Oualid Mokhtari, der einst u.a. für die Offenbacher Kickers und den FSV Frankfurt spielte, bringt Verständnis für das Fehlverhalten der Jugendlichen auf. Er fordert dazu auf, sie Corona-konform zu beschäftigen.
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Oualid Mokhtari, der einst u.a. für die Offenbacher Kickers und den FSV Frankfurt spielte, bringt Verständnis für das Fehlverhalten der Jugendlichen auf. Er fordert dazu auf, sie Corona-konform zu beschäftigen.

Ordnung

Jugendliche spielen trotz Verbots im Sportpark

SV 07-Vorsitzender Oualid Mokthari schlägt vor, wie man die Heranwachsenden beschäftigen könnte

Der monatelange Lockdown nagt an den Nerven der Kinder und Jugendlichen. Der Vereinssport ruht, Freunde dürfen sie nur eingeschränkt treffen, die Schule läuft im Wechselunterricht. Was also tun in der Freizeit?

Da gehen dann durchaus mal die Gäule mit dem Nachwuchs durch. Erst kürzlich hatten sich zahlreiche Jugendliche auf der Freisportanlage am Schnelser Weg aufgehalten, obwohl diese mit einem Bauzaun abgesperrt worden war. In der Anne-Frank-Schule randalierten Jugendliche.

Jetzt berichtet Oualid Mokhtari, der Vorsitzende des Sportvereins 07, von rund 40 Jugendlichen, die im abgesperrten Sportpark Fußball spielten. Die Sportanlage ist ohnehin Privatgelände der Stadt, wenn das Tor geschlossen ist, hat dort niemand etwas verloren. Er habe im Vereinsbüro etwas holen wollen, berichtet Mokhtari im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei seien ihm die Jugendlichen aufgefallen. "Ich habe gedacht, dass sie flüchten, als sie mich gesehen haben. Sind sie aber nicht", berichtet er.

Gleich mehrere Vergehen

Er habe das Gespräch mit ihnen gesucht. Einige habe er gekannt, es seien jedoch keine Vereinsmitglieder unter den Jugendlichen gewesen. Die kamen wohl aus Raunheim, Rüsselsheim und Kelsterbach, vermutet er. Es habe sich bei ihrem Verhalten gleich um mehrere Vergehen gehandelt: Hausfriedensbruch, Verstoß gegen die Abstandsregeln und Kontaktsport. Die Jugendlichen hätten Verständnis für seine Ansprache gezeigt. Er habe ihnen nicht gedroht, sondern mit ihnen geredet. Als Lehrer und Trainer habe er durchaus ein Händchen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

Es sei nicht das erste Mal, dass er Jugendliche im Sportpark verscheuchen musste. Allerdings habe er bisher nicht diese große Anzahl erwischt. Mokhtari, Lehrer an der Anne-Frank-Schule, bringt durchaus Verständnis für die Jugendlichen auf. Dieses Alter sei die schönste Zeit im Leben, dies dürfe man nicht vergessen. Er betont aber dennoch, dass ihr Verhalten falsch war. "Ich weiß, was die Jugendlichen durchmachen. Aber die Erwachsenen und die Senioren machen auch viel durch", unterstreicht er.

Die geltenden Regeln müssten eingehalten werden. "Wir müssen alle an einem Strang ziehen und Versammlungen von Menschen verhindern", sagt er. Die Jugendlichen könnten joggen gehen, alleine oder zu zweit mit dem Ball trainieren und sich fit halten. Dies hätten er und seine Freunde im Jugendalter auch gemacht. Allerdings räumt er ein, dass es Menschen brauche, die sich mit den Jugendlichen beschäftigen, die ihnen nicht nur sagen würden, was sie alles falsch machen.

Für die unter 14-Jährigen habe der Verein bis zum 1. April noch Training anbieten dürfen, informiert er. Für die älteren Kicker sei das nicht möglich gewesen. Auch sein Feriencamp habe er wegen der hohen Inzidenz absagen müssen. Ideen, Jugendliche zu beschäftigen, hat er durchaus und macht das auch schon. Mokhtari hat eine Gruppe von zehn Jugendlichen unter seine Fittiche genommen, mit denen er jeweils einzeln am Boxsack trainiert. Mit anderen läuft er in Fünfergruppen im Wald.

Kein professionelles Konzept

Weil ihnen die Decke auf den Kopf falle, hätten ihn die Jugendlichen selbst angesprochen. Anderen habe er dagegen den Sport angeboten. Dies könne mit einem Konzept viel professioneller praktiziert werden. Dabei könnten Jugendliche ihre Energie loswerden. Eine andere Möglichkeit seien Fahrradtouren. Vielleicht gebe es Menschen, die die Jugendlichen ehrenamtlich betreuen. Oder es müsse Geld für Betreuer investiert werden. "Wir zahlen für so viele Dinge. Warum nicht in unsere Kinder investieren?", fragt er.

Kein Verständnis bringt Mokhtari allerdings für die Randalierer in der Anne-Frank-Schule auf. Dieses Verhalten bezeichnet er deutlich als asozial. Einbruch, Vandalismus, Diebstahl: Diese Jugendlichen würden zerstören, was engagierte Schüler und Lehrer aufgebaut hätten. Er ist sich sicher, dass die Täter über kurz oder lang geschnappt werden. "Dafür müssen sie sich verantworten", betont er. Rüdiger Koslowski

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