So sieht der Spurtunnel aus. Susanne Steib, Karin Jechimer und Gerhart Thallmayer (BUND Raunheim/Rüsselsheim) (von links) zeigen mit einem Gartenschläfer aus Plüsch, wie der Tunnel funktioniert.
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So sieht der Spurtunnel aus. Susanne Steib, Karin Jechimer und Gerhart Thallmayer (BUND Raunheim/Rüsselsheim) (von links) zeigen mit einem Gartenschläfer aus Plüsch, wie der Tunnel funktioniert.

Natur

Ist der Gartenschläfer im Raunheimer Wald heimisch geworden?

BUND hängt mit Helfern Spurtunnel in den Bäumen auf, um die Verbreitung des Nagers nachzuweisen

"So ein waagerechter Ast ist ideal", informiert Susanne Steib eine Gruppe von Erziehern und Lehrern, die der Leiterin des Projektes "Spurensuche Gartenschläfer" der Umweltschutzorganisation BUND in Hessen interessiert zuhören. An dem Ast wird ein sogenannter Spurtunnel mit ein wenig Kreppband befestigt. Die Anwesenden schmunzeln über den originalgetreuen Gartenschläfer aus Stoff, den die Umweltpädagogin der Stadt Raunheim, Karin Jechimer, mitgebracht hat. Er sei ein wenig korpulent, aber sonst doch ein Gartenschläfer, stellt Steib lachend fest. In den Spurtunnel würde er jedenfalls noch reinpassen.

Mit den Tunneln aus Kunststoff will Steib herausfinden, ob der Gartenschläfer im Raunheimer Wald lebt. Die Anwohner in den Quartieren meldeten immer wieder, Gartenschläfer gesehen zu haben. Das Nagetier lebt also durchaus in den Siedlungen, findet Unterschlupf in Gartenhütten und Dachstühlen. Ob er allerdings auch in diesem Wald vorkommt, ist noch nicht bekannt.

Das Nahrungsangebot in den Siedlungen ist für den Allesfresser groß: Obst, Vogelfutter, Insekten, Vogeleier, ja sogar Vögel verdrückt er. Der Gartenschläfer liebe besonders Obst; er nage es allerdings nur an und suche sich dann die nächste leckere Frucht am Baum, weiß Steib. Angebissene Äpfel, Birnen und Pflaumen sind für den Menschen dann allerdings nicht mehr genießbar.

Der zur Familie der Bilche gehörende Nager lebt unter anderem im Harz, im Fichtelgebirge und im Schwarzwald unter den dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen. Deshalb sei es durchaus interessant zu wissen, ob er auch im Wald rund um Raunheim heimisch geworden ist, so Steib. Die Population in dieser Region sei noch recht neu. Hier werde das 15 Zentimeter lange Nagetier erst etwa seit zehn bis 15 Jahren gesehen. Das nachtaktive Tier sei aus Mainz und Wiesbaden den Fluss entlang gewandert und habe sich von dort weiter verbreitet.

Einbruch in der Population

In anderen Teilen Deutschlands und Europas erlebe die Schlafmaus mit der schwarzen Gesichtsmaske den größten Einbruch in der Population aller Nagetiere, steht in einem Heft des BUND. Es sei jedoch nicht bekannt, warum das Tier verschwindet. Der in vielen Regionen Deutschlands bereits ausgestorbene Bilch gelte als besonders geschützt. Deshalb wolle der BUND die Bestände sichern.

Mit dem Spurtunnel könne das Vorkommen von Gartenschläfern gut nachgewiesen werden. In dem etwa 50 Zentimeter langen quadratischen Tunnel aus Kunststoff ist ein Brettchen eingeschoben. Darauf ist ein Streifen Papier geklebt. An beiden Enden ist ein mit Farbe bestrichenes Stück Kreppband ausgelegt. Wenn das neugierige Tierchen nun durch den Tunnel hindurchläuft, hinterlässt es unweigerlich Pfotenabdrücke auf dem weißen Papier.

Die Helfer der Stadt müssen zunächst das Krepppapier mit Farbe bemalen und dann die Spurtunnel aufhängen. Es gilt jeweils 25 Tunnel in einem Abstand von etwa 25 Metern auf zwei Strecken mit einer Länge von 600 Metern an die Äste zu hängen. Steib wollte ursprünglich weitere Spurtunnel bei einem früheren Termin mit der Unterstützung von drei Familien auf zwei zusätzlichen Strecken aufhängen. Die Aktion musste allerdings wegen Gewitterwarnung abgesagt werden. Die Managerin für Naturschutzprojekte beim BUND Hessen wählt diesesmal den Bereich vom Wildschweingehege bis an die Autobahn 67. Bildungspädagogin Jechimer konnte zahlreiche Beschäftigte bei den beiden Schulen, dem Ganztagsprogramm und den Kindertagesstätten für die Aktion gewinnen. Die Erzieher und Lehrer werden mit den Kindern die Spurtunnel kontrollieren und dabei die Farbe alle zehn Tage auffrischen. Drei Familien wurden ebenfalls als Paten für diese Aufgabe gewonnen. Die Spurtunnel-Aktion sei Teil des Bildungskonzeptes Raunheim und des Biodiversitätskonzeptes, informiert Jechimer.

Weil auch andere Tiere durch den Tunnel laufen werden, erhalten die fleißigen Helfer Abbildungen von den Pfotenabdrücken anderer Waldbewohner, um diese abgleichen zu können. Besonders Mäuse liefen gerne durch die Tunnel, weiß Steib. Finden die Helfer Pfotenabdrücke eines Gartenschläfers, melden sie diese mit Datum, Ort und Foto der Projektleiterin. Rüdiger Koslowski

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