Der Nachfolger verabschiedet seinen Vorgänger: Thomas Jühe ist neuer SPD-Vorsitzender und übernimmt das Amt von Michael Gluch. FOTO: privat
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Der Nachfolger verabschiedet seinen Vorgänger: Thomas Jühe ist neuer SPD-Vorsitzender und übernimmt das Amt von Michael Gluch.

Politik

Jühe kandidiert nicht mehr als Rathauschef

Bürgermeister übernimmt SPD-Vorsitz und will Nachfolge regeln

Bürgermeister Thomas Jühe ist der neue Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und kandidiert kein weiteres Mal für das Amt des Rathauschefs. Dies sind die beiden Nachrichten der Jahreshauptversammlung der SPD. Diese war allerdings nicht öffentlich, weil die Partei eine grundsätzliche Diskussion habe führen wollen, so Jühe auf Nachfrage dieser Zeitung. Dabei hätte auch die Strategie für seine Nachfolge im Bürgermeisteramt diskutiert werden sollen.

Denn, dies habe er bei der Versammlung unmissverständlich deutlich gemacht, er werde kein weiteres Mal für das Amt des Bürgermeisters kandieren, so Jühe. "Jedes politische Amt hat seine Zeit", meinte er. Jühe führt gesundheitliche Gründe an und meint, dass junge Leute hinsichtlich Leistungsprinzip, Digitalisierung und Wohlstandsmehrung moderner denken würden. Jühe ist seit 21 Jahren im Amt.

Gluch stellt sich nicht zur Wahl

Seine Entscheidung war bereits vor der Jahreshauptversammlung aus SPD-Kreisen durchgesickert, was zu Verdruss bei Jühe gesorgt hatte. Denn damit sei der politische Gegner gestärkt worden. Auch wenn sein Rückzug bereits in gewissen Kreisen bekannt war, Jühe betont, dass er ihn noch zu keinem Zeitpunkt offiziell gemacht habe.

Er sei von einer Zweidrittelmehrheit der 36 anwesenden Mitglieder zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins gewählt worden, so Jühe. Der bisherige Fraktionsvorsitzende, Michael Gluch, stellte sich nicht mehr zur Verfügung. Gluch wolle sich ausschließlich dem Fraktionsvorsitz widmen, so Jühe. Dies sei aber auch Teil eines Strategiekonzeptes für die Zukunft. Gluch war 14 Jahre Vorsitzender des Ortsvereins.

Er wolle nun als Parteivorsitzender mithelfen, den Nachfolger zu suchen, so Jühe. Die Bürgermeisterwahl ist im September 2023. Er sei mit dem Vorgehen einverstanden, betont Gluch im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sei nicht klug, jemanden mit der meisten Berufserfahrung bei der Kandidatensuche außen vor zu lassen. Zudem sei eine Amtszeit von 14 Jahren sehr lange. Dennoch habe er das Amt mit Wehmut aufgegeben, auch, weil er mit einem guten Team zusammengearbeitet habe.

Jühes Nachfolger soll nun über ein spezielles Auswahlverfahren gefunden werden. Die Bevölkerung solle bewusst in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, so Jühe. Potenzielle Kandidaten sollen sich den Bürgern vorstellen, die SPD wolle ein Feedback von ihnen erhalten. "Über den Nachfolger soll nicht alleine die SPD entscheiden", so Jühe.

Ausstieg in Etappen

Der Kandidat müsse fachliche und soziale Kompetenzen mitbringen. Er müsse in den kommenden Jahren mit den Bürgern gut zusammenarbeiten können. Der Amtsinhaber berichtet jetzt schon von Bewerbern, allerdings nennt er noch keine konkreten Namen. Es gebe sowohl innerhalb als auch außerhalb Raunheims Bewerber mit und ohne Parteibuch.

Die Amtszeit des Vorstandes dauert zwei Jahre. Jühe wolle den Vorsitz für drei Jahre übernehmen. Im April 2024 ist die Amtseinführung des Bürgermeisters. "Dann ist Schluss", sagt er. Nach dem Ausscheiden wolle er sich aus allen politischen Ämtern zurückziehen. Denn er wolle nicht als ehemaliger Bürgermeister seinem Nachfolger sagen, wie er zu handeln habe und sich auch nicht in die Belange des Ortsvereins einmischen.

Die SPD strebe an, jüngere Leute an die Parteispitze zu bringen. Die Partei solle künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Jühe werde jemand aus dem jüngeren Lager zur Seite gestellt. Zunächst müsse jedoch die Satzung geändert werden. Ein Co-Vorsitzender werde in einer kommenden Mitgliederversammlung gewählt.

Die Verjüngung gelte auch für den Fraktionsvorsitz. Bereits vor der Kommunalwahl habe sich die SPD darauf verständigt, den Generationenwechsel vorzubereiten. Gluch werde in absehbarer Zeit den Fraktionsvorsitz aufgeben. Gluch mochte indessen keinen Zeitraum nennen. Es gebe keine Eile und keinen Zeitdruck. "Der Übergang soll harmonisch gestaltet werden", sagte er.

Im Hinblick auf die anstehenden Änderungen blieb bei den Vorstandswahlen die Position des Zweiten Vorsitzenden offen. Bisher bekleidete das Amt Franz Frost. Auch ein Schriftführer sei nicht gewählt worden, weil er vielleicht in den erweiterten Vorstand integriert werde.

Neuer Kassierer ist Sven Carsten Steinacker. Dorothee Herberich bleibt Mitgliederbeauftragte. Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit ist Beisitzerin Pia Andrews, zudem gibt es 13 weitere Beisitzer.

Rüdiger Koslowski

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