlässigen. Steuerzahler sollten mehr haben als diejenigen, die Hilfe in Anspruch nehmen, sonst entstehe Frust. Die Rechte und Bedürfnisse der Einheimischen sollten gleichermaßen berücksichtigt werden.

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